Schafisheim/Rupperswil
Corona-Infektion: Ferrum-Mitarbeiter geht zwei Tage lang arbeiten – warum Arbeitskollegen nicht getestet werden

Ein Angestellter der Ferrum-Gruppe geht zwei Tage lang mit dem Coronavirus zur Arbeit. Getestet werden seine Mitarbeiter nicht. Das bringe nichts, heisst es beim Contact-Tracing-Center.

Raphael Karpf
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Die Ferrum-Gruppe stellt unter anderem Dosenverschliesser her.

Die Ferrum-Gruppe stellt unter anderem Dosenverschliesser her.

Mario Heller

Testen, testen, testen. Manche Länder versuchen so ihr Glück im Kampf gegen das Coronavirus. Möglichst viele Menschen sollen getestet werden. Die Strategie der Schweiz ist auf diesem Gebiet zurückhaltender. Während zum Höhepunkt der Krise noch kaum getestet wurde – es fehlte das benötigte Material –, werden laut BAG-Richtlinie mittlerweile Personen mit Symptomen getestet. Ausserdem enge Kontakt­personen von Corona-Infizierten, also Menschen, die sich während 15 Minuten näher als 1,5 Meter bei ihnen aufgehalten haben. Breitflächig getestet wird in der Bevölkerung nicht. Dies hat zuletzt die Ferrum-Gruppe erfahren.

Das Unternehmen, das Sitze in Schafisheim und Rupperswil hat und unter anderem Dosenverschliesser herstellt, hat einen Coronafall in den eigenen Reihen. Ein Mitarbeiter war in der Tesla Bar in Spreitenbach, die Schlagzeilen machte, weil sich dort auf einen Schlag 20 Menschen angesteckt hatten. Der Ferrum-Mitarbeiter hatte an den Tagen danach selbst keine Symptome. Dass in der Bar das Coronavirus umging, erfuhr er erst später. So ging er nach dem Barbesuch noch zwei Tage lang zur Arbeit.

Der Sitz der Ferrum-Gruppe in Schafisheim.

Der Sitz der Ferrum-Gruppe in Schafisheim.

Google Maps

Unternehmen wollte Mitarbeiter testen lassen

Als bekannt wurde, dass jemand in der Bar krank war, begab sich der Mitarbeiter in Isolation und wurde getestet. Der Test war positiv. «Als wir davon erfahren haben, haben wir sofort unser Konzept für solche Fälle aktiviert», sagt CEO Adrian Fuchser. Zusammen mit dem Contact-Tracing-Center des Kantons prüften sie, ob die Person in den zwei Tagen enge Kontakte zu einem der Mitarbeiter hatte. Dank des internen Schutzkonzeptes des Unternehmens sei das aber nicht der Fall gewesen, so Fuchser. Deshalb mussten sich auch keine der Mitarbeitenden in Quarantäne begeben.

Um auf Nummer sicher zu gehen, hätte das Unternehmen gerne einige Mitarbeiter testen lassen. Laut Contact-Tracing-Center war das aber nicht nötig. Sicherheitshalber wandte sich das Un­ternehmen mit dem Fall auch ans Kantonsspital Aarau (KSA). Dieses führte den Test nicht durch. Solche Tests seien nicht sinnvoll, begründet das KSA. Zum konkreten Fall äussert sich Mediensprecherin Isabelle Wenzinger nicht. Grundsätzlich seien «Tests auf Vorrat» aber nicht sinnvoll. «Am nächsten Tag ist dieser Test bereits wieder veraltet, ich könnte mich in der Zwischenzeit angesteckt haben», so Wenzinger. Das KSA hält sich an die Vorgaben des Bundes und testet nur Personen mit Symptomen und auf Anordnung des Contact-Tracing-­Centers.

Ähnlich tönt es beim Kantonsspital Baden. Tests auf Wunsch von Arbeitgebern werden nur in gut begründeten Ausnahmefällen durchgeführt, so Mediensprecher Omar Gisler. «Tests bei asymptomatischen Personen sind meist sinnlos, da sich die Personen bei negativen Ergebnissen in falscher Sicherheit wiegen.»

Das kantonale Gesundheitsamt äussert sich nicht zum konkreten Fall: «Bezüglich Testempfehlungen halten wir uns an die Vorgaben des BAG», lässt Mediensprecher Michel Hassler verlauten. Dem erkrankten Ferrum-Mitarbeiter geht es laut CEO Fuchser gut.

Das gilt es am Arbeitsplatz bei Corona zu beachten

Welche Schutzmassnahmen gelten am Arbeitsplatz?
Am 22. Juni hat der Bundesrat seine Homeoffice-Empfehlung offiziell aufgehoben. Damit gelten aber in Unternehmen nicht einfach keine Auflagen mehr. Für Institutionen, die öffent-
lich zugänglich sind, etwa Läden, Restaurants, Banken oder Museen, gelten branchenspezifische Schutzkonzepte. Und auch Unternehmen, die nicht für die Allgemeinheit zugänglich sind, müssen Vorgaben einhalten: Die Ar- beitgeber sind verpflichtet, die Gesundheit ihrer Arbeitnehmer zu schützen. So müssen die Empfehlungen betreffend Hygiene und Abstand eingehalten werden können. Geht das nicht, sind Massnahmen zwingend. Etwa Homeoffice, das Abtrennen von Arbeitsplätzen oder Masken.

Was soll ich tun, wenn ich Symptome des Coronavirus habe? 
Es gilt dasselbe wie bis anhin: Bleiben Sie zu Hause, kontaktieren Sie Ihren Arzt. Der bestimmt das weitere Vorgehen. Werden Sie getestet und fällt der Test positiv aus, übernimmt das Contact-Tracing-Team des Kantons und informiert Sie über sämtliche Dinge, die es zu beachten gilt. Sie werden eine Kontaktliste mit allen Personen, zu denen Sie engen Kontakt hatten (weniger als 1,5 Meter für mehr als 15 Minuten), zusammenstellen und die Personen für zehn Tage in Quarantäne stecken. Wenn Sie etwa in einem Büro arbeiten, heisst das also nicht automatisch, dass sich sämtliche Mitarbeiter in Quarantäne begeben müssen. Diesen Entscheid fällt grundsätzlich das Contact-Tracing-Center des Kantons.

Worauf habe ich Anspruch, wenn ich in Quarantäne muss?
Ist die Quarantäne von den Behörden angeordnet, haben Sie als Angestellter grundsätzlich Anspruch auf Lohnfortzahlungen. Für Selbstständige gibt es stattdessen Erwerbsausfall, ebenso für Elternteile, die ihre Kinder zu Hause betreuen müssen. Aber Achtung: Dies gilt nicht für alle Quarantänefälle. Reisen Sie bewusst in ein Risikogebiet, und müssen Sie danach zehn Tage in Quarantäne, haben Sie für diese Zeit keinen Anspruch auf Zahlungen, weder auf Lohn noch auf Erwerbsersatz. Ausserdem: Ein Alarm der SwissCovid-App ist noch keine Verpflichtung, sich in Quarantäne zu begeben. In diesem Fall soll man sich immer noch beim Arzt melden, der entscheidet dann. Um einen Anspruch auf Fortzahlungen zu haben, muss die Quarantäne von den Behörden angeordnet sein. (rka)