Schäden

Coronakrise drückt Holzpreis noch mehr – und auch der Borkenkäfer richtet Schäden an

Befallenes Käferholz wird aus dem Wald abgeführt und vom Forstbetrieb Region Muri auf einen Zwischenlagerplatz in Aristau gebracht.

Befallenes Käferholz wird aus dem Wald abgeführt und vom Forstbetrieb Region Muri auf einen Zwischenlagerplatz in Aristau gebracht.

Gleichzeitig richtet der Borkenkäfer im Aargau nach dem Trockensommer 2018 sogar mehr Schäden an als nach dem Orkan Lothar.

Noch im Dezember und Januar gab es auf dem Holzmarkt Zeichen einer leichten Entspannung für frisches Holz: «Diese Entwicklung wurde durch die Coronakrise im Keim erstickt», sagt Theo Kern, Geschäftsführer des Verbandes WaldAargau: «Der Holzpreis, der auf einem Allzeittief ist, kommt noch mehr unter Druck.» Absatz in Richtung des vom Virus besonders betroffenen Landes Italien gibt es keinen mehr.

Seither nähmen Sägereien, die vorher schon sehr gut mit Holz versorgt waren, praktisch kein Holz mehr an: «Es gibt sogar Anzeichen, dass einige Grosssägereien den Vertragspassus der höheren Gewalt geltend machen wollen, um zugesagte Abnahmeversprechen rückwirkend zu reduzieren.»

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Die Waldwirtschaft ist von den Massnahmen des Bundes eigentlich nicht betroffen. Man darf im Wald arbeiten. Aber was tun, wenn die Abnehmer fehlen? Dabei liegt an den Waldrändern sehr viel Holz zum Abtransport bereit, weiteres wird dazukommen müssen. Warum stoppt man jetzt die Holzschläge nicht? Kern: «Es gibt Gebiete, in denen der Borkenkäfer enorme Schäden anrichtet. Da muss jetzt ausgeholzt werden, um noch Schlimmeres zu verhindern.» Das Tragische für die Waldwirtschaft ist, dass im Aargau mitten in der Coronakrise ein Allzeittief bei den Preisen mit einem neuen Allzeithoch bei der Borkenkäferplage zusammenfallen.

Gesamtschweizerisch kam man letztes Jahr dem bisherigen Borkenkäfer-Peak von 2003 wegen Lothar wieder recht nahe. Im Aargau sind die Zahlen sogar noch höher als 2003. Damals fielen im Kanton Aargau knapp 160 000 Kubikmeter (m3) Käferholz an. Zum Vergleich: das sind rund 40 Prozent einer normalen jährlichen Waldnutzung.

Für 2019 rechnen der Kanton sowie WaldAargau gar mit einem neuen Rekord von über 160000 m3 (vgl. Grafik). Zu den Zwangsnutzungen im Sommer von bereits 100 000 m3 kommen geschätzte weitere 60 000 m3 Zwangsnutzungen im Winter sowie stehengelassene Bäume dazu. Die genauen Daten werden erst im Frühling erhoben.

Nadelstammholz: Preis seit 2018 fast 30 Prozent tiefer

Noch 2018 bekam man über alle Holzsortimente hinweg inklusive Energieholz (gerechnet ab Waldstrasse) 69 Franken pro m3. Jetzt sind es noch 55 bis 60 Franken. Zum tieferen Preis trägt allerdings auch bei, dass eine Verschiebung von Stamm- zu Energieholz stattfindet, für das es weniger Geld gibt. Nadelstammholz etwa wird meist fürs Bauen verwendet. Da bekam man 2018 laut Kern noch 98 Franken pro m3, letztes Jahr 86, jetzt noch rund 70 Franken, also rund 30 Prozent weniger.

Ein Holzlager ist ein idealer Brutherd für den Borkenkäfer. Je länger es liegt, desto gefährlicher wird es. Theo Kern fragt sich, wie lange man da zum Schutz der Umwelt noch auf Spritzmittel verzichten kann. Sollte es gar einen warmen Frühling geben, vermehrt sich der Borkenkäfer noch früher als üblich. Kern: «Nach dem Jahrhundertorkan Lothar hatten wir 2003 das bisher grösste Borkenkäferproblem. Jetzt ist es wieder so weit.»

Gemeinden müssen sich auf Kosten einstellen

Soweit Waldfacharbeiter nicht vom Borkenkäfer befallene Bäume fällen müssen, konzentrieren sie sich jetzt auf andere Arbeiten wie beispielsweise den Unterhalt von Feuerstellen, Vitaparcours, Waldsträsschen etc. Die den (Ortsbürger-)Gemeinden gehörenden Forstdienste können die «Käferbäume» nicht mehr kostendeckend verkaufen. Die Gemeinden als Besitzer des grössten Teils der Aargauer Wälder müssen sich auf Kosten einstellen, sagt Theo Kern.

Private Forstunternehmer ohne eine Gemeinde im Rücken haben es noch schwerer. Sie können ihre Produkte ebenfalls nicht mehr oder nur noch mit Verzögerung verkaufen, und dies zu tiefen Preisen. Der WaldAargau-Geschäftsführer: «Für sie ist die Situation besonders herausfordernd.»

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