Katzendebatte
Jäger: «Ich habe im Wald auch schon Katzen erlegt»

Es gibt zu viele Katzen. Geht es nach dem Willen der Jäger soll damit aber Schluss sein. Sie wollen nun Jagd auf die Vierbeiner machen. Das Töten einer Katze oder eines Fuchses sei dasselbe. Die Dezimiermassnahme sorgt nicht überall für Begeisterung.

Hans Lüthi
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Die vielen Katzenfreundinnen und Katzenfreunde hören es nicht gerne, wenn ihren Lieblingen jemand ans Fell will. Dennoch herrschte im fast vollbesetzten Mühlbergsaal des Naturamas Aargau unter den Tierbesitzern und Naturfreunden grosse Einigkeit: Es gibt viel zu viele Katzen, geschätzte 1,4 Millionen im ganzen Land, von denen Tausende auch durch Naturschutzgebiete und Wälder streifen.

Ihre Jagd auf Wildtiere ist von Erfolg gekrönt, sie killen in der Schweiz pro Jahr 10 Millionen Mäuse, 3 Millionen Schmetterlinge, 1,8 Millionen Vögel und 600000 Reptilien. Diese Zahlen des Naturamas haben viele Naturfreunde aufgeschreckt, bei hohen Katzendichten kann das örtlich zum Aussterben von Wildtieren führen - auch von geschützten Arten. «Die Katze ist genetisch auf Jagd programmiert, darum lässt sie auch das Mausen nicht», sagte Wildtierbiologin Sandra Gloor. Da nützt auch beste Ernährung nichts, kaum vom Fresstopf weg, wird der liebste Schmusekater im Freien zum Raubtier. Die Besitzer wissen das, denn nicht selten legt die Katze ihnen halb tote Tiere zu Füssen.

Jagdgesetz erlaubt das Schiessen

In einer erstaunlich sachlichen Diskussion, zuerst auf dem Podium, dann mit Publikum, kamen teilweise drastische Massnahmen auf den Tisch. Zur Belebung stellte Thomas Baumann vom Naturama, selber Bauer mit drei Katzen, vier provokative Forderungen auf: obligatorischer Katzenkurs für alle Halter, Mikrochip, Katzensteuer und generelles Kastrieren.

Vom Abschiessen sprach niemand - vorerst: Doch Diskussionsteilnehmer Dominik Thiel von der Sektion Jagd und Fischerei bekannte freimütig: «Als Jäger habe ich im Wald auch schon einzelne Katzen erlegt.» Das neue Jagdgesetz erlaubt das, um verwilderte Katzen dezimieren zu können. Auf Büsi mit Halsbändern würden die Jäger nicht schiessen und seien ohnehin zurückhaltend. Mit letzter Sicherheit könne man nicht sagen, ob es sich um eine Hauskatze oder um eine Wildkatze handle. Ob das Katzentöten nicht schrecklich sei, wollte eine Besucherin wissen. «Es gibt keinen Unterschied zu einem Reh oder einem Fuchs», sagte Thiel nüchtern.

Katzensteuer zu bürokratisch

Auf wenig Zustimmung stiess die von Diskussionsleiterin Bea Stalder vom Naturama in die Runde geworfene Katzensteuer. «Das ist doch alles viel zu bürokratisch, wir brauchen kein Katzengesetz und kein Hundegesetz», betonte Vizeammann Hanspeter Lüem, in dessen Gemeinde Gränichen es ohnehin wenig Probleme mit den Samtpfoten-Tieren gebe.

Illustration von Swen zum Thema

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Aargauer Zeitung

Die zusätzlich nötige Regulierung, die ganze Verwaltung und Bürokratie einer Katzensteuer fand in der Runde keinen Anklang. Offen blieb vorerst auch die Frage, wie man das Geld aus einer Katzensteuer einsetzen könnte, «denn Robidogs wie bei den Hunden braucht es wohl keine».

Wirkung der Kastration unklar

Ein zumindest aus Tierschutzsicht sinnvolles und nützliches Mittel sei das Kastrieren von Katzen und Katern. Der Tierschutz und Aktionen auf den Bauernhöfen erreichen so rund 1000 Aargauer Katzen im Jahr. «Das bringt sicher etwas und ist besser, als junge Katzen einfach totzuschlagen», erklärte Astrid Becker, Präsidentin des Aargauer Tierschutzes. 150000 Franken setzt ihr Verein jährlich dafür ein, die effektive Wirkung kennt man nicht. Gemäss Dominik Thiel bringt die Kastration, die keine zehn Prozent aller Katzen erfasst, nur einen Tropfen auf den heissen Stein. «Auch kastrierte Katzen fressen Vögel», meinte ein Naturschützer.

Das Publikum betrachtete ein flächendeckendes Kastrieren als besten Ausweg aus der Katzenflut. Nur blieb unklar, wer dafür bezahlen soll, denn der Tierschutz macht das schon jetzt mit grossem Aufwand und ist ständig auf Geldsuche. Mit einem Rappen für jeden Futtersack der Katzen könnte man eine beachtliche Summe zusammenbringen, lautete ein Vorschlag. Mit einer generellen Meldepflicht für Katzen liesse sich die Aufforderung verbinden, diese nach einem Jahr kastrieren zu lassen. Damit wären die offiziellen Büsi erfasst - das Problem von immer mehr verwilderten Katzen aber bliebe. Allein im Aargau gibt es Tausende.

Kein Patentrezept in Sicht

Es war eine rein theoretische Feststellung, in der Nähe der Jurasüdhänge mit den vielen Reptilien müsste man das Katzenhalten verbieten. Wer wollte das tun, wer durchsetzen? Wie auch immer, «der Bestand muss herunter», forderte Kathrin Hochuli, Geschäftsleiterin von Birdlife Aargau. Die Katzen töteten viele Vögel und andere Wildtiere, Eidechsen und Blindschleichen seien bedroht. Bea Stalder leitete mit Humor und Fingerspitzengefühl durch das emotionsgeladene Thema. Ein Patentrezept blieb aus, die vielen Katzen werden weiter zu reden geben.

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