Die SP hat das „Jahr der Frau“ eingeläutet in der Sommersession. Ist Ihre Kandidatur Ihr Beitrag dazu?

Cédric Wermuth: Ich stehe hinter dem Ziel, dass je 50 Prozent unserer Kandidatinnen und Kandidaten bei Ämterbesetzung Frauen und Männer sein sollen. Die SP Aargau hat sich hier aber nichts vorzuwerfen. Sie ist seit Jahren ausgewogen vertreten in allen Gremien, zwei von drei Frauen in Bern und hat mit Pascale Bruderer acht Jahre den Ständerat besetzt.

Von den Ständeräten in der Geschichte der SP Schweiz war bisher nicht mal jede vierte eine Frau. Sehen Sie keinen Nachholbedarf?

Sicher, über das ganze Land gesehen völlig richtig. Vor allem bei den Bürgerlichen. Die SP hat mehr Frauen in Bern als Männer. Aber bei den nächsten Wahlen ist die Geschlechterfrage nicht die einzige. Ich vertrete genau eine junge Generation von Männern, die mehr Verantwortung für die Gleichstellung übernehmen muss. Das will ich im Wahlkampf thematisieren. Zudem bringe ich die ganze Bandbreite der Partei und die Erfahrung von vier Jahren als Kantonalpräsident mit.

Sehen Sie sich also als Gegenprogramm zu Yvonne Feri, die als Frau aus ihrer Sicht die ältere Generation vertritt?

Ich setze sicher die Schwerpunkte anders. Aber das wird sicher kein gehässiger Wahlkampf. Wir arbeiten seit Jahren gut zusammen und ich würde auch ihre Kandidatur mit Überzeugung unterstützen.

Fürchten Sie nicht eine Zerreisprobe, wenn sie offen gegeneinander antreten?

Im Gegenteil. Es tut der Partei gut, wenn es eine Auswahl gibt. Das hilft der Mobilisierung, wie wir schon bei den erfolgreichen Grossratswahlen gesehen haben.

Sie würden von der SP Bezirk Zofingen nominiert. Sehen Sie sich als Kandidat des Westens an?

Ich bin im Freiamt aufgewachsen, habe in Baden gewohnt, wohne jetzt in Zofingen. Ich kenne den ganzen Kanton. Gerade bei so vielen Bundespolitikerinnen und -politikern aus dem Osten ist das ein wichtiger Aspekt.

Hand aufs Herz: Rechnen Sie sich als provokativer Links-Politiker wirklich Chancen aus, den Ständeratssitz der SP verteidigen zu können?

Wir dürfen uns nichts vormachen. Pascale Bruderer war eine historische Ausnahme mit ihrer Akzeptanz über die Partei hinaus. Aber wir wollen nicht nach rechten Stimmen schielen, sondern zusätzlich neue Leute an die Urne bringen und die progressive Wählerschaft im Kanton von uns überzeugen.

Sie würden nicht moderater auftreten im Ständeratswahlkampf, um wählbarer zu werden?

Sicher nicht. Ich werde mich nicht verbiegen. Das würde mir auch niemand abnehmen.