Hitachi-Deal
«Eine Schande! Zum Kotzen» – Aargauer alt Regierungsrat attackiert ABB-Chef

Der Verkauf der ABB-Stromsparte nach Japan löst im Aargau besonders grosse Unsicherheit aus. Und zum Teil auch Wut. Jedenfalls bei alt Regierungsrat Rainer Huber. Der CVP-Politiker bezeichnet die Argumentation von ABB-Chef Ulrich Spiesshofer als "Schande" – und mehr.

Rolf Cavalli
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«Eine Schande» – alt Regierungsrat Rainer Huber (CVP) findet keinen Gefallen an der Argumentation von ABB-Chef Ulrich Spiesshofer für den Spartenverkauf.

«Eine Schande» – alt Regierungsrat Rainer Huber (CVP) findet keinen Gefallen an der Argumentation von ABB-Chef Ulrich Spiesshofer für den Spartenverkauf.

Fotos: Keystone/ZVG; Montage: az

Besorgt äusserte sich Anfang Woche schon der amtierende Aargauer Regierungsrat über den Verkauf der ABB-Stromsparte nach Japan. Schliesslich stehen viele Arbeitsplätze in der Region auf dem Spiel. «Mit dem Verkauf der Stromnetzsparte wird nicht nur eine volumenmässig wichtige Sparte des Industriekonzerns verkauft, sondern das eigentliche ‹Herzstück› der ABB, das eng mit der aargauischen Industriegeschichte verknüpft ist.»

Weniger diplomatisch drückt sich der ehemalige Aargauer Regierungsrat und Bildungsminister Rainer Huber (2001-2008) aus. Auf Facebook lässt der CVP-Politiker seiner Wut über den Hitachi-Deal freien Lauf. Das sei ein «schändlicher Ausverkauf zu Lasten des Werkplatzes Schweiz», schreibt Huber. «Warum lässt unsere Gesetzgebung einen solchen schrittweisen Ausverkauf zu?»

Und dann zielt er direkt auf ABB-Chef Ulrich Spiesshofer. Alt Regierungsrat Huber sind einige von Spiesshofers Aussagen im AZ-Interview sauer aufgestossen. Spiesshofer sagte dort unter anderem, die Stromnetze hätten aufgrund des wachsenden Gesamtmarkts «eine wirklich gute Zukunft» vor sich. Die ABB verkaufe diesen Bereich aber trotzdem, um sich zu fokussieren.

Alt Regierungsrat Huber schreibt: Die Argumentation des Herrn Spiesshofer sei «zum Kotzen» peinlich!» Sachliche Argumente, zukunftsorientiert und fundiert würden zu 100 Prozent fehlen. Die Verwendung des Erlöses ausschliesslich zu Gunsten der Aktionäre und nicht zum grössten Teil zu Gunsten der Zukunft der «Rest-ABB» in Forschung und Entwicklung beweise die Kurzsichtigkeit und Käuflichkeit der Führung. «Eine grosse Schande!»

Die Worte des CVP-Mannes Rainer Huber decken sich mit der Stellungnahme der SP Aargau: Auch sie spricht von «Schande» und findet es «skandalös», dass der Erlös aus dem Verkauf allein an die Aktionäre gehen soll. Das bringe der Volkswirtschaft nichts und die Angestellten müssten darunter leiden, so die SP.

So wehrt sich Deutschland gegen den Ausverkauf

Der Ausverkauf von Schlüsseltechnologie ins Ausland ist auch in Deutschland ein grosses Thema: Im Gegensatz zur Schweiz hat Deutschland den Verkauf von deutschen Hightech-Firmen dieses Jahr gestoppt. Vergangenen Juli hat die Deutsche Regierung beim Verkauf deutscher Firmen an nicht-europäische Käufer ein Vetorecht. Damit soll nicht nur verhindert werden, dass ausländische Investoren mit Hilfe von Staatsgeldern deutsche Hightech-Firmen aufkaufen, sondern vor allem, dass das Know-how verloren geht und die Investoren es nutzen, um der deutschen Wirtschaft Konkurrenz zu machen. Die Gesetzesänderung war eine Reaktion darauf, dass chinesische Investoren auch in Deutschland auf Einkaufstour gehen. (pz)

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