Rheinfelden
Weltkriegsbunker wird abgebrochen – kann das Kirche beschädigen?

Der Bunker unter der Kapuzinerkirche wird wegen des Wärmeverbunds teilweise zurückgebaut. Das kostet die Rheinfelden happige 200'000 Franken. Klar ist zudem: Es handelt sich um einen Schutzbunker, welcher Rheinfelden und nicht der Armee gehört.

Stefan Gyr
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Das Archivbild zeigt Bauarbeiten in der oberen Altstadt mit den Gräben für die Fernwärmeleitungen. Bei diesen Arbeiten stiess man auf einen Bunker.

Das Archivbild zeigt Bauarbeiten in der oberen Altstadt mit den Gräben für die Fernwärmeleitungen. Bei diesen Arbeiten stiess man auf einen Bunker.

stg

Der Rheinfelder Stadtrat hat entschieden: Ein Teil des alten Bunkers unter der Kapuzinerkirche und der Kapuzinergasse muss weg, weil er den Leitungsbauten für den Wärmeverbund im Weg steht. Das bestätigt Franz Ressnig vom Stadtbauamt gegenüber der az.

Im Untergrund der Kapuzinerkirche befindet sich keine Krypta wie bei manchen anderen Gotteshäusern, sondern ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Er wurde vermutlich zwischen 1942 und 1943 gebaut. Die Bunkeranlage liegt zum Grossteil direkt unter der Kirche. Eine Alarmzentrale, ein Entgiftungsraum, ein Melderaum und zahlreiche Gruppenräume gehörten unter anderem dazu. Einige ungenutzte Kammern ragen im Untergrund in die Kapuzinergasse hinaus. Auch ein teilweise zugeschütteter Fluchtstollen befindet sich unter der Gasse.

Für den Wärmeverbund Rheinfelden Mitte sollen auch in der Kapuzinergasse Leitungen verlegt werden, um Liegenschaften anzuschliessen. Die Stadt prüfte deshalb einen Rückbau des unterhalb der Altstadtgasse liegenden Teils des Bunkers, wie sie im Februar bekannt gab. «Wir haben die Anlage mit der Armee und dem Zivilschutz besichtigt», sagt Projektleiter Franz Ressnig. «Wir sind bis nach Bern gelangt.» Heute ist klar: Es handelt sich um keine militärische Anlage. Das Bauwerk gehöre nicht der Armee, sondern der Stadt, so Ressnig. Die Stadt habe die Anlage offenbar als Schutzbunker gebaut.

75 Zentimeter dicke Wände

Mit dem Rückbau des Bunkerteils wird voraussichtlich Ende Juni begonnen. Die Arbeiten werden zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen. Die Kosten für die Stadt beziffert Ressnig auf 200 000 Franken. Denn es können keine schweren Geräte eingesetzt werden. Um Erschütterungen der Kapuzinerkirche zu vermeiden, müssen die teilweise
75 Zentimeter dicken Wände mit Schneidemaschinen zerteilt werden.

Der Teilrückbau des Bunkers wird laut Ressnig die Bauarbeiten für den Wärmeverbund Rheinfelden Mitte nicht verzögern. Bisher seien die Fernwärmeleitungen bis zum Bunker erstellt worden, und darauf seien andere Arbeiten vorverlegt worden.

Der Wärmeverbund nutzt die Abwärme der Brauerei Feldschlösschen, um Liegenschaften im Zentrum von Rheinfelden zu beheizen. Trägerin ist die Wärmeverbund Rheinfelden Mitte AG, an der die Stadt und die AEW Energie AG mit je 50 Prozent beteiligt sind. Die Investitionen belaufen sich auf 15 Millionen Franken.

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