Geehrt

«Die Halb-Intellektuellen haben immer ein Problem mit Unterhaltung»

Peach Weber: «Es ist legitim, sich zwei Stunden lang einfach mal unterhalten zu lassen»

Peach Weber: «Es ist legitim, sich zwei Stunden lang einfach mal unterhalten zu lassen»

In der Sendung «TalkTäglich» sprach Nordwestschweiz-Chefredaktor Christian Dorer mit dem Prix-Walo-Preisträger über die Unterhaltungs-Sparte, Hawaii-Hemden und Witze über heikle Themen. Sehen Sie die besten Ausschnitte aus dem Gespräch im Zusammenschnitt.

Am Sonntag hat der Aargauer Komiker Peach Weber einen Prix Walo erhalten – nach 39 Jahren im Geschäft. Im Interview sagt er, wieso er nie etwas Neues ausprobiert – und wie er seine Witze erfindet.

Ist es eine Genugtuung, nach 39 Jahren den Prix Walo zu erhalten?

Peach Weber: Die wichtigen Preise wie den Salzburger Stier oder die Oltner Gurke erhalte ich nie, weil ich Unterhaltung mache. Aber der Prix Walo ist ein Unterhaltungs- und Publikumspreis. Deshalb finde ich ihn sehr schön. Denn das, was ich mache, lebt vom Publikum, und ist nicht grosse Kunst.

Beim Publikum haben Sie seit vier Jahrzehnten Erfolg, aber Kulturkritiker rümpfen die Nase. Wieso wird Unterhaltung nicht akzeptiert?

Sie wird akzeptiert! Die Säle sind voll, die Zuschauer lachen sich kaputt. Die Halb-Intellektuellen haben immer ein Problem mit Unterhaltung. Denn sie meinen, dass sie aufgrund dessen eingeschätzt werden, worüber sie lachen.

Ist diese Kritik nicht demütigend?

Ich muss lachen über Leute, die sich über andere stellen müssen. Wenn, dann haben sie ein Problem – und nicht ich. Ich finde es legitim, dass sich Leute zwei Stunden lang unterhalten dürfen. Viele meinen, lachende Menschen seien einfältiger als ernste Menschen. Ich jedoch mache die umgekehrte Erfahrung: Wer etwas darstellen und immer seriös wirken will, ist oft einfältiger.

Sie machen immer das Gleiche: Gags, Gedichte, Gitarre. Warum probieren Sie nie etwas Neues aus?

Weil ich nichts anderes zu bieten habe. Ich bin akrobatisch sehr begrenzt, kann weder Salto noch Grimassen machen. Ich kann auch keine Instrumente richtig spielen – nicht mal die Gitarre.

Das ist doch eine Ihrer Maschen: Sie machen sich über sich selber lustig.

Ja, aber es ist auch die Wahrheit. Mein Talent besteht darin, aus den kleinen Talenten das Optimum rauszuholen.

«Damit hätte ich also nicht gerechnet»: Am vergangenen Sonntag konnte Peach Weber den Prix Walo in der Sparte Kabaret/Comedy entgegennehmen. Und war selbstverständlich gar nicht sprachlos.

«Damit hätte ich also nicht gerechnet»: Am vergangenen Sonntag konnte Peach Weber den Prix Walo in der Sparte Kabaret/Comedy entgegennehmen. Und war selbstverständlich gar nicht sprachlos.

In Ihren az-Kolumnen setzen Sie sich intelligent mit politischen Fragen auseinander. Warum fliesst das nicht in Ihre Witze ein?

Sogenannte Fachleute haben mir geraten: «Du erreichst ein grosses Publikum, jetzt könntest du doch auch politische Themen einbauen.» Ich habe grossen Respekt vor gutem, politischem Kabarett. Das ist eine hohe Kunst. Es gibt nur ganz wenige in Europa, die das beherrschen. Ich war ein grosser Fan von Dieter Hildebrandt und Hanns Dieter Hüsch. Ich käme keine Sekunde auf die Idee, etwas Ähnliches zu machen – das kann ich nicht.

Wie erfinden Sie Ihre Witze?

Tja, das ist schwierig. Die Witze kommen – oder kommen eben nicht. Die besten entstehen, wenn ich mitten in der Nacht aufwache oder unter der Dusche stehe. Das ist dann wie ein Geistesblitz. Ich schreibe ihn dann sofort auf und arbeite mit Zettelwirtschaft.

Was muss ein guter Witz enthalten?

Zuerst einmal muss ich selber darüber lachen können. Sonst kommt er auch beim Publikum nicht an. Wenn ich das Programm mache, sitze ich zwei, drei Monate hin, lese alle Zettel mit meinen Witzen durch, werfe viele weg, weil ich nicht mehr weiss, was daran lustig war. Manchmal findet man in der Situation etwas lustig, aber später nicht mehr.

Haben Sie ein Testpublikum?

Wenn das neue Programm steht, mache ich drei Vorstellungen, wo die Zuschauer auch Eintritt zahlen. Das ist eine Kamikaze-Übung, weil in jedem Programm alles neu ist. Ich nehme keine alten Lieder in das neue Programm, nur weil ich weiss, dass die funktionieren. Alles ist neu, ich weiss nicht, wie das Programm ankommt.

Hat schon mal niemand gelacht?

Zum Glück nicht. Aber es gibt zähe Vorstellungen, oft Firmenfeste. Da kommt ein Teil wegen mir und der andere Teil, weil es gratis Essen und Trinken gibt. In dieser Situation ist es schwierig, vor allem, wenn das Unternehmen zur Hälfte aus Personen besteht, die nicht gut Deutsch verstehen. Dann verstehen die Zuschauer meine Wortspiele nicht.

«Was het acht Ärm und esch gschminkt? De Tuntefisch»

In seinem aktuellen Programm «Gäxbomb» bringt Peach Weber die Kalauer, für die er berühmt ist. Scheut aber auch nicht vor Themen wie dem Tod zurück.

Ist Ihnen nie verleidet, Abend für Abend lustig zu sein?

Es macht nach wie vor Spass. Klar, das Programm ist jeden Abend das gleiche, aber das Publikum ist immer anders. Es spielt eine Rolle, an welchem Wochentag ich auftrete oder ob es mehr Frauen oder Männer im Publikum hat. In den ersten fünf Minuten checke ich das Publikum ab und passe gewisse Gags an.

Was machen Sie an Tagen, an denen Sie schlecht drauf sind?

Dann weiss ich: Von Viertel nach acht bis Viertel nach zehn bin ich gut drauf.

In Ihrem Programm geht es oft um das Alter. Beschäftigt Sie das?

Wenn mich jemand fragt, wie es geht, sage ich: im Rahmen der natürlichen Verwesung gut. Ab einem gewissen Alter kommen bei jedem Gebrechen.

Welche Aargauer Politiker eigenen sich gut für Witze?

Unsere Gesundheitstaliban Ruth Humbel und der Zürcher Felix Gutzwiller! Mit ihnen habe ich Mühe. Im Aargau haben wir nicht so markanten Persönlichkeiten wie Mörgeli und Blocher. Ich nehme gern Politiker, die alle kennen. Und die ab und zu Blödsinn rauslassen.

Prix Walo-Gewinner Peach Weber

Die ganze Sendung: Prix Walo-Gewinner Peach Weber zu Gast im «TalkTäglich»

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