Sonderschulen
Heilpädagogische Sonderschule: Jetzt liegt Ball bei der Regierung

Im Dezember entstand eine Kontroverse, ob Heilpädagogische Sonderschulen als Teil der Volksschule öffentlich-rechtlich geführt werden sollen oder auch privatrechtlich geführt werden können. Der Lehrerverband will jetzt eine Klärung herbeiführen.

Mathias Küng
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Kathrin Scholl (alv) und Werner Sprenger (Stiftung Schürmatt).

Kathrin Scholl (alv) und Werner Sprenger (Stiftung Schürmatt).

AZ

Die Debatte kam auf, nachdem Aarau nach längerem politischen Prozess die Trägerschaft für ihre Heilpädagogische Sonderschulen (HPS) per Ende 2012 an die privatrechtliche Stiftung Schürmatt abgegeben hatte. Ohne öffentliche Ausschreibung, wie der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband (alv) kritisiert. Die Diskussion verstärkte sich, als bekannt wurde, dass auch die HPS in Othmarsingen neu von der Stiftung Schürmatt geführt werden soll.

Lehrerverband lancierte Petition

Daraufhin lancierte der alv eine Petition «für starke, öffentlich-rechtliche Heilpädagogische Sonderschulen im Kanton Aargau». Zentral darin ist, dass die HPS «ein Teil der Volksschule ist und dies im Sinn des Bildungsauftrages bleiben soll». Vom Erfolg der Unterschriftensammlung wurde der alv überrollt. «Das ist ein sehr grosser Erfolg», sagt die stellvertretende alv-Geschäftsführerin Kathrin Scholl. Die Unterschriftensammlung wurde verlängert, gar 2680 Unterschriften kamen zusammen. Die Resolution wird im Mai dem Kanton übergeben.

Kritisiert der alv mit der Resolution die Arbeit der privatrechtlich geführten HPS? Nein, es gehe nicht gegen eine Institution, da stelle man gar nichts in Frage, betont Scholl. Die Resolution sei keine inhaltliche Kritik an privatrechtlich geführten HPS. Zentral sei dem alv: «Die HPS gehört zur Volksschule. Das besagt auch das Behindertengleichstellungsgesetz. Deren Anbindung ist sogar besonders wichtig. Eine gesamte Steuerung aus einer Hand ist unverzichtbar. Deshalb sollen jetzt nicht strukturell Dinge geändert werden, solange der Kanton Aargau noch kein Konzept Sonderpädagogik hat. Es braucht erst eine Auslegeordnung.» Es könne Gründe geben, eine HPS anders zu organisieren, so Scholl: «Doch erst soll der Kanton seine Hausaufgaben machen, eine Gesamtschau erstellen und auch die Schnittstellen zwischen HPS und Regelklasse klären.»

Vorwurf der Rosinenpickerei

Werner Sprenger, Direktor der Stiftung Schürmatt, sieht das anders. Er verweist darauf, dass von 29 Sonderschulen im Kinder- und Jugendbereich im Kanton Aargau 18 privatrechtlich und 11 öffentlich-rechtlich geführt werden. Es gebe beide Modelle. Bildungsdirektor Alex Hürzeler habe an einem Treffen unlängst gesagt, so Sprenger, man mache damit gute Erfahrungen und wolle es beibehalten. Zur indirekten Kritik an privatrechtlichen Trägerschaften betont Sprenger, sie seien eine Stiftung. Die schöpfe keinen Gewinn ab. Auch sei der Vorwurf der «Rosinenpickerei» nicht stichhaltig. Sprenger: «Wir haben Aufnahmezwang und nehmen die Schüler, die uns angemeldet werden, auch auf.»

In Aarau laufe es sehr gut. Unter der neuen Trägerschaft gebe es nicht weniger Schüler. Deren Zahl werde nach den Sommerferien von 60 voraussichtlich auf rund 70 steigen. In Othmarsingen ist man noch in der Vorprojektphase. Sprenger: «Wir reichen das Projekt nächste Woche beim Kanton ein.» Sprenger wehrt sich gegen geäusserte Vorwürfe, die Vergabe werde «still und leise» durchgeführt. Die Idee, einen zentralen Werkstufenstandort aufzubauen, entspringe einer Arbeitsgruppe, die sich aus dem BKS und den Vertreterinnen von fünf HPS zusammensetzte. Es sei darum gegangen, «eine Lösung für den Platznotstand (es fehlen aktuell 130 HPS-Schulplätze) zu finden». Nachdem Othmarsingen (Gemeinderat) als Standortgemeinde und Lenzburg (Stadtrat und Schulpflege) als Nachbargemeinde nicht bereit gewesen seien, ein solches Zentrum zu realisieren, sei im Juni 2012 die Stiftung Schürmatt angefragt worden.

«Beide Modelle funktionieren»

Sonderschulen sind im Aargau Teil der Volksschule, sagte der Bildungsdirektor und neue Landammann Alex Hürzeler kürzlich an einem Fachtreffen in Aarau. Sonderschulen erfüllten einen öffentlichen Auftrag und unabhängig von der Rechtsform der Trägerschaft gälten dieselben Vorgaben, so Hürzeler. Der Aargau hat 29 Sonderschulen, 18 von ihnen sind von privaten Trägern geführt. Hürzeler: «Beide Modelle funktionieren.»

Den Vorwurf von Kathrin Scholl, der Kanton habe noch kein Konzept Sonderpädagogik, weist die Leiterin der Abteilung Sonderschulung, Heime und Werkstätten beim Kanton, Christine Hänggi, zurück: «Wir haben seit 2007 die entsprechende Gesetzgebung, der liegt eine Konzeption für die Sonderschulung zugrunde. Darin sind die Angebote festgehalten, die Anspruchsberechtigten, Kriterien und Verfahren bis hin zu den Finanzierungsmodi.»

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