Fricktal
Zerstörung im Wald: Der Borkenkäfer ist wieder da

Fichten und Eschen haben es derzeit in unseren Wäldern besonders schwer – der Borkenkäfer und ein Pilz richten an den Bäumen massiven Schaden an.

Mira Güntert
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Der Buchdrucker – eine berüchtigte Unterart des Borkenkäfers – hat es vor allem auf Fichten abgesehen.

Der Buchdrucker – eine berüchtigte Unterart des Borkenkäfers – hat es vor allem auf Fichten abgesehen.

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Zehn Jahre lang ist er fast verschwunden gewesen. Doch letzten Sommer kehrte er endgültig in den Rheinfelder Wald zurück: der Borkenkäfer. Fichten-Liebhaber und gefürchteter Schädling.

Um die Vergangenheit des alten Bekannten besser erklären zu können, muss Stadtoberförster Kurt Steck ins vergangene Jahrtausend zurück. Genauer gesagt ins Jahr 1999, als der Sturm Lothar orkanartig über Mitteleuropa zog und ganze Waldstücke entwurzelte.

Viel Nadelholz wurde dabei zerstört und die überlebenden Bäume waren vom Sturm geschwächt. So kam es, dass in den Jahren 2001 und 2002 der Bestand des Buchdruckers – eine von 119 in der Schweiz verbreiteten Unterarten des Borkenkäfers – massiv anstieg.

15 Prozent...

... aller Bäume im Rheinfelder Wald sind Eschen. In Laufenburg stehen elf Prozent Eschen. Der Baum zählt neben der Buche zu den bedeutendsten Laubholzarten der Region.

Der Hitzesommer 2003 machte die Situation für den Schädling erst recht exquisit: Er konnte sich besser vermehren, während die Fichten unter akutem Wassermangel litten sowie an Widerstandsfähigkeit einbüssten und damit die Borkenkäfer kaum mehr durch Harzfluss abwehren konnten. «Bis etwa 2006 hatten wir viele Schäden durch den Borkenkäfer. Dann erholte sich der Wald wegen dem feuchteren Wetter», sagt Steck.

Zwangsnutzung der Bäume

Aktiv kann man gegen den Borkenkäfer nicht viel machen. «Wir können bloss das befallene Holz möglichst schnell aus dem Wald schaffen. Wenn es länger liegt, wird es zur potenziellen Brutstätte für die Borkenkäfer», sagt Steck. Das befallene Holz muss also zwangsgenutzt werden. Für den Verkauf erhält man nicht mehr viel und die Aufstockung der gerodeten Flächen kostet zusätzlich.

Auf eine Tendenz für das Jahr 2018 möchte sich Steck nicht festlegen. «Momentan sieht es gut aus, durch die Niederschläge ist es nass im Wald. Doch auch der kommende Frühling sollte eher feucht ausfallen.» Schlussendlich sei es zu 90 Prozent abhängig von der Witterung, ob der Bestand der Borkenkäfer 2018 zu- oder abnehmen werde.

Doch nicht nur die Fichten, auch die Eschen haben es in den heimischen Wäldern nicht leicht. Die Eschenwelke, ein Pilz aus dem asiatischen Raum, lässt immer mehr Eschen absterben. «Viele müssen wir aus Sicherheitsgründen entfernen», sagt der Laufenburger Förster Sebastian Meier. Die Esche sei eine wichtige Baumart in den regionalen Wäldern – ganze elf Prozent aller Bäume in Laufenburg sind Eschen.

Chemie ist nicht erlaubt

Wie der Borkenkäfer lässt auch die Eschenwelke die Forstbetriebe machtlos zusehen. «Wir haben ein strenges Waldgesetz. Es ist verboten, Chemie an stehende Bäume zu spritzen», sagt Kurt Steck. Gift würde wohl neben den Schädlingen auch Hunderte Nützlinge abtöten.

Die Zukunft der Esche sieht Steck massiv bedroht. «Sie gilt nicht mehr als Zukunftsbaum.» Gepflanzt werde die Esche schon länger nicht mehr. Sie verjünge sich zwar gut selbstständig, trotzdem vermutet er, dass früher oder später die Hauptbaumart wegfallen werde. «Es ist schade, dass es immer weniger Baumarten geben wird», sagt Steck.

In Kaiseraugst verkleinert sich schon in den nächsten Tagen der Eschenbestand. Wie die Gemeinde auf ihrer Homepage schreibt, werden entlang des Rheinufers Bäume gefällt. Diese stellten aufgrund von Sturmschäden und der grassierenden Eschenwelke ein Risiko für die Bevölkerung dar.

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