Aargauer Spitälern droht immer noch die Überlastung

Trotz einschneidender Massnahmen und tieferen Fallzahlen in den letzten Tagen hat sich die Coronasituation noch nicht entspannt.

Noemi Lea Landolt
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Am 18. Dezember hat der Regierungsrat die Coronamassnahmen verschärft. «Das Risiko, dass die Spitäler im Januar kollabieren, war zu hoch», begründete Gesundheitsdirektor Jean- Pierre Gallati den Entscheid.

Seither sind drei Wochen vergangen. Die Situation im Aargau ist aber weiterhin angespannt. Das zeigen verschiedene Daten und Indikatoren:

Spitalkapazitäten

Die Spitäler vor dem Kollaps bewahren, ist das oberste Ziel von Bund und Kantonen. Im Aargau war die Situation vor den Festtagen äusserst angespannt. Die Intensivstationen der Kantonsspitäler Aarau und Baden, der Hirslanden Klinik Aarau und des Spital Muri waren voll oder praktisch voll. Wegen der Kapazitätsengpässe werden Patienten in ausserkantonale Spitäler verlegt. Letzte Woche mussten 16 ausserkantonale Hospitalisationen vorgenommen werden, heisst es im Wochenbulletin des Kantonsärztlichen Dienstes.

Die Aargauer Spitäler mussten und müssen zudem Hunderte nicht dringliche Operationen verschieben, um genug Kapazitäten für die Betreuung von Covid-Patienten zu haben. Für die betroffenen Patientinnen ist das nicht nur mühsam, sondern bringt auch gesundheitliche Risiken mit sich.

Zwischen dem 21. und 30.Dezember wurden auf den Intensivstationen konstant mehr als 40 Covid-Patienten behandelt. Im neuen Jahr sind die Zahlen leicht gesunken. Am Donnerstag wurden 33 Covid-Patienten intensivmedizinisch behandelt. Allerdings lagen bereits einen Tag später wieder 40 Covid-Patientinnen auf den Intensivstationen.

Auch auf den Covid-Betten- stationen schwankte die Zahl der Patienten in den letzten zwei Wochen zwischen 119 am Donnerstag und 159 am 30. Dezember. Im Vergleich zu Mitte Dezember, als teilweise bis zu 180 Covid-Patienten hospitalisiert waren, hat sich die Situation zwar leicht entspannt. Für eine Entwarnung ist es aber zu früh. Die Spitäler seien stark ausgelastet und durch krankheitsbedingte personelle Ausfälle belastet, schrieb die Regierung am Donnerstag in einer Mitteilung. Steigen die Hospitalisationen weiter, drohe nach wie vor eine Überlastung der Spitäler.

Fallzahlen

Anfang/Mitte Dezember sind im Aargau an mehreren Tagen über 500 Personen positiv getestet worden. Der 7-Tages- Durchschnitt lag bei über 400 Fällen pro Tag. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist der 7- Tages-Durchschnitt teilweise unter 300 Fälle pro Tag gesunken. Am 1., 2. und 3. Januar wurden 127, 251 und 121 Neuansteckungen registriert.

Diese Woche wurden am Montag, Dienstag und Mittwoch wieder mehr als 300 neue Fälle pro Tag gemeldet. Am Donnerstag registrierte der Kanton 242 Neuansteckungen. Die tieferen Zahlen seien aber nur bedingt aussagekräftig, weil über die Festtage weniger getestet worden sei, teilt der Kanton mit.

Genau beobachtet werden auch die Mutationen des Coronavirus, die in Grossbritannien und Südafrika nachgewiesen wurden. Im Aargau wurde bisher bei einer Person eine der neuen Virusvarianten nachgewiesen. 309 Personen, die aus Grossbritannien oder Südafrika eingereist sind, befinden sich in Quarantäne.

Positivitätsrate

Laut Weltgesundheitsorganisation gilt eine Pandemie als kontrollierbar, wenn der Anteil positiver Tests bei 5 Prozent liegt. Ist die Positivitätsrate höher, ist das ein Zeichen dafür, dass zu wenig getestet wird. Die Folge: Viele Ansteckungen werden nicht erkannt und das Virus verbreitet sich immer weiter.

Die Positivitätsrate liegt in allen Kantonen über 5 Prozent. Im Aargau sind zwischen dem 21. und 27. Dezember 14680 Tests durchgeführt worden. 17 Prozent waren positiv. In der darauffolgenden Woche zwischen Weihnachten und Neujahr haben sich weniger Personen testen lassen. Es sind nur 10725 Tests durchgeführt worden. Die Positivitätsrate stieg auf 20,5 Prozent. Letzte Woche war also jeder fünfte Test positiv.

Schweizweit ist die Positivitätsrate letzte Woche auf tieferem Niveau von 12,7 auf 16,8 Prozent gestiegen.

R-Wert

Der Reproduktionswert R zeigt, wie viele Personen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Liegt der R-Wert bei 1, bleibt die Zahl der Ansteckungen konstant. Das heisst, 100 Personen stecken 100 Personen an. Liegt der Wert über 1, bedeutet dies exponentielles Wachstum.

Im Aargau ist der R-Wert in den letzten Wochen von 1,17 auf 0,86 gesunken. Eine nachhaltige Entspannung könne aber noch nicht festgestellt werden, so der Regierungsrat. Mittlerweile ist der R-Wert wieder auf 0,92 gestiegen.

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