Rheinfelden
War er ein ehrenhafter Kämpfer oder ein herrschsüchtiger Verräter?

Wer war Rudolf von Rheinfelden? Die neue Ausstellung des Fricktaler Muesums in Rheinfelden gibt Antworten: Er war Herzog von Schwaben und erster deutscher Gegenkönig. Er starb 1080 durch einen Schwerthieb eines Ritters.

Ingrid Arndt
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Die Hauptorganisatorinnen Linda Imhof, Ute Gottschall und Kathrin Schöb Rohner (von links) am Adelheid-Kreuz. ari

Die Hauptorganisatorinnen Linda Imhof, Ute Gottschall und Kathrin Schöb Rohner (von links) am Adelheid-Kreuz. ari

Vernissage zur neuen Ausstellung im Fricktaler Museum: Vor fast einem Jahrtausend kam Rudolf von Rheinfelden (geboren zwischen 1020 und 1030, gestorben 1080), Herzog von Schwaben und erster deutscher Gegenkönig, in der kriegerischen Auseinandersetzung mit den Truppen Heinrich IV. bei Hohenmölsen ums Leben.

Ein Ritter schlug ihm die rechte Hand, also die Schwurhand, ab und stach ihm das Schwert in den Unterleib.

Wer war dieser Rudolf, woher kam er und was hat er damals für eine Rolle gespielt? Diesen spannenden Fragen gehen die Organisatoren der Ausstellung «Rudolf von Rheinfelden, ehrenhafter Kämpfer oder herrschsüchtiger Verräter» im Fricktaler Museum nach, eingebettet in das Jahresmotto der Stadt «Die Königsfamilie, Rudolf von Rheinfelden, Graf, Herzog und König».

Museumsleiterin Kathrin Schöb Rohner freute sich bei der Begrüssung am Donnerstagabend über das immense Interesse und die zahlreichen Gäste, die zur Eröffnung gekommen waren, unter anderem eine Delegation aus Hohenmölsen (Sachsen-Anhalt), Vertreter der Klöster St.Peter und St. Blasien, des Zähringer Zentrums sowie der Schwesterstadt jenseits des Rheins.

Geschickte Heiratspolitik

In ihren Ausführungen unterstrich sie: «Rudolf hätte sicherlich das Zeug dazu gehabt, an die Spitze europäischer Politik zu stossen.» Durch geschickte Heiratspolitik verband er sich mit den regierenden Saliern, seine Kinder mit anderen Adelsgeschlechtern und Herrscherhäusern.

Sie betonte, dass diese Ausstellung die Auseinandersetzung zwischen Rudolf und Heinrich IV. beleuchten soll, warum er vom anfänglich loyalen Anhänger seines Schwagers Heinrich IV. in den Auseinandersetzungen des Investiturstreites in das Lager der Opposition wechselte, was es mit dem Gang nach Canossa auf sich hat und warum die Chronisten vom Mittelalter bis in die Neuzeit immer wieder von ihm berichteten.

Ute Gottschall, stellvertretende Museumsleiterin, und Stadtmarketingleiter Daniel Vulliamy stellten das umfangreiche Begleitprogramm zur Ausstellung vor mit Führungen, Vorträgen oder einem mittelalterlichen Markt.

Der Bürgermeister von Hohenmölsen, Andy Haugk, unterstrich, dass Rudolf von Rheinfelden auch in seiner Stadt ein Stück lebendige Historie sei, die den Menschen erlebbar gemacht werde. Stadtammann Franco Mazzi war stolz darauf, dass die Königsfamilie für die kleine Stadt so grosse Geschichte geschrieben hat.

Auf dem Rundgang durch die Ausstellung sind Originaldokumente, Reproduktionen, ein Abguss der Grabplatte von Rudolf aus dem Dom von Merseburg, eine Kopie des Adelheid-Kreuzes, der Schwurhand und vieles andere zu sehen.

Die Besucher erfahren Details aus Rudolfs ungewöhnlichem Lebenslauf, seines steilen politischen Aufstieges, seiner hochadeligen Familie, der Geschichte seiner Vorfahren, den wechselvollen Auseinandersetzungen mit Heinrich IV. sowie der Rolle des damaligen Papstes Gregor VII. In der entscheidenden Schlacht bei Hohenmölsen musste Heinrich mit seinem Heer zwar vorerst fliehen, doch durch den Tod von Rudolf verlor er nie wirklich an Macht.

Die Prüfungen der Person Rudolf von Rheinfelden waren stets sehr gegensätzlich in den vergangenen Jahrhunderten. Einerseits wurden seine Tapferkeit und Klugheit hervorgehoben. Aber seine Gegner warfen ihm Treuebruch und Meineid vor, der Verlust seiner Schwurhand sei dafür das göttliche Zeichen. Er sei zwanghaft ehrgeizig gewesen und habe die Grenzen der Loyalität missachtet.

Anderseits konnte sich Rudolf drei Jahre als Gegenkönig behaupten, den zögerlichen Papst auf seine Seite ziehen, dennoch Heinrich IV. nie wirklich in die Knie zwingen. Die Besucher können sich anhand der umfangreichen Dokumente ein Bild machen über Erfolg oder Misserfolg des Regenten Rudolf von Rheinfelden. Auf seinen mittelalterlichen Instrumenten Bratsche und Rebec umrahmte Jonathan Frey die Vernissage.

Öffnungszeiten der Ausstellung (bis 15.Dezember) im Fricktaler Museum:. Dienstags, samstags und sonntags jeweils 14 bis 17 Uhr.

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