Verkehr
Bald Schluss mit Autobahn-Stau? Spreitenbach erhält ein Dosiersystem für die A1-Auffahrt

Die Zahl der Staus nimmt Jahr für Jahr zu. Stark davon betroffen sind die Autobahnen, wo der Verkehr primär fliesst. Hauptgrund ist Verkehrsüberlastung. Damit der Verkehr flüssig bleibt, wird bei der A1-Einfahrt Spreitenbach ein Tropfenzählersystem montiert.

Mathias Küng
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Tropfenzähler Spreitenbach
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Die Autobahneinfahrt Spreitenbach in Richtung Bern wird umgestaltet und mit einer Lichtsignalanlage versehen (Tropfenzähler).
Die Autobahneinfahrt Spreitenbach in Richtung Bern wird umgestaltet und mit einer Lichtsignalanlage versehen (Tropfenzähler).

Tropfenzähler Spreitenbach

Alex Spichale

Die A1 wird immer mehr genutzt. Das spürt man besonders im dicht besiedelten Raum zwischen Zürich und Bern. Und hört es jeden Morgen und jeden Abend im Radio bei den Staumeldungen. Deshalb drängt die Aargauer Regierung in Bern darauf, die A1 zwischen Aarau Ost und Birrfeld rasch auf sechs Spuren auszubauen. Der Bund will dies allerdings erst bis 2040 realisieren.

Bis dahin dauert es noch viele Jahre. Deshalb plant der Bund nun Überbrückungsmassnahmen. Einiges dürfte eine partielle Pannenstreifenumnutzung bringen. Ein Pilotversuch läuft in der Westschweiz auf der A1 zwischen Morges und Ecublens. Wie Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamtes für Strassen (Astra), an der Delegiertenversammlung des TCS-Sektion Aargau in Lupfig sagte, «funktioniert dies ganz hervorragend». Als Übergangs-lösung bis zur Behebung der Engpässe ist dies zwischen Aarau Ost und dem Birrfeld geplant, der Zeitpunkt ist aber offen.

Auf der A1 könnte bis 2025 auch zwischen den Einfahrten Wettingen Ost und Dietikon eine Umnutzung, also eine Freigabe des Pannenstreifens als Fahrspur, kommen. Deren Realisierung ist laut Esther Widmer, Sprecherin der Astra-Filiale in Zofingen, « abhängig vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme der angelaufenen Kapazitätserweiterung der Zürcher Nordumfahrung sowie vom Fortschritt des Engpass-Projektes auf diesem Abschnitt». Auf welche Länge genau diese Umnutzung sinnvoll ist, müssten die weiteren Projektierungsarbeiten zeigen, so Widmer.

Schon vorher, nämlich 2016/17, ist bei den Anschlüssen Aarau Ost, Lenzburg, Mägenwil zur Verbesserung des Verkehrsflusses eine Verlängerung der Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen bei den Ein- und Ausfahrten geplant.

Spreitenbach: Dosiersystem

Sehr schnell spürbar werden andere, kurzfristig umsetzbare Massnahmen. Dazu gehört die Bewirtschaftung der Einfahrten, eine sogenannte Rampenbewirtschaftung. In Spreitenbach und Dietikon werden derzeit in den A1-Einfahrtsbereichen Warteräume mit einem Tropfenzählsystem geschaffen. Dies soll den Verkehrsfluss bei hohem Verkehrsaufkommen steuern und verflüssigen. Dafür werden an der Autobahneinfahrt Lichtsignalanlagen gebaut. Dazu kommen Verkehrsschlaufen mit Staudetektoren. Der Probebetrieb und die Inbetriebnahme der beiden Anlagen, die 1,8 Millionen Franken kosten, ist bis Ende Dezember geplant.

Die Wirkung muss man sich so vorstellen: mit dem Tropfenzählersystem lässt man Autos bei hohem Verkehrsaufkommen nur in Abständen von mindestens 10 bis 20 Metern auf die Autobahn, damit sie besser einfädeln können. Solche Anlagen sind zum Beispiel schon in Dietikon in Fahrtrichtung Zürich sowie bei der Autobahneinfahrt Weiningen unmittelbar vor dem Gubristtunnel in Betrieb.

Sind im Aargau schon weitere solche Anlagen geplant? Esther Widmer: «Zurzeit nicht. Wir verfolgen die weitere Verkehrsentwicklung aber sehr genau und werden je nach Notwendigkeit bzw. Zweckmässigkeit zusätzliche Tropfenzähler für die Spitzenstunden prüfen», sagt sie.

Burkart: Symptombekämpfung

Gar keine Freude an den Rotlichtanlagen hat Thierry Burkart, Präsident des TCS Aargau. Zumal solche in Aarau Ost, Lenzburg und Mägenwil dazukommen. Für die geplante Pannenstreifenumnutzung und die dynamische Temposteuerung auf der Autobahn habe er Verständnis, sagt Burkart zur az. Solange der dringend nötige Ausbau der A1 zwischen Aarau Ost und Birrfeld auf sechs Spuren nicht erfolge, brauche es grundsätzlich temporäre Massnahmen. Dennoch liegt ihm das Rotlicht bei der Einfahrt Lenzburg besonders auf dem Magen: «Der Aargau baut diesen Anschluss für sehr viel Geld aus, um den Verkehr gerade aus dem Freiamt zu verflüssigen. Im Gegenzug verweigert ihm der Bund einen zeitgerechten, dringenden Ausbau der A1. Dafür stellt er uns in Lenzburg ein Rotlicht hin.»

Für den Verkehrsfluss auf der Autobahn bringe das Rotlicht schon etwas, dies sei aber reine Symptombekämpfung. Burkart: «Je überlasteter die A1 ist, desto schwieriger wird es dann bei diesen Einfahrten, überhaupt auf die Autobahn zu kommen. Dann weichen viele wieder auf Kantonsstrassen aus und fahren durch die Dörfer, was gar nicht erwünscht ist. Dafür haben wir doch die Autobahn!»

Astra: Anlage Lenzburg temporär

Auf diesen Vorwurf antwortet Esther Widmer, die bestehende Lichtsignalanlage beim Anschluss Lenzburg sei gebaut worden, «um den Unfallschwerpunkt zu eliminieren». Dies sei in enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Kantons Aargau geschehen. Die Anlage korrespondiere mit denjenigen auf den Kantonsstrassen. Widmer: «Beim Bau einer neuen Einfahrtsrampe beim Anschluss Lenzburg in Fahrtrichtung Zürich wird die Anlage wieder entfernt.» Sie betont, dass alle Massnahmen, die beim A1-Anschluss Lenzburg vom Astra ergriffen werden, mit denjenigen des Kantons abgestimmt seien und in enger Zusammenarbeit definiert würden.

Gleichwohl die Frage an Kantonsingenieur Rolf H. Meier: Teilt man beim Kanton die Befürchtungen des TCS-Präsidenten? Auch Meier betont, die Rampenbewirtschaftung sei mit dem Kanton abgestimmt. Hauptziel, so Meier: «Der Verkehr muss fliessen. Wenn aber von den Einfahrten her gleich mehrere Dutzend Autos hintereinander auf die Autobahn wollen, führt das dort sofort zu einem Rückstau, womit deren Leistungsfähigkeit sinkt.»

Wenn man dagegen die Zufahrt auf die Autobahn gewissermassen mit dem Tropfenzähler dosiert, der Autos nur im Abstand von 10 bis 20 Metern drauflasse, könnten diese viel besser einfädeln, der Verkehrsfluss bleibe erhalten. «Das nützt auch der Kantonsstrasse», so Meier. Das Dosiersystem bezwecke nicht, die einfahrenden Autos zurückzuhalten, bis auf der Autobahn weniger Verkehr herrscht. Doch in Spitzenzeiten werden sie dosiert durchgelassen. Das funktioniert laut Meier so: «Das Dosier-Rotlicht leuchtet nur in den Verkehrsspitzenzeit, pro Tag eine halbe bis eine Stunde. Die Erfahrungen zeigen, es funktioniert gut.»

Die Ängste von Thierry Burkart, dies könnte grosse Rückstaus auf den Kantonsstrassen bewirken, teilt Meier nicht – jedenfalls nicht kurz- und mittelfristig: «Langfristig ist dies aber schon zu befürchten. Und wir können nicht die Kantonsstrassen ausbauen, damit wir dann vor der Autobahn vor dem Rotlicht stehen. Auch deshalb ist der Ausbau der A1 im Aargau so dringend.»

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