Doktor O.
Illegaler Impfstoffhandel: Swissmedic ermittelt gegen dubiosen Aargauer Arzt – es ist nicht der erste solche Fall im Kanton

Doktor O. (Name der Redaktion bekannt), der über seine Firma im Aargau illegal Impfdosen vermittelt, gerät ins Visier der Behörden. Das Heilmittelinstitut Swissmedic führt ein Verfahren gegen den Mann, der auch Impfstoff gefälscht haben könnte. Schon im Februar hatte Swissmedic einem anderen Aargauer, der 20 Millionen Dosen AstraZeneca anbot, den Handel mit Arzneimitteln verboten.

Fabian Hägler
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Der handschriftlich angeschriebene Briefkasten des dubiosen Arztes Doktor O. (Name der Redaktion bekannt) in Bünzen.

Der handschriftlich angeschriebene Briefkasten des dubiosen Arztes Doktor O. (Name der Redaktion bekannt) in Bünzen.

Fabian Hägler/Aargauer Zeitung

Bisher schien es, als laufe gegen Doktor O., den dubiosen Arzt mit einer Briefkastenfirma in Bünzen, der ausländischen Regierungen mehrere Millionen Impfdosen anbietet, kein Verfahren. Doch nun nimmt der Fall eine neue Wende: Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic ermittelt gegen den 52-Jährigen, wie Maria Gares, Sprecherin des kantonalen Gesundheitsdepartements, der AZ mitteilt.

Weitere Abklärungen hätten ergeben, dass gegen den Mann seit kurzem ein Verfahren laufe, sagt Gares. Swissmedic hatte den Kanton angefragt, ob der dubiose Arzt im Aargau berufstätig und zuvor schon auffällig geworden sei. Die Sprecherin führt aus:

«Als Begründung für die Anfrage teilte Swissmedic mit, dass der Mann im Zusammenhang mit möglichen Verstössen gegen das Heilmittelgesetz in Bezug auf Impfstoffhandel und allenfalls Impfstofffälschung stehe.»

Das Gesundheitsdepartement antwortete Swissmedic, dass der Kanton Aargau im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen keine Verfahren gegen den Arzt eröffnet habe. «Wir haben der Behörde aber mitgeteilt, dass früher ein aufsichtsrechtlicher Kontakt im Zusammenhang mit einer Meldepflicht stattgefunden hatte», sagt Gares.

Aargauer bot drei Kantonen über 20 Millionen Dosen von AstraZeneca an

Doktor O. ist nicht der erste Aargauer, der illegal Impfstoffe verkaufen oder vermitteln wollte. Bereits im Februar gab es im Kanton laut Gares einen ähnlichen Fall: Damals bot der Inhaber einer Beratungsfirma im Aargau mehreren Kantonen die Lieferung von über 20 Millionen Dosen des Covid-19-Impfstoffes AZD1222 von AstraZeneca an.

Auch der Aargau erhielt per Mail ein Angebot zum Kauf des Impfstoffs, der damals wie heute in der Schweiz gar nicht zugelassen ist. Sprecherin Gares sagt: «Das Gesundheitsdepartement hat den Fall vom Februar sofort der Staatsanwaltschaft gemeldet, die Swissmedic informiert hat.» Die nationale Heilmittelbehörde wurde daraufhin aktiv und verbot dem Mann «jegliche Handelstätigkeit mit Arzneimitteln».

Swissmedic untersagt Impfstoffvermittler den Handel mit Arzneimitteln

Sollte der Mann, der kein Arzt ist, gegen das Verbot verstossen, wurde ihm eine Busse von bis zu 50'000 Franken angedroht. Zudem auferlegte ihm Swissmedic für das Verfahren eine Gebühr von 600 Franken, wie aus der Verfügung der Behörde hervorgeht, welche der AZ vorliegt. Und der Mann musste seine Angebote an die Kantone Aargau, Basel-Stadt und Zürich widerrufen. Schliesslich verlangte Swissmedic folgende Angaben:

  • eine Liste mit sämtlichen angeschriebenen Behörden, Organisationen und Personen im In- und Ausland (inkl. Angabe zu Präparat, Menge, Datum sowie Lieferant und/oder Empfänger/Käufer)
  • detaillierte Angaben zu Ihrem Kunden, für den Sie diese Vermittlung im Auftrag vorgenommen haben und zur Herkunft der Ware

Der Mann hielt in seiner Stellungnahme fest, er habe kein konkretes Angebot platziert, sondern lediglich im Auftrag eines Kunden seiner Beratungsfirma Abklärungen bei ihm bekannten Stellen gemacht. Zudem habe er aus den Kantonsapothekern im Aargau, in Basel-Stadt und in Zürich keine weiteren Stellen angeschrieben.

Vermittler will Lieferanten des AstraZeneca-Impfstoffs nicht gekannt haben

Wer der Kunde war, in dessen Auftrag er bei den Kantonen vorstellig wurde, teilte der Mann Swissmedic mit, aus der Verfügung des Heilmittelinstituts ist dies aber nicht ersichtlich. Der Mann argumentierte gegenüber Swissmedic weiter, er verfüge neben einer Powerpoint-Präsentation, welche der Behörde vorliege, über keine weiteren Unterlagen zum Impfstoff AZD1222 von AstraZeneca. Da er kein Angebot abgegeben habe, lägen ihm auch keine Informationen zum Lieferanten des Impfstoffs vor, argumentierte der Mann weiter.

Weiter schrieb der Inhaber der Beratungsfirma, keiner der drei angeschriebenen Kantone habe bei ihm Interesse am Kauf von AstraZeneca-Impfstoff angemeldet. Schliesslich hielt er fest, nach den drei E-Mails an die Kantonsapotheker habe er keine weiteren «gleichartigen Aktivitäten in diesem Zusammenhang» getätigt. Zudem habe seine Firma seit ihrer Gründung keine Arzneimittel verkauft, betonte der Inhaber.

Swissmedic: «Sie führen die Tätigkeit eines Agenten aus»

Das Heilmittelinstitut bezeichnet die Aussage des Mannes, dass er weder ein Agent für Arzneimittel sei, noch als solcher in Erscheinung trete, in der Verfügung als nicht korrekt. Mit seinen Vermittlungsangeboten per E-Mail an die Kantone Aargau, Basel-Stadt und Zürich führe er genau die Tätigkeit eines Agenten aus, «indem Sie für Ihren Kunden den Kontakt zu potenziellen Käufern herstellen», schreibt Swissmedic.

Dabei spiele es keine Rolle, ob die Verträge für eine Impfstofflieferung vorlägen oder nicht, hielt das Heilmittelinstitut fest. Entscheidend sei, dass der Mann über keine Bewilligung von Swissmedic verfüge, die für die Vermittlung und den Handel mit Impfstoffen notwendig wäre.

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