Brugg
Abwasser darf nicht direkt in die Aare gelangen – Einwohnerrat muss nochmals über Projekt befinden

Aus Wasserschutzgründen wird erneut über das Projekt «Regenbecken Altenburg» entschieden, es bleibt allerdings unverändert.

Michael Hunziker
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Vom unterirdisch angelegten Regenbecken Altenburg wird nur die Zugangstür zum Betriebsraum sichtbar sein, wie diese Visualisierung zeigt.

Vom unterirdisch angelegten Regenbecken Altenburg wird nur die Zugangstür zum Betriebsraum sichtbar sein, wie diese Visualisierung zeigt.

zvg

Zwar hat das Brugger Stimmvolk in einer Referendumsabstimmung Anfang März 2018 den Kredit für den Bau des Regenbeckens Altenburg klar abgelehnt. Trotzdem aber steht das – genau gleiche – Vorhaben nun ein zweites Mal zur Diskussion an der nächsten Sitzung des Einwohnerrats.

Warum, ist an einer Medieninformation gestern Montag dargelegt worden von: Reto Wettstein, Stadtrat; Stefan Zinniker, Bereichsleiter Tiefbau bei der Abteilung Planung und Bau; Reto Caviezel, Ingenieurbüro Porta AG.

«Wir machen es für den Gewässerschutz», stellte FDP-Stadtrat Wettstein fest. «Die Stadt steht in der Pflicht.» Denn heute kann bei Regen zu viel Abwasser von Strassen und Plätzen aus dem Gebiet Brugg West direkt und ungeklärt in die Aare gelangen.

Mitgeschwemmt werden dabei Reifenabrieb, Benzin und Öl genauso wie Streusand und weitere Abfälle. Damit das Gewässer sauber bleibt, ist ein Regenbecken mit Rückhalte- und Vorklärfunktion erforderlich. Bei stärkeren und längeren Regenfällen wird das Abwasser zurückgehalten und vorgeklärt.

Neun Regenbecken zählt das Abwassernetz der Stadt. Nur das Gebiet Brugg West ist laut Wettstein noch ein «weisser Fleck». Nach dem Urnengang im letzten Jahr seien intensiv alternative Lösungen geprüft worden, fuhr Wettstein fort. Allerdings wären diese, lautete das Ergebnis, nicht realisierbar.

Anders gesagt: «Das Regenbecken Altenburg ist das richtige Werk am richtigen Standort», fasste der Stadtrat zusammen. Es handle sich um die ökologisch und ökonomisch zweckmässigste Lösung.

Es braucht Kombination von Regenbecken und Versickerung

«Es gibt keine Alternative», pflichtete Zinniker bei. Der einzig andere technisch mögliche Bauplatz für ein Regenbecken liege etwas östlich der SBB-Brücke und befinde sich ausserhalb der Bauzone. Und das Versickern vor Ort sei innerhalb des stark bebauten Gebiets Brugg West kaum möglich und wäre mit hohen Kosten verbunden.

Gerechnet werden müsste mit rund 22,5 Mio. Franken. Zum Schutz der Aare brauche es künftig aber beides, fügte Caviezel an: Regenbecken in Kombination mit vermehrter Versickerung.

Das geplante Regenbecken Altenburg verfügt über ein Speichervolumen von rund 300 Kubikmetern und wird unterirdisch angelegt, hoben Caviezel und Zinniker hervor. Sichtbar sein werde nur die Zugangstür zum Betriebsraum.

Altenburg mit seinem intakten Ortskern, dem Schlössli und der idyllischen Lage am Ufersaum der Aare bleibe als wertvolles Kleinod erhalten. Zudem werde die Uferlandschaft durch eine ökologische Massnahme aufgewertet.

Ein Teil des verlandeten Altarms der Aare vor Altenburg, ist vorgesehen, wird revitalisiert und erhält die Funktion eines Stillgewässers, das Jungfischen einen wertvollen Rückzugsraum bietet.

An seiner Sitzung am 18. Oktober – übrigens fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der ersten Vorlage – wird der Einwohnerrat befinden über einen Kredit von 2,556 Mio. Franken. Dieser Betrag geht zulasten der städtischen Abwasserrechnung. Will heissen: Weder für Haushalte noch für Firmen steigt die finanzielle Belastung.

Sagt der Einwohnerrat Ja und verstreicht die Referendumsfrist ungenutzt, muss das Baugesuchsverfahren wiederholt werden. Bei einem Nein – ob im Einwohnerrat oder in einem Referendum – ist der weitere Vorgang laut Stadtrat Reto Wettstein ungewiss.

Der Regierungsrat habe grundsätzlich auch die Möglichkeit, die Stadt durch eine Verfügung zum Bau des Regenbeckens zu verpflichten. Wettstein hofft, dass es nicht so weit kommt, und setzt auf eine aktive, transparente Kommunikation. Diese Woche werden die Haushalte mit einem Flugblatt über die Kreditvorlage informiert – und über die Gründe, die für das Regenbecken Altenburg sprechen.

Am Mittwoch, 25. September, findet ein öffentlicher Rundgang statt. Besammlung ist um 18 Uhr beim alten Trafohaus. Es besteht Gelegenheit, Fragen zum Projekt zu stellen. Anwesend sind Vertreter des Stadtrats und der Abteilung Planung und Bau sowie Experten für Gewässerschutz, Umweltschutz und Archäologie.

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