Fricktal
Zugriff verweigert: Gemeinde-Mitarbeiter können kaum privat surfen

Viele Fricktaler Gemeinden gehen über den Kanton ins Internet – ein URL-Filter sorgt für pornofreie Amtsstuben.

Thomas Wehrli
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Im grünen Bereich: Auf den Gemeindeverwaltungen im Fricktal sorgt ein URL-Filter dafür, dass gearbeitet statt gesurft wird. Keystone

Im grünen Bereich: Auf den Gemeindeverwaltungen im Fricktal sorgt ein URL-Filter dafür, dass gearbeitet statt gesurft wird. Keystone

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Da staunt der Laie und die Verwaltungsleiter wundern sich: In Luzern surfen die Mitarbeiter der kantonalen Verwaltung frisch fröhlich privat auf dem Internet herum.

Fast 50 Prozent der Seitenaufrufe sind nicht geschäftlicher Natur, hat der «SonntagsBlick» mit Verweis auf eine bis dato geheime Studie publik gemacht. Besonders stossend: 500-mal pro Tag wird von einem Verwaltungsanschluss aus eine Pornoseite aufgerufen.

Die Reaktionen in den Fricktaler Gemeindeverwaltungen auf diese Zahlen reichen von «erstaunt» bis «völlig perplex». Bei allen von der az befragten Gemeinden ist man sich sicher: «Das ist bei uns undenkbar.»

Zum einen, weil die (soziale) Kontrolle dies verhindert. «Unsere Arbeitsplätze liegen so nahe beieinander, dass es unweigerlich auffallen würde, wenn ein Mitarbeiter dauernd privat surfen würde», erklärt Josef Bernet, Finanzverwalter und Informatikverantwortlicher der Gemeinde Frick. Zumal: «Für privates Surfen fehlt uns schlicht die Zeit», erklärt Dieter Vossen, Gemeindeschreiber von Möhlin.

URL-Filter im Einsatz

Auch Roger Erdin, Stadtschreiber von Rheinfelden, ist sich sicher: «Es würde auffallen, wenn jemand dauernd im Internet herumsurft.» Er sieht die Abteilungsleiter in einer Mitverantwortung, dass es nicht zu Missbräuchen wie in Luzern kommt. Klar ist aber auch: An der Maus sitzt der Mitarbeiter. Und da ist es «letztlich eine Frage des Vertrauens», so Bernet, und «der Vernunft jedes Einzelnen» (Erdin).

Undenkbar ist ein Missbrauch wie in Luzern noch aus einem zweiten, handfesten Grund: Alle befragten Gemeinden gehen über den Kanton ins Internet. Das heisst: Der URL-Filter, welcher der Kanton einsetzt, blockt auch auf den Gemeindecomputern unerwünschte Seiten ab. Darunter fallen Gewalt- und Rassismusseiten ebenso wie Online-Auktionen oder erotische Inhalte.

Damit sind fast alle Fricktaler Gemeindekanzleien «sauber», denn «die meisten Gemeinden beziehen im Rahmen der kantonalen Netzwerkerschliessung auch den Internet-Service», erklärt Roland Hofer vom Departement Finanzen und Ressourcen. «Innerhalb dieses Services steht den Gemeinden die URL-Filterfunktion der kantonalen Verwaltung kostenlos zur Verfügung.»

Kein gänzliches Verbot

Ein absolutes Verbot, privat zu surfen oder zu mailen, kennt indes keine der angefragten Gemeinden. Erdin spricht von «ausnahmsweise zulässig, wenn der Dienstbetrieb dadurch nicht beeinträchtigt wird», Vossen von einer «privaten Nutzung, die es auf das Minimum zu beschränken gilt».

Ein gelegentliches Mail – versehen mit dem Vermerk: privat – sei zulässig, die Vereinsarbeit zu erledigen, «sicher nicht». Explizit verboten haben viele Gemeinden in ihren Reglementen zudem, dass die Mitarbeitenden über das Internet Bilder laden, Musik hören oder Filmchen anschauen. Dies auch, weil die Leitungen sonst dauernd überlastet wären.

«Wir hatten noch nie einen Fall, dass ein Mitarbeiter zu viel privat surfte», erklärt Martina Schütz, Gemeindeschreiberin von Oberhof. Sie lacht. «Wir sind auf der Verwaltung ja auch nicht eben viele, die in ein Problem hineinlaufen könnten.» Aber auch aus grösseren Gemeinden wie Frick, Möhlin und Rheinfelden heisst es: alles im grünen Bereich. Die Reglemente geben den Gemeinden zwar die Möglichkeit, die Protokolldaten in anonymisierter Form auszuwerten. «Davon haben wir bisher aber noch nie Gebrauch gemacht», sagt Erdin. Ebenso wenig von einer personenbezogenen Auswertung, die in einem Verdachtsfall «unter strengen Auflagen» möglich wäre.

Merkblatt wird abgegeben

In Frick hat man vor drei Jahren einmal eine Auswertung der anonymisierten Daten vorgenommen. «Wir wollten wissen, ob das private Surfen die Netzwerkleistung stark beeinträchtigt», erklärt Bernet. Fazit: «Es wird zwar privat gesurft, aber das hält sich in Massen.» Viele der privaten Klicks passieren zudem über Mittag. «Und da muss es erlaubt sein, auch einmal privat etwas nachzuschauen oder zu erledigen.»

Gesperrt ist bei etlichen Gemeinden der Zugriff auf Facebook. Oder zumindest stark limitiert: «In Rheinfelden gibt es einzelne Einheiten wie Tourismus Rheinfelden, die Zugriff haben, weil sie Facebook auch beruflich einsetzen», so Erdin. Klar ist ihm und seinen Kollegen aber auch: Seit das Smartphone in alle (Verwaltungs-)Stuben Einzug gehalten hat, ist eine Kontrolle nicht mehr möglich. Auch da ist es, wie es Bernet formulierte, «eine Frage des Vertrauens».

Vertrauen ist gut, Instruktion besser: In allen Verwaltungen werden die neuen Mitarbeitenden beim Eintritt über die Weisungen informiert und erhalten ein vier bis zehn Seiten dickes Reglement. Vielerorts müssen sie auch eine Bestätigung unterzeichnen, dass sie die Weisungen gelesen und zur Kenntnis genommen haben. Damit niemand im Fall der Fälle sagen kann: Mein Name ist Hase.

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