Das Coronajahr
Aargauer Polizeikommandant zum Pandemiejahr: «Mit jedem schönen Tag sank das Verständnis der Bevölkerung»

Michael Leupold blickt auf das Jahr 2020 zurück. Dank Corona starben weniger Menschen auf Aargauer Strassen. Es gab aber auch mehr häusliche Gewalt.

Stefania Telesca
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Michael Leupold, Kommandant der Aargauer Kantonspolizei.

Michael Leupold, Kommandant der Aargauer Kantonspolizei.

Alex Spichale

Die Coronapandemie war 2020 auch für die Kantonspolizei prägend. Vor welchen neuen Herausforderungen standen Sie und ihr Korps?

Michael Leupold: Die erste Herausforderung war, unsere Einsatzfähigkeit zu erhalten. Wir mussten sicherstellen, dass sich möglichst wenig Personen bei uns mit dem Virus anstecken und auch, dass wir Quarantänefälle möglichst eng begrenzen können. Deshalb haben wir bereits Anfang März einschneidende Massnahmen umgesetzt. Eine andere Herausforderung war, dass wir die Massnahmen und Vorschriften, die Bundesrat und Regierungsrat erlassen haben, durchsetzen und deren Einhaltung kontrollieren mussten. Das war im Frühling vor allem im Öffentlichen Raum der Fall.

Setzten sie dazu zusätzliche Patrouillen ein?

Zwischen Ende März und Anfangs Juni hatten wir ein spezielles Detachement, bestehend aus ungefähr 50 Polizistinnen und Polizisten, die wir aus Bereichen abgezogen hatten, in denen wir das Geschäft zurückfahren konnten. Etwa, weil während des Lockdowns deutlich weniger Verkehr auf der Strasse war. Diese Kolleginnen und Kollegen haben dann vor allem im öffentlichen Raum kontrolliert, dass die Versammlungsverbote und Abstandsregeln eingehalten wurden. Und sie unterstützten im Frühling auch das Grenzwachtkorps bei Grenzkontrollen.

Die Coronapandemie wirkte sich zum Teil auch positiv auf gewisse Bereiche aus, die die Polizei beschäftigen.

Bei der Verkehrssicherheit hatten wir deutlich weniger Unfälle, Verletzte und Verkehrstote. Das führen wir darauf zurück, dass die Verkehrsfrequenzen während des Lockdowns im Frühling und auch in den letzten Wochen tiefer waren. Ausserdem hatten wir weniger Einbrüche, vor allem im Wohn- und Geschäftsbereich. Das hängt zum einen damit zusammen, dass die Leute mehr zu Hause waren, und zum anderen, dass im Frühling die Grenze auch geschlossen war.

Gewisse Bereiche der Kriminalität wurde durch Corona aber auch schlimmer.

Die Cyberkriminalität und die häusliche Gewalt, sowie die Gewalt im öffentlichen Raum nahmen durch die Pandemie zu.

Sie sprachen auch von neuen Deliktsformen durch Corona.

Wirklich neu sind die Betrugsfälle bei den Covid-19-Krediten. Man hat für Unternehmen grosszügig Kredite gesprochen. Die Leute nutzten die Tatsache aus, dass die Auszahlung jeweils sehr rasch passierte. Wir haben mittlerweile einen ganzen Haufen Strafanzeigen. Im Bereich der Cyberkriminalität wurde das Stichwort Corona ausgenutzt, um etwa angebliche Mittel zum Schutz vor diesem Virus zu verkaufen.

Wie entwickelten sich die Anrufzahlen von Denunzianten, die Coronaverstösse auf der Notrufzentrale meldeten?

Während des ersten Lockdowns, als sich die Verbote vor allem auf den öffentlichen Raum bezogen oder Schul- und Sportanlagen gesperrt waren, gab es relativ viel Meldungen von Verstössen, auch aufgrund des Lärms. Momentan ist es nicht so. Die Auflagen betreffen jetzt auch eher Innenräume und Betriebe und damit sind auch die Meldungen stark zurückgegangen.

Wie gross ist das Verständnis in der Bevölkerung für die Massnahmen?

Immer wenn die Zahlen steigen und die Massnahmen neu verfügt werden, ist die Befolgung relativ gut. Im Frühling war es so, dass das Verständnis der Leute für die damaligen Versammlungsverbote und Abstandsvorschriften stark abnahm mit jedem Tag und mit jeder Woche, wo die Fallzahlen zurückgingen, das Wetter schön war und die Temperaturen stiegen.

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