Strasse

Wird die Staffelegg für den Transit-Schwerverkehr geschlossen?

Viele (ausländische) Lastwagen nutzen die Staffelegg als Abkürzung, um weniger Abgaben zahlen zu müssen.

Viele (ausländische) Lastwagen nutzen die Staffelegg als Abkürzung, um weniger Abgaben zahlen zu müssen.

Der Verkehr im Staffeleggtal hat stark zugenommen. SP- und CVP-Grossräte wollen wissen, ob die Lastwagen verbannt werden können.

Nicht nur der öffentliche Verkehr sorgt derzeit bei vielen Fricktalern für Unmut und löst politische Vorstösse am Fliessband aus, sondern auch die zunehmende Verkehrsbelastung.

Insbesondere das Staffeleggtal leidet stark. Seit der Eröffnung des Staffeleggzubringers hat sich die Situation in ­Ueken, Herznach und Densbüren nochmals verschärft. Gerade Lastwagen nutzen die Strecke gerne als Abkürzung, um Schwerverkehrsabgaben (LSVA) zu sparen.

In einem Vorstoss brachten die beiden SP-Grossrätinnen Elisabeth Burgener (Gipf-Oberfrick) und Colette Basler (Zeihen) an der Grossratssitzung vom Dienstag diese Verkehrsentwicklung aufs Tapet.

Seit der Eröffnung des Staffeleggzubringers 2010 habe der Verkehr in den Durchgangsgemeinden stark zugenommen, halten sie in ihrer Interpellation fest. «Bereits in der Analyse von 2013 wurde von einer Zunahme von 10 bis 15 Prozent geschrieben.» Ebenfalls könne eine Zunahme des Verkehrs und der Verkehrshotspots in den Regionen Frick und Laufenburg ausgemacht werden.

Lebensqualität im ­Staffeleggtal nimmt ab

Dies bleibt nicht ohne Folgen. «Insbesondere auf der Staffeleggstrasse und den Ortsdurchfahrten Laufenburg und Frick kommt es immer wieder zu langen Kolonnen, Staus und gefährlichen Situationen», schreiben Burgener und Basler. «Die Lebensqualität in den betroffenen Durchgangsgemeinden nimmt ab.»

Vom Regierungsrat wollen die beiden Politikerinnen unter anderem wissen, wie sich der Durchgangsverkehr in Laufenburg, Frick, Herznach und Wölflinswil/Oberhof in den letzten zehn Jahren entwickelt hat und wie hoch der Anteil des Schwerverkehrs ist.

Die dritte Frage lässt viele Anwohner im Staffeleggtal aufhorchen und, sollte sie vom Regierungsrat positiv beantwortet werden, wohl auch aufschnaufen: «Wie steht der Regierungsrat zu einer allfälligen Schliessung der Staffeleggstrasse für Schwerverkehr (ausgenommen Zubringer)?»

Die beiden Interpellantinnen weisen zudem darauf hin, dass der Regierungsrat nach dem Bau der deutschen A98 und der Anbindung an die A3 bei Rheinfelden die Meinung ­vertreten habe, dies habe kaum Auswirkungen auf die Staf­­­­fe­l­egglinie. Sie wollen nun wissen: «Wie beurteilt der Regierungsrat diese Frage nun sechs Jahre später?»

Schwerverkehr weicht auf Staffeleggstrasse aus

Die Lärmsorgen der Anwohner im Staffeleggtal beschäftigen auch CVP-Grossrat Werner Müller (Wittnau). Er weist in seinem Vorstoss darauf hin, dass der Schwerverkehr seit der Einführung der LSVA vermehrt die Autobahn verlässt und durch die Dörfer donnert. Eine dieser Ausweichstrecken sei die Staffeleggstrasse.

Im Zeitraffer: eine Fahrt über die Staffeleggstrasse in doppelter Geschwindigkeit

Im Zeitraffer: eine Fahrt über die Staffeleggstrasse in doppelter Geschwindigkeit (Video vom Januar 2019)

  

12'500 Fahrzeuge passieren das Staffeleggtal pro Tag

Durch den Bau des Staffeleggzubringers und den Ausbau des Staffeleggübergangs habe, so Müller, der Verkehr nochmals massiv zugenommen. Müller belegt es mit Zahlen: Durchschnittlich 12'500 Fahrzeuge zwängen sich täglich durch das Tal, «wobei der Anteil Schwerverkehr verhältnismässig hoch ist».

Müller ist überzeugt, dass der Verkehr in den nächsten Jahren weiter anwachsen wird. Ein durchschnittlicher Tagesverkehr von 15'000 Fahrzeugen und mehr sei künftig «mehr als wahrscheinlich».

«Verkehrssicherheit verschlechtert»

Das starke Verkehrsaufkommen bleibt heute schon nicht ohne Folgen. Müller sagt:

Zudem entstünden immer wieder gefährliche Situationen, zum Beispiel bei Fussgängerstreifen. «Die Verkehrssicherheit hat sich an etlichen Strassenabschnitten verschlechtert», ist Müller überzeugt. Die Lebensqualität in den betroffenen Dörfern leide extrem unter diesen Umständen.

«Im Weiteren sind im Winter die Strassenverhältnisse oft prekär», so Müller. Dadurch komme es immer wieder zu Unfällen und als Folge davon müsse der Juraübergang gesperrt werden. «Vor allem ausländische Lastwagen sind oft mit ungenügender Winterausrüstung unterwegs.» Für Müller ist klar: «Durch diese Umstände, sind dringend Massnahmen erforderlich. Denn man darf diese Dörfer durchfahren, sie aber nicht überfahren.»

In einem ersten Schritt stellt Müller dem Regierungsrat acht Fragen. So will er wissen, ob die Staffeleggstrasse mit einem Fahrverbot für den Transit-­Schwerverkehr belegt werden könne oder ob die GPS-Daten so angepasst werden können, dass die Routenvorschläge für den Transitverkehr über die Nationalstrassen erfolgt.

Je nach Antwort folgt ­weiterer Vorstoss

Müller weist in seiner Interpellation auch auf die Eröffnung eines grossen Logistikcenters in Schafisheim hin. Seitdem habe der Schwerverkehr über die Staffelegg nochmals zugenommen. Er will wissen: «Wurden bei der Betriebsbewilligung des Logistikcenters Auflagen bezüglich Verkehrsanbindung erteilt?» Und falls nicht: «Besteht die Möglichkeit einer nachträglichen Auflage, dass der Transit-Schwerverkehr die N1 benutzen muss?»

Müller ist gespannt auf die Antworten – und behält sich weitere Schritte vor. Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, will er mit einem weiteren Vorstoss – einem Postulat oder einer Motion – nachdoppeln und verbindliche Massnahmen vom Kanton verlangen.

Verwandtes Thema:

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

Meistgesehen

Artboard 1