Herznach

«Wir müssten die Bude schliessen»: Verbote machen Ballon-Müller Sorgen

«Folienballons brauchen mehrere hundert Jahre, um zu verrotten», sagt Martin Müller.

«Folienballons brauchen mehrere hundert Jahre, um zu verrotten», sagt Martin Müller.

Amsterdam, die Grünen Aargau und die australische Kleinstadt Fremantle haben eines gemeinsam: Bei ihnen gilt ein striktes Ballon-Verbot.

Sie argumentieren, dass Ballons sowie Ballonbänder, -halterungen und -stäbe die Umwelt verschmutzen. Immer wieder werden Bilder von Möwen publik, um deren Hälse sich Plastikbänder schnüren. Oder von Tieren, die Plastikstäbe mit Fischen verwechselten und daran verendeten. Die EU hat im März beschlossen, dass Einweg-Plastikprodukte ab 2021 verboten sein werden. Dazu gehören, neben Plastiktellern oder Wattestäbchen, auch Ballonhalterungen- und stäbe. Ein Verbot von Ballons selbst wurde ebenfalls diskutiert.

Sollte sich die Schweizer Politik ein Vorbild an der EU nehmen, stellt das Martin Müller vor existenzielle Probleme. Er ist Inhaber der Firma Ballon-Müller im aargauischen Herznach, die mit Ballons handelt. Müller hat auf seiner Website ein Statement verfasst, mit dem er Kunden über verschiedene Ballon-Materialien und deren Folgen für die Natur aufklären will. Denn laut dem Unternehmer ist nicht jeder Ballon gleich umweltschädlich.

Was ist der Unterschied zwischen einem Gummi- und einem Folienballon?

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Gummi- und einem Folienballon?

Die Antwort von Martin Müller, Eigentümer und Geschäfftsführer der Ballon-Müller AG in Herznach.

Beliebte Ballons sind besonders schädlich

Das zeigt Martin Müller dieser Zeitung in seiner Firma in Herznach. In der einen Hand hält Müller einen glänzenden, pinken Flamingo-Ballon, in der anderen ein Bouquet bunter Luftballons. Er zeigt auf den Flamingo und sagt: «Das ist ein Folienballon, die gibt es seit den 1970er-Jahren. Das Material stammt aus der NASA-Weltraumtechnik. Der Folienballon ist robust und glänzt schön. Dafür braucht er aber mehrere hundert Jahre, um zu verrotten.»

Dann hebt Müller die Hand mit dem schwebenden Ballon-Bouquet. Die Ballons haben eine normale, runde Form. «Das sind Gummiballons aus Naturkautschuk», sagt Müller. «Sie verrotten in der Natur etwa in der gleichen Zeit wie Eichenlaub.» Ihm liege der Umweltschutz sehr am Herzen, Gummiballons verkaufe er lieber als jene aus Folie. «Aber Folienballons sind momentan total in Mode, vor allem, weil es sie in jeglichen Formen gibt.» Beliebt seien Buchstaben- und Zahlenballons.

Bis zu zehn Millionen Ballons pro Jahr

Müllers Firma führt im Sortiment 1000 verschiedene Gummi- und 3000 verschiedene Folienballons. Pro Jahr werden zwischen acht und zehn Millionen Ballons verkauft, die Firma macht einen Umsatz von drei Millionen Franken. Für Ballon-Müller und die 20 Angestellten wären die Konsequenzen gross, würden Ballons in der Schweiz verboten werden. «Dann müssten wir die Bude schliessen», sagt Müller, der mit Ballons aufgewachsen ist. Die Firma Ballon-Müller wurde 1952 gegründet, 1969 wurde Martin Müllers Vater, Herbert Müller, Geschäftsführer. Seither ist das Unternehmen in Familienhand.

Nur wenige Kilometer von Herznach entfernt, im deutschen Bad-Säckingen, hat Müllers zweite Firma Zibi ihren Sitz. Sie wurde in den 1970er-Jahren von Herbert Müller gegründet und stellt Ballonzubehör wie Halterungen und Stäbe aus Plastik her. Damit macht die Firma einen Umsatz von einer Million Franken jährlich.

Ab 2021 will die EU genau diese Halterungen und Stäbe verbieten. Martin Müller tüftelt schon seit einigen Jahren an Alternativen ohne Plastik. Er hat Lösungen aus Karton, Papier und Bioplastik entwickelt, die aber Nachteile wie weniger Stabilität aufweisen oder für den Verbraucher zu kompliziert sind. Müller ist trotzdem zuversichtlich: «Wir wären auf ein Verbot von Halterungen und Stäben vorbereitet, könnten sogar profitieren», sagt er.

Zudem entwickelte Müller, zusammen mit dem Herznacher Bänderproduzenten Spyk, einen ökologischen Bandverschluss. Weiter bietet er einen Ersatz für Plastikbänder an, mit denen Ballons befestigt oder herumgetragen werden. Die ökologische Variante besteht aus Baumwolle und Gelatine und ähnelt den üblichen Plastikbändern. Noch verkauft Müller beide Bänder, denn viele Kunden wünschten explizit Plastik. «Ich empfehle aber allen die Öko-Bänder», sagt Müller.

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