Astrid Schreiber weiss, wie anstrengend die Pflege von Angehörigen sein kann. «Es kommt immer wieder vor, dass Leute weinend vor unserer Tür stehen, weil ihnen alles zu viel wird und sie am Anschlag sind», sagt die Leiterin der Tagesstätte für Betagte des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) in Frick.

«Bei der Pflege von erkrankten Angehörigen gilt oftmals noch immer: in guten wie in schlechten Zeiten. Und dann ohne Anerkennung oder Hilfe, bis zum Kollaps», sagt auch Paul Oechslin, Vorstandsmitglied des Spitex-Fördervereins Fricktal.

Nicht nur finanzielle Entlastung

Das wollen der Förderverein und das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) Aargau nun ändern. Gemeinsam lancieren sie eine Art Hilfsprogramm für pflegende Angehörige. Die Hilfe besteht aus Entlastung – sowohl finanzieller als auch zeitlicher. So können die Mitglieder des Fördervereins Dienste des SRK in Anspruch nehmen. Sie erhalten vom Förderverein pro Halbjahr einen Gutschein über 250 Franken, den sie dafür einlösen können.

Das SRK Aargau bietet eine Reihe von Diensten zur Entlastung von pflegenden Angehörigen: Tagesstätten in Frick und Liestal BL, den FreiwilligenFahrdienst zu den beiden Tagesstätten oder anderen Zielen und den Entlastungsdienst für pflegende Angehörige von chronisch kranken Menschen («Lumicino»).

Neu bietet das SRK auch speziell für Angehörige von Demenzkranken einen Entlastungsdienst. «Dementia Care» heisst dieses Anfang Jahr lancierte Dienstleistungsangebot, ähnlich dem Entlastungsdienst «Lumicino». «Dementia Care» ist so neu, dass damit noch keine Erfahrungen gemacht wurden. Die Mitarbeiter seien allerdings schon entsprechend geschult worden, sagt Flurina Hoffmann, Leiterin Kommunikation beim SRK Aargau. Wer demenzkranke Angehörige zu Hause pflegt, kann sich von ihnen einige Stunden in der Woche entlasten lassen.

Zeit für eine Pause

Ebenfalls neu wird die Kinderbetreuung zu Hause angeboten. Dies in verschiedenen Fällen: «Wenn das Kind krank ist und die Eltern Entlastung brauchen – oder umgekehrt, wenn der betreuende Elternteil krank ist und die Kinder umsorgt werden müssen», sagt Flurina Hoffmann.

Ziel all dieser Angebote ist es, pflegenden Angehörigen Pausen zu gewähren. «Zeit, in der sie ihre Bedürfnisse stillen, soziale Kontakte pflegen, wichtige Termine wahrnehmen oder ganz einfach wieder Kräfte sammeln können», sagt Paul Oechslin vom Förderverein. «Um unser Motto ‹ambulant vor stationär› ehrlich umzusetzen, braucht es mehr, als die Arbeit der Spitex», so Oechslin. Die Gutscheine, welche die über 3900 Vereins-Mitglieder telefonisch oder schriftlich beantragen können, sollen dabei vor allem eine Hemmschwelle senken. «Viele tun sich schwer damit, die Pflege von Angehörigen jemand anderem zu überlassen», sagt Oechslin. Die Gutscheine seien ein Anreiz, das Angebot auszuprobieren.

Ein Jahr als Test

Die Vereinsmitglieder werden an der Mitgliederversammlung am 21. Mai in Möhlin über das neue Angebot informiert. Ausgelegt ist das Projekt vorerst auf ein Jahr. Den Betrag dafür hat der Spitex-Förderverein bereitgestellt. «In einem Jahr werden wir eine Standortbestimmung vornehmen und analysieren, was wie gut funktioniert», sagt Oechslin. Die Beteiligten vom Förderverein und vom SRK Aargau verfolgen dabei ein gemeinsames Ziel: «Es muss salonfähig werden, dass ich selbst gepflegt werde, wenn ich einen Angehörigen pflege», wie Oechslin sagt.