Coronakrise

Fifty-fifty bei der Miete: Wirte und Mieter hoffen, Ladenbesitzer winken ab

Diskussionen, ob die Miete bezahlt werden muss oder erlassen wird, sind im Gange, bis jetzt ergebnislos.

Diskussionen, ob die Miete bezahlt werden muss oder erlassen wird, sind im Gange, bis jetzt ergebnislos.

Im Streit um Lokalmieten können sich der Hauseigentümerverband und Gastro Aargau nicht finden. Die Lösungsansätze sind verschieden.

Wirte sowie Mieterinnen und Mieter weiterer (Laden-)Lokale, die wegen Corona schliessen mussten, oder kaum noch Umsatz haben, sitzen auf ihren Mietkosten. Doch wer soll dafür aufkommen? In der AZ schlug gestern der frühere Badener Stadtplaner Hans Wanner vor, die Mietkosten für diese Zeit zwischen Mieter und Vermieter hälftig zu teilen.

Könnte dies eine salomonische Lösung sein? Bruno Lustenberger, Präsident von Gastro Aargau und Hotelier in Aarburg, ist froh um diesen Vorschlag. Es gebe bereits Vermieter, die den Mietern grosszügig entgegengekommen seien, aber gerade viele grössere Vermieter liessen bisher nicht mit sich reden, sagt er. Was wäre für ihn denn eine gute Lösung? «Dies kann nur ein Erlass oder wenigstens ein Nachlass bei der Miete sein, eine Stundung nützt gar nichts», sagt Lustenberger und erklärt wieso: Bei einer Stundung blieben die Kosten bestehen. «Das wäre für uns eine Katastrophe, denn die Margen sind bei uns so gering, dass sich die meisten dafür verschulden müssten. Da ist die Chance gering, diese Schulden zurückzahlen zu können.»

Gastro-Präsident sieht Basler Lösung als Vorbild

Er ist so pessimistisch, weil das Hauptproblem erst noch komme: «Wenn wir wieder öffnen dürfen, können wir wegen der Abstandsregeln, die ich akzeptiere, viel weniger Gäste bewirten. Wenn der Umsatz deutlich tiefer ist als bisher, geht die Rechnung womöglich nicht mehr auf.» Das Schlimmste sei die Ungewissheit. Jetzt sei die Gastroseelsorgerin gefragt, um mit Betroffenen zu reden, die keine Perspektive mehr sehen.

Die fairste Lösung dünkt ihn die, die sich in Baselstadt abzeichnet. Lustenberger: «Man einigte sich so: Einen Drittel soll der Mieter, einen Drittel der Vermieter, einen Drittel der Staat zahlen.»

Hansjörg Knecht gegen «undifferenzierten Zwang»

Der Präsident des Hauseigentümerverbandes Aargau (HEV Aargau), SVP-Ständerat Hansjörg Knecht, sagt, es gebe keine allgemeingültige Lösung, die der äusserst heterogenen Situation gerecht wird. Gemäss Rückmeldung des Rechtsdienstes des HEV seien zahlreiche private und auch institutionelle Vermieter ihren Geschäftsmietern, die ihren Betrieb schliessen mussten, mit diversen Erleichterungen und Mieterlassen entgegengekommen, sagt Knecht. Genaue Zahlen lägen aber keine vor. Zahlen, die in den Medien herumgereicht würden, seien oft reine Mutmassungen, sagt Knecht: «Viele Parteien sind noch in Verhandlungen oder haben vorerst Stundungen vereinbart, um weniger Zeitdruck zu haben. Nicht alle privaten Eigentümer sind auf Grund ihrer eigenen weiterlaufenden finanziellen Belastungen allerdings bereit, Mieterlasse zu gewähren. Schliesslich sind auf beiden Seiten die finanziellen Verhältnisse äusserst unterschiedlich.» Es gebe Unternehmer (Mieter) wie Vermieter, welche ausreichend finanzielle Reserven anlegen konnten. Für Knecht ist deshalb klar: «Eine erzwungene undifferenzierte Lastenüberbindung auf die Vermieter ist verfehlt.»

Im Gegensatz zur Nationalratskommission wolle die Ständeratskommission «nicht einen ungerechten undifferenzierten Zwang zu 70% Mieterlass». Sie fordere den Bundesrat auf, dass Betreiber von Unternehmen, die über den 27.April hinaus geschlossen bleiben müssen, aus den Überbrückungskrediten einen Erlass von bis drei Monatsmieten erhalten. Diese Massnahme, mahnt Knecht, «soll allerdings nicht mit der Giesskanne erfolgen, sondern in Härtefällen».

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