Cargo Sous Terrain
100 Millionen schon zugesichert: Warum Investoren vom Tunnel träumen, die AKB aber nicht investiert

Die Finanzierung der Planungsphase von Cargo Sous Terrain (bis 2026) ist bereits in trockenen Tüchern. Bis Ende 2021 ist die Projektleitung zuversichtlich, weitere 2,9 Milliarden Franken aufzutreiben. Warum aber investieren Banken und Versicherungen? Und was ist mit der AKB?

Sébastian Lavoyer
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Das unterirdische Gütertransportsystem Cargo Sous Terrain soll den Strassen- und Schienenverkehr dereinst um bis zu 40 Prozent entlasten. Die Investoren versprechen sich Renditen von 4 bis 5 Prozent pro Jahr, sobald CST in Betrieb geht.

Das unterirdische Gütertransportsystem Cargo Sous Terrain soll den Strassen- und Schienenverkehr dereinst um bis zu 40 Prozent entlasten. Die Investoren versprechen sich Renditen von 4 bis 5 Prozent pro Jahr, sobald CST in Betrieb geht.

Bild: CST

Die finanziellen Dimensionen von Cargo Sous Terrain (CST) sind gigantisch. Allein die Planungsphase bis 2026 wird rund 100 Millionen Franken verschlingen. Für den Bau des ersten Teilstücks werden dann noch einmal 2,9 Milliarden fällig. Bis die 500 Kilometer Tunnelsystem stehen, geschätzte 30 Milliarden. Das alles privat finanziert. Das ist die Vision. Zugesagt sind schon jetzt die ersten 100 Millionen. Und bei CST sind sie optimistisch, dass sie die Finanzierung des ersten Teilstücks bis Ende 2021 auch unter Dach und Fach haben.

So wirbt Cargo Sous Terrain für sein Mega-Projekt.

Begünstigt wird ihr Optimismus durch tiefe Zinsen und schwieriges Anlageumfeld. Die Interessen der 31 Hauptaktionäre sind bestimmt so mannigfaltig wie deren Branchenzugehörigkeit. Auffällig aber ist, dass rund ein Drittel institutionelle Anleger dazu zählen. Mit welchen Erwartungen, welcher Motivation geben Sie Geld?

Viele Banken investieren, aber die AKB ist nicht dabei

Zuerst zu den Banken. Auffällig aus Aargauer Sicht: Die AKB ist nicht unter den Investoren – im Gegensatz zu den Kantonalbanken der Nachbarkantone Zürich und Baselland. Warum? Man könne dazu leider keine Stellung nehmen, teilt AKB-Mediensprecherin Sandra Aebli mit. Zu den Gründen gibt es auch auf Nachhaken keine Auskunft.

Von Rendite-Erwartungen spricht keine der investierenden Banken. Da übt man kommunikative Zurückhaltung. Für die Zürcher Kantonalbank steht die Förderung von Innovation im Mittelpunkt, wie Sprecher Alexander Wolski mitteilt. Und weiter:

«Unser Ziel ist, dass diese Idee Wirklichkeit wird.»

Die Schweiz brauche auch «neue Denkansätze» bei den Refinanzierungsmöglichkeiten grosser In­frastrukturprojekte. Deshalb wolle man einen Beitrag zur Realisierung eines rein privat finanzierten Projektes leisten.

Diesen Punkt unterstreicht auch die Genossenschaftsbank WIR. Zudem wolle man die Interessen und Sichtweise der KMU einbringen. Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) stellt die Entlastung für Umwelt sowie Strassen- und Schienenverkehr ins Zentrum. Daniel Gröli-Haber, Leiter Strukturierte Finanzierungen der BLKB, sagt:

«Wir stärken damit auch unsere Positionierung als nachhaltige, zukunftsorientierte Bank.»

Private Finanzierung, ökologische Nachhaltigkeit – das sind die Punkte, die CST für Andreas Gerber, Leiter Firmenkunden Schweiz bei der Credit Suisse, zum Vorzeigeprojekt machen. Und zwar weltweit. «Cargo Sous Terrain wird die Schweiz bei einer erfolgreichen Umsetzung nachhaltig und positiv prägen», sagt der CS-Manager. Die CS stellt auch ihr Know-how im Bereich Finanzierung zur Verfügung.

«Ohne Return investiert niemand»: Vaudoise verspricht sich ab Betriebsbeginn jährlich 4 bis 5 Prozent Rendite

Cargo-Sous-Terrain-Verwaltungsratspräsident Peter Sutterlüti.

Cargo-Sous-Terrain-Verwaltungsratspräsident Peter Sutterlüti.

Bild: Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

So sehr die Banken die Rendite in den Hintergrund stellen, CST muss auch «einen Return geben, sonst investiert niemand», wie CST-Boss Peter Sutterlütti im Gespräch mit dieser Zeitung sagte. Offener sprechen die Versicherungen. Die Mobiliar nennt CST «eine attraktive Möglichkeit» für eine renditeorientierte Anlage. Noch konkreter wird die Vaudoise. Pressesprecherin Carole Morgenthaler sagt, man erwarte langfristig eine «angemessene Rendite», um dann zu konkretisiere, dass man ab Betriebsbeginn eine «jährliche Rendite von 4 bis 5 Prozent» erwarte.

Aber natürlich geht es auch hier um mehr. Man beteilige sich «an einem der wichtigsten Infrastrukturprojekte in der Geschichte der Schweiz», so die Vaudoise. Und ja, Nachhaltigkeit ist auch für die Versicherungen wichtig. Jonas Grossniklaus, Sprecher der Helvetia, sagt: «Dieses Gesamtlogistiksystem entlastet die Verkehrswege, reduziert die Umweltbelastung und sorgt für die pünktliche Lieferung von Waren.»

Angetönt ein weiterer für die Versicherungen zentraler Punkt: Verkehrssicherheit. Überlastete Strassen und knappe Verfügbarkeiten auf Bahnstrecken erhöhen die Risiken. Geht ein grosser Teil der Güter in den Boden, kann das einen sehr positiven Effekt haben. Das ist in ihrem Interesse.

Die ersten 100 Millionen sind beisammen. Aber das ist erst ein ganz kleiner Schritt auf dem beschwerlichen Weg zu einem Jahrhundertprojekt.

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