Axpo
Familie Hösli und die Liebe zum Strom

101 Jahre arbeiteten Christian Höslis Grossvater und Vater für die Axpo – die Faszination fürs Elektrische gaben sie ihm weiter.

Manuel Bühlmann
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Wie seine Grossmutter arbeitet seit einiger Zeit auch seine Frau bei der Axpo: Christian und Gloriana Hösli beim Wasserkraftwerk Beznau.

Wie seine Grossmutter arbeitet seit einiger Zeit auch seine Frau bei der Axpo: Christian und Gloriana Hösli beim Wasserkraftwerk Beznau.

Sandra Adrizzone

Das Kraftwerk war für Christian Hösli das, was für andere Kinder der Spiel- oder Fussballplatz ist. Dort verbrachte er seine freien Mittwochnachmittage – zusammen mit seinem Vater Balthasar Hösli. «Nur schauen», lautete dessen Befehl. Zu gross war die Gefahr eines Stromschlags.

«Die Hände in die Hosensäcke zu stecken, galt damals als unanständig. Im Kraftwerk durfte ich für einmal unanständig sein», sagt der 55-Jährige lachend. Er liess sich alles erklären, jedes Detail interessierte ihn. «Ich war schon immer ein technischer Mensch.»

Die Faszination für alles Elektrische liegt in der Familie. Die Höslis arbeiten bereits in dritter Generation für die Axpo bzw. deren Vorgängerfirma Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK), die dieses Jahr ihr 100-Jahr-Jubiläum feiert. Schon Christian Höslis Grossvater und Vater, die beide verstorben sind, verdienten ihr Geld im Stromunternehmen.

1.50 Franken Lohn im ersten Jahr

Dabei hätte die Familientradition beinahe gar nicht erst beginnen können: Das Geld fehlte. Anfang des 20. Jahrhunderts musste zahlen, wer eine Lehre machen wollte – zu teuer für die Eltern von Christian Höslis Grossvater. Nur weil der Betriebsleiter das Talent des Jugendlichen erkannte, konnte Balthasar Senior 1912 eine Ausbildung im Speicherkraftwerk am Glarner Klöntalersee beginnen. Bereits vier Jahre zuvor – als 13-Jähriger – hatte er dort als Telefonbub gearbeitet. Weil der Lehrer krank wurde, hatte man die Schule den Sommer durch geschlossen. Damit war seine Schulzeit beendet und er musste aus wirtschaftlichen Gründen eine Arbeit annehmen. Sie bestand darin, Stecker ein- und auszustöpseln, sodass die Telefonanrufe am richtigen Ort landeten.

Gloriana und Christian Hösli - ein Leben für den Strom.

Gloriana und Christian Hösli - ein Leben für den Strom.

Sandra Ardizzone

Es folgte die Lehre als Schlosser. Einen Franken und 50 Rappen verdiente er im ersten Jahr – für den elfstündigen Arbeitstag. Vom Lehrling arbeitete er sich zum stellvertretenden Betriebsleiter hoch. Mit grossem Eifer und Ehrgeiz. «Seine Familie bestand aus einer Frau, vier Kindern und einem Elektrizitätswerk», sagt Christian Hösli. Um im Notfall schnell vor Ort zu sein, wohnte er gleich neben dem Löntschwerk.

Die Nähe von Wohn- und Arbeitsplatz hat bei der Familie Tradition: Genau wie Grossvater und Vater wohnt auch Christian Hösli in unmittelbarer Nähe zu seinem Arbeitsort, dem Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Würenlingen (Zwilag). Das sei ein Privileg, sagt er. Auch wenn er erst kürzlich wieder wegen eines Fehlalarms aus dem Bett geholt worden ist. «Ich kann mir gar nichts anderes vorstellen, als nebenan zu wohnen.»

Vater war für die Ausbildung des Sohnes zuständig

Nichts anderes vorstellen als eine Lehre beim Elektrizitätskraftwerk konnte sich auch sein Vater, Balthasar Hösli junior. Der Lehrmeister nahm es besonders genau – Balthasar Hösli senior war für die Ausbildung seines Sohnes zuständig. Noch Jahrzehnte später erzählte Christian Höslis Vater eine Anekdote aus dieser Zeit: Er habe nur einmal in den Strom gegriffen. Am meisten geschmerzt habe aber nicht der Stromschlag, sondern die väterliche Ohrfeige danach.

In seinem Büro bewahrt Christian Hösli Erinnerungsstücke seiner Vorfahren auf. Der Lehrvertrag des Grossvaters, hundertjährige Messinstrumente, ein uhrwerkbetriebener Rasierapparat, zahlreiche Fotoalben gefüllt mit privaten, aber vor allem auch vielen technischen Bildern. Und natürlich die Jubiläumsgeschenke wie etwa das ursprünglich mit Schnaps gefüllte Modell eines Transformators. Denn Jubiläen konnte die Familie Hösli viele feiern. Allein Christian Höslis Grossvater und Vater kamen zusammen auf 101 Dienstjahre. Und auch er arbeitet mittlerweile – mit Unterbruch – bald 20 Jahre für den Stromkonzern und als Leiter Abteilung Betrieb im Zwilag, dessen Mehrheitsaktionär die Axpo ist.

Folgt auch die vierte Generation dem Strom?

Die Firma des Vaters habe ihn geprägt, sagt Christian Hösli. Schockiert habe ihn, wenn Schulkollegen nicht einmal wussten, wo ihr Vater arbeitete. Die Arbeit war Thema Nummer 1 am Esstisch. Die Familie gehörte zu den ersten in Wettingen, die Fernseher, elektrische Kaffeemühle und Mixer besassen.

Die Firma hat für ihn aber auch aus einem ganz anderen Grund eine wichtige Bedeutung: Seine Mutter und sein Vater lernten sich bei der Arbeit kennen. Sie Sekretärin auf der Baustelle des Kraftwerks Rupperswil-Auenstein, er Zeichner am NOK-Hauptsitz in Baden. Die Liebesgeschichte beginnt mit einem Telefonat: Er ist hingerissen von der Stimme der unbekannten jungen Frau, die Anrufe werden länger, ihr Inhalt privater. Bis sich die beiden auf der Baustelle in Rupperswil-Auenstein erstmals treffen. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor. Zwei Söhne sind Lehrer, Christian Hösli hingegen zieht es in die Strombranche. Für den Grossvater sei es «eine Erlösung» gewesen, dass doch noch jemand die Tradition weiterführt, sagt Hösli.

Ob die vierte Generation dem Beispiel folgt, ist offen. Der 18-jährige Sohn Oliver ist jedenfalls an der Strombranche interessiert. Das Praktikum bei der Kommunikationsabteilung der Axpo kam nur deshalb nicht zustande, weil die Zeitdauer zu kurz und der Aufwand zu gross war. Druck, in die Fussstapfen zu treten, gebe es in der Familie nicht, sagt Christian Hösli. Das sei bei ihm nicht anders gewesen. «Es muss ihm Spass machen, er soll nicht einfach eine Klein-Ausgabe seines Vaters werden.»

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