Bezirksgericht Kulm
Streit um Stützmauer: Gartenbaufirma zieht Ehepaar vor Gericht

Mit der neuen Stützmauer im Garten ist das Aargauer Paar zufrieden. Nur die Kosten, die seien zu hoch. Darum haben die Eheleute nicht die ganze Rechnung beglichen. Gerichtspräsidentin Irene Rössler versuchte, an die Vernunft aller Beteiligten zu appellieren.

Dominic Kobelt 2 Kommentare
Drucken
Direkt hinter der Mauer beginnt ein Naturschutzgebiet, der Boden ist feucht. Im Bild ebenfalls zu sehen ist der geplante Pool.

Direkt hinter der Mauer beginnt ein Naturschutzgebiet, der Boden ist feucht. Im Bild ebenfalls zu sehen ist der geplante Pool.

Dominic Kobelt

Ein Gartensitzplatz mit Blick auf das angrenzende Naturschutzgebiet, ein kleiner Pool in der Mitte des Rasens, ein Ort der Ruhe und Erholung – so haben sich Michaela und Hansruedi (alle Namen geändert) ihr Projekt wohl etwa vorgestellt, als sie es in Auftrag gaben.

Am Montag standen sie vor dem Bezirksgericht Kulm, weil sie für die ausgeführten Arbeiten nicht den gesamten geforderten Werklohn bezahlen wollten. Der letzte Akt eines Dramas, das seinen Anfang vor knapp fünf Jahren nahm, als das Ehepaar den Auftrag für die Gartenbauarbeiten vergab.

«Man schlug uns vor, eine andere Firma zu suchen»

Ein wichtiger Teil der Arbeiten, die gemacht werden mussten, betreffen eine Stützmauer, die entlang des Grundstücks verläuft. Nachdem sie eine Offerte eingeholt und die Zustimmung gegeben hatten, mussten Michaela und Hansruedi die Steine im Voraus bezahlen. Doch nach der Lieferung standen sie nur im Lager herum, weil das Unternehmen nicht genügend Arbeiter hatte, um den Bau der Mauer an die Hand zu nehmen.

«Man schlug uns vor, eine andere Firma zu suchen, die die Arbeiten ausführt, doch das war schwierig, weil diese nichts mehr an den Steinen verdient hätte», erklärt Michaela der Richterin.

Nachdem man die Rechtsschutzversicherung kontaktiert hatte, stellte das Ehepaar die Firma vor die Wahl: Entweder man führe die Arbeiten wie offeriert aus, erstatte das Geld für die Steine zurück, oder engagiere ein Subunternehmen. Die Firma hatte sich für letztere Variante entschieden – so verstanden es zumindest Michaela und Hansruedi.

Zweite Firma machte manche Dinge anders

Denn die Firma, die die Arbeiten übernommen hatte, verstand sich nicht als Subunternehmen, sondern hatte die Arbeiten eigenständig ausgeführt. Dabei wurden einige Dinge anders gemacht, als ursprünglich offeriert. Weil der Untergrund relativ feucht war, wurde das Fundament vergrössert, die Steine verklebt, Schichten mit Sickerbeton und spezielle Folien verwendet.

Waren wirklich alle Arbeiten nötig, die der Gartenbauer ausgeführt hat? Darüber stritt man sich am Bezirksgericht.

Waren wirklich alle Arbeiten nötig, die der Gartenbauer ausgeführt hat? Darüber stritt man sich am Bezirksgericht.

Dominic Kobelt

Mit dem Resultat ist das Ehepaar – «bis auf ein paar kleine Schönheitsfehler» – zufrieden. Geärgert haben sich die beiden über die Rechnung. Denn obwohl 23 Tonnen Steine weniger verwendet wurden, als in der Offerte angegeben, ist der Preis fast gleich geblieben, rund 46’000 Franken.

Die Einsparungen von knapp 14’000 Franken wurden von den Mehrkosten von knapp 17’000 Franken «vernichtet». Für zusätzlich verwendeten Kleber, zusätzlichen Beton und für das Begradigen der Umgebung. Michaela und Hansruedi hatten 12’000 Franken zurückbehalten, weil sie nicht einverstanden waren.

Dass die zusätzlichen Arbeiten notwendig waren, bezweifeln die beiden teilweise. Eine E-Mail des Planers zeigt auch, dass dieser es für unnötig hielt, die Steine zu verkleben, als die beiden ihn explizit danach fragten. Dem widersprach nicht nur der Chef der Firma, sondern auch der Mitarbeiter, der die Arbeiten ausgeführt hat: «Wir konnten die Steine von Hand verschieben, die Mauer wäre nicht stabil gewesen, wenn wir sie nicht verklebt hätten.»

«Ich will Qualität abliefern»

Der Chef ergänzte: «Die Steine hatten 300 bis 400 Kilo Eigengewicht, das ist zu wenig, als dass die Mauer ohne Verkleben stabil gewesen wäre. Ich will Qualität abliefern, deshalb mache ich diesen Beruf.» Dass rund 23 Tonnen weniger Steine benötigt wurden, erklärte er damit, dass man einerseits den Bedarf in der Offerte zu hoch geschätzt habe, und rund 10 Tonnen habe man einsparen können, indem man an nicht sichtbaren Stellen auf kostengünstigeres Material ausgewichen sei.

Gerichtspräsidentin Irene Rössler musste sich mit vielen fachlichen Details auseinandersetzen: Hätte man die Rohre für die Stromkabel auch in den Spalten zwischen den Steinen unterbringen können? War der Sickerbeton wirklich nötig? Und der Kleber gerechtfertigt? Um diese beantworten zu können, nahmen die Beteiligten einen Augenschein vor Ort, und es wurden Zeugen befragt.

Es kommt doch noch zu einer Einigung

Schliesslich fragte Rössler beide Parteien, ob sie bereit seien, Vergleichsgespräche zu führen: «Das würde heissen, dass wir versuchen, zusammen eine Lösung zu finden. Wenn ich ein Urteil fälle, dann muss die Partei, die verliert, nicht nur die eigenen, sondern die Gesamtkosten tragen. Zudem hätte ein Vergleich den Vorteil, dass sie sich vielleicht eher wieder in die Augen schauen können – aber zwingen kann ich sie nicht.»

Darauf haben sich die beiden Parteien eingelassen und es kam zu einem Vergleich. Michaela und Hansruedi bezahlen statt der ausstehenden 12’000 noch 9000 Franken an den Gartenbauer.

Anmerkung: In einer früheren Version war der Titel des Artikels "Ehepaar zieht Gartenbaufirma vor Gericht". Das stimmt so nicht. Das Ehepaar hatte nicht den vollen Betrag bezahlt, worauf die Gartenbaufirma klagte. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler.

2 Kommentare
m.f.hug

Wir haben etwas ähnliches gemacht, ebenfalls mit Sickerbeton und Steine verklebt. Ich finde, dass das absolut nötig war, feucht und noch Hanglage, das würde sonst sehr schnell abrutschen. Dann wäre der Ärger und die Folgearbeit viel grösser.