Gaspreis
Nach dem Preisschock in Wohlen: Auch weitere Energieversorger im Aargau wollen den Gastarif erhöhen

Mit ihrer Gaspreiserhöhung um insgesamt 73,1 Prozent schockten die Industriellen Betriebe Wohlen (ibw) am Montag ihre Kundinnen und Kunden. Einige andere Anbieter haben die Tarife schon erhöht, gehen aber wohl nochmals rauf. Mehrere Versorger sind noch am Rechnen. Dies zeigt eine vorläufige Übersicht.

Mathias Küng
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Gas war lange eine günstige Energiequelle – hier ein Bild von der Einweihung einer neuen Erdgasleitung in Hagenwil im Jahr 2015.

Gas war lange eine günstige Energiequelle – hier ein Bild von der Einweihung einer neuen Erdgasleitung in Hagenwil im Jahr 2015.

Reto Martin

Diese Woche liess eine Mitteilung der Industriellen Betriebe Wohlen (ibw) nicht nur ihre Kundinnen und Kunden aufhorchen. Die ibw meldeten, sie sähen sich aufgrund des jüngst enorm gestiegenen Marktpreises leider gezwungen, ihre Erdgaspreise rückwirkend per 1. Oktober nicht wie angekündigt um 2,7 Rappen, sondern sogar um 6,7 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) zu erhöhen.

Je nach Bezugsmenge kostet Erdgas in Wohlen also nun 14,65 und 21,8 Rappen pro kWh (vorher zwischen 7,95 und 15,1 Rappen). Vom Ausmass und der Plötzlichkeit der Preissteigerung im weltweiten Gasmarkt sei man überrascht, hielten die ibw in ihrer Mitteilung fest. Sollte sich die Situation wieder beruhigen, werde man allfällige Preissenkungen selbstverständlich an die Kundinnen und Kunden weitergeben, teilte das Unternehmen mit.

120 Franken monatliche Mehrkosten für ein Einfamilienhaus

Die Erhöhung um 6,7 Rappen kWh beziehungsweise um 73,1 Prozent belastet die Bewohnerinnen und Bewohner eines Einfamilienhauses mit einem jährlichen Verbrauch von 20000 kWh zusätzlich um rund 120 Franken monatlich.

Nach oben zeigt der Preis auch bei anderen Energieversorgern im Aargau, die Gas liefern. So konnten die Industriellen Betriebe Brugg (IBB) den Erdgas/Biogaspreis im April 2020 letztmals senken und den Preis seither halten. Doch trotz «vorausschauender, gestaffelter Beschaffung», wie es in einer Mitteilung heisst, sei man gezwungen, den Preis per 1. Oktober (also schon geschehen) um 2,69 Rappen zu erhöhen.

Auch die in Aarau domizilierte Eniwa AG teilte diese Woche mit, dass sie den Gaspreis erhöhen müsse, und zwar per 1. November. Dasselbe gilt für die Wynagas AG.

Baden: Erhöhung per 1. Oktober, wohl nochmals ab 1. Januar

Die Regionalwerke AG Baden hat per 1. Oktober 2021 ihre Gaspreise um 2,2 Rappen/kWh erhöht. Aufgrund der aktuellen Situation «werden wir Ende Oktober die neuen Preise, gültig ab 1. Januar 2022, definieren und unseren Kunden kommunizieren», schreibt Gilles Tornare, Leiter Marketing. Und weiter: «Da gehen wir von einer erneuten Preiserhöhung aus, ferner kommt dazu, dass die CO2-Abgabe des Bundes per 1. Januar 2022 um rund 0,43 Rp./kWh ansteigt und die Gaspreise noch weiter verteuert. Wir werden also keine rückwirkenden Preisanpassungen per 1. Oktober 2021 vornehmen.»

SWL in Lenzburg kommuniziert die neuen Preise nächste Woche

Beim Gaspreis ist auch die SWL Energie AG in Lenzburg in einer Ausnahmesituation. «Auch wir müssen einen Aufpreis verlangen, und zwar ab 1. November, also nicht rückwirkend», sagt Geschäftsführer Markus Blättler: «Wie viel das ist, kann ich noch nicht sagen. Wir sind am Rechnen. Wir wollen einen Teil der Erhöhung auf unsere Kappe nehmen, einen Teil müssen wir aber weiterverrechnen. Wir werden nächste Woche die genaue Erhöhung kommunizieren.» Die Planung sei aber angesichts der enormen Preisvolatilität am Markt sehr schwierig. Blättler: «Wir werden die Situation im Dezember wohl nochmals anschauen müssen.»

Zofingen erhöht Preise für Privatkunden per 1. Januar markant

Dank strukturierter Beschaffung von StWZEnergie (Zofingen) könne ein Teil des Preisanstiegs gedämpft werden, sagt Kommunikationschefin Claudia Beck. Dennoch erhöhen sich die Beschaffungskosten markant, was nach einem Preisanstieg per 1. Oktober 2021 auch eine ausserordentliche Preisanpassung für die Geschäftskunden auf den 1. November 2021 zur Folge habe. Für die Privatkunden, die bei der StWZ halbjährlich abgerechnet werden, «wird die markante Preiserhöhung erst per 1. Januar 2022 erfolgen». Zur genauen Erhöhung kann Beck noch keine Angaben machen.

Industrielle Werke Basel: Regierung müsste über Preiserhöhung entscheiden

Die Industriellen Werke Basel (IWB) versorgen zahlreiche Gemeinden im Fricktal mit Gas, darunter Rheinfelden, Kaiseraugst und Gipf-Oberfrick. Man wolle den Kunden eine gewisse Preisstabilität bieten und Preissprünge vermeiden, sagt Mediensprecher Reto Müller. Dabei arbeiteten die IWB mit Deckungsdifferenzen: «Guthaben» der Kunden aus Perioden mit tiefen Gaspreisen werden in Perioden steigender Gaspreise tarifmindernd berücksichtigt. So wurden die Tarife per 1. Juli 2021 sogar um 2,6 Prozent gesenkt.

Der massive Preisanstieg am Markt erfolgte allerdings nachher. Was machen die IWB jetzt? Man behalte die angespannte Lage im Auge, so Müller: «Sollten wir Anpassungsbedarf sehen, muss der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt eine allfällige Tarifanpassung jeweils genehmigen.» Im Anschluss an einen solchen Beschluss würden die Kunden umgehend informiert.

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