Laufenburg
Von 1801 bis 1983 waren Gefangene im Wasenturm eingesperrt

Neues war bei einem Rundgang auf Einladung der Ortsbürgerkommission Laufenburg über die Türme in der Stadt zu erfahren. Höhepunkt war der Apéro, der in einer ehemaligen Gefängniszelle im Wasenturm serviert wurde.

Dieter Deiss
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Spannender Blick durch das Guckloch in einer Gefängnistüre im Laufenburger Wasenturm, wo sich das Bezirksgefängnis befand. – Foto: dds

Spannender Blick durch das Guckloch in einer Gefängnistüre im Laufenburger Wasenturm, wo sich das Bezirksgefängnis befand. – Foto: dds

Auf Einladung der Laufenburger Ortsbürgerkommission erhielten Interessierte Gelegenheit, Neues und Interessantes über die beiden Laufenburger Türme, den Wasenturm und den Schwertlisturm, zu erfahren. Vizeammann Meinrad Schraner zeigte sich erfreut über die grosse Teilnehmerzahl und lud zu einer Zeitreise ein zu den beiden stattlichen Zeitzeugen.

Untersuchungen hätten ergeben, dass Laufenburg einmal über mehr als zehn Türme verfügt hätte, erzählte Stadtführer Hannes Burger den Exkursionsteilnehmern. Das Wasentor bildete zusammen mit dem heute nicht mehr stehenden Bärentor beim «Roten Löwen» die beiden Haupteingänge in die mehrere Stadt, während durch das Waldtor die mindere Stadt betreten wurde. Beim Waldtor fehlt freilich heute der oberste Teil. Dieser sei beim Rathausbau im Jahr 1811 abgebrochen worden.

Zugbrücke, Tore und Stadtmauer

Das Wasentor wurde im Jahr 1248 erbaut. Aufgrund der Altersbestimmung der Holzbalken wisse man, dass 1581 eine umfassende Sanierung erfolgt sei. Die Strasse sei damals wesentlich tiefer gelegen und beidseits des Turms seien starke Tore angebracht gewesen. An den Aussenseiten habe der Turm mit der Stadtmauer seine Fortsetzung gefunden. Eine Zugbrücke habe bei feindlichen Bedrohungen den Einwohnern Schutz gewährt. Fremde hätten zudem sowieso nicht durchs Tor reiten dürfen. Sie mussten vom Pferd steigen und die Stadt durch ein kleines Seitentürchen betreten.

Ebenfalls aus dem Jahr 1581 stammt die prächtige Balustrade auf der Nordseite, während die Wappentafel auf der Südseite unter anderem auf den damaligen österreichischen Kaiser Rudolf II. hinweise. Burger meinte, dass der Turm recht gut erhalten sei. Dass das Sgraffito im Tordurchgang aus jüngerer Zeit stammt, ist auch für Laien sofort erkenntlich. Es sei ein Geschenk zum 750. Geburtstag der Stadt Laufenburg gewesen, erläuterte Hannes Burger und stelle Szenen aus der Laufenburger Fasnacht dar.

Besuch in den Gefängniszellen

Mit Stadtführer Adalbert Ruoss ging es dann ins Innere des Wasenturms. Hinauf durch eine äusserst schmale Treppe gelangte man auf den ersten Zwischenboden. Der Turm dient heute den Laufenburger Tambouren als Vereins- und Übungslokal. Von 1801, also der Trennung des Rheinstädtchens, bis 1983, dem Bau des «Roten Löwen», diente der Turm als Bezirksgefängnis. Gleich nebenan hatte der Gefängniswärter, der in früheren Jahren identisch war mit dem Laufenburger Postenchef der Kantonspolizei, seine Wohnung. So konnte er direkt über die Balustrade zu seinen «Gästen» gelangen.

Die Zellen im oberen Teil des Turms sind praktisch noch in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Aber es muss wohl kaum ein Vergnügen gewesen sein, wenn man dort oben hinter Schloss und Riegel kam. Adelbert Ruoss liess es jedoch nicht mit dem Blick in die Gefängniszellen bewenden, servierte er doch in einer der Zellen gleich auch noch einen Gefangenen-Apéro.

Aus Sicherheitsgründen keinen Zutritt gab es jedoch in den obersten Stock des Wasenturms, wo ein modernes Uhrwerk die Zeiger der beidseitigen Turmuhren in Gang hält. Auf alten Stichen, welche die Stadt um 1700 herum zeigen, könne man sowohl am Bärenturm, wie auch am Wasenturm bereits Uhren erkennen, dies im Gegensatz zur Kirche St. Martin, deren Turm damals noch uhrenlos in den Himmel ragte.

Den Abschluss des Rundgangs bildete die Besichtigung des Schwertlisturms, wo Stadtführer Hansruedi Basler Details zu dessen Geschichte erläuterte. Nachdem die Stadt immer mehr über die ursprüngliche Stadtmauer hinauswuchs, meldete auch die ausserhalb der Stadtmauer angesiedelte Bevölkerung ihre Bedürfnisse nach Sicherheit an. So habe man um 1270 die Stadtmauer erweitert und den Schwertlisturm gebaut.

Dort kann man noch heute beidseits die Ansätze der ehemaligen Stadtmauer erkennen. Das Besondere an diesem Turm ist die Anordnung zur Stadtmauer, ragt doch der Turm über die Mauer hinaus und bot dadurch beste Beobachtungs- aber auch Verteidigungsmöglichkeiten. In diversen kriegerischen Ereignissen wurde der Turm teils massiv beschädigt und musste deshalb 1581, also zur gleichen Zeit wie der Wasenturm, wieder neu aufgebaut werden.

Schwertlisturm ist heute eine Trafostation

Der Schwertlisturm wurde viele Jahre ebenfalls als Gefängnis genutzt. So sass dort der Schwarzwälder Hauptmann Hans Müller ein und wurde geköpft. Letztmals wurde im Jahr 1806 mit dem aus Mettau stammenden Johann Gränacher ein Insasse des Turmes hingerichtet. Heute dient das Innere des Turms der Elektrizitätsversorgung als Trafostation und ist nicht mehr begehbar.

Ursprünglich stand auf der Turmspitze eine geköpfte Figur. Man wollte damit leichtfertigen Gesellen zeigen, dass man in dieser Stadt ein scharfes Blutgericht kennt. Plötzlich schlug aber das Pendel auf die andere Seite: Die Figur auf dem Turm zeige, wie kopflos die Laufenburger Behörde sei, meinten Spassvögel. Die Stadtväter mochten diesen Spott nicht mehr ertragen und setzten der Figur wieder einen Kopf auf.

Mit einem Gang durch den ehemaligen Stadtgraben, der jetzt natürlich nicht mehr mit Wasser gefüllt ist, und einem Blick auf die ehemalige Stadtmauer, schloss Hansruedi Basler diesen Teil der Führung ab.

Bei Wurst, Brot und einem Bier, das von der Ortsbürgergemeinde offeriert wurde, gab es danach noch genügend Gelegenheit zum Fachsimpeln.

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