Vitaparcours
Um ein Projekt in Herznach zu stoppen, ziehen die Aargauer Jäger womöglich vors Verwaltungsgericht

Einen Vitaparcours wollen die Herznacher Ortsbürger im Wald errichten. Sie können es aber bislang nicht, weil eine Einwendung gegen das Projekt sogar bis zum Regierungsrat weitergezogen worden ist.

Hans Christof Wagner
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Die Idee der Vitaparcours ist, sich an Stationen im Wald sportlich zu betätigen.

Die Idee der Vitaparcours ist, sich an Stationen im Wald sportlich zu betätigen.

Sarah Kunz / 1. August 2018

«Der Ursprung des Projekts geht auf eine Umfrage bei den Herznacher Ortsbürgern zurück», sagt Herznachs Gemeindeschreiber Harry Wilhelm. Freies Kapital aus der Forstreserve sollte investiert werden: Ein Walderlebnispfad und ein Vitaparcours – das waren die Ideen, die am meisten Anklang fanden. Und die Ortsbürger genehmigten die Kosten in Höhe von 30'000 Franken für den Walderlebnispfad und 87'000 Franken für den Vitaparcours.

Einwendungen von drei Organisationen eingegangen

Laut Wilhelm soll der Erlebnispfad mit seinen Infotafeln in den Parcours integriert werden. Der rund zwei Kilometer lange Vitaparcours liegt zum Grossteil im Wald der Herznacher Ortsbürger. Wilhelm zufolge befindet sich der Start aber auf Densbürer Gebiet. Trotzdem sei zwischen den beiden Gemeinden ausgemacht worden, dass Herznach die Projektführerschaft innehat.

Nachdem nun der dortige Gemeinderat das Baugesuch stellte und dieses öffentlich auflag, waren nach Wilhelms Angaben Einwendungen von drei Organisationen eingegangen – von der Jagdgesellschaft Herznach, von Birdlife Aargau und von Jagd Aargau. Adrian Weber, Obmann der Jagdgesellschaft Herznach, begründet den Widerstand so:

«Der Wald wird immer mehr zum Freizeitpark und die Störungen der Wildtiere werden immer massiver.»

Ein Vitaparcours locke nur noch mehr Leute an. Sei der Wald mit Mountainbike-Fahrern, die «sich nicht an die Regeln halten», doch schon voll genug. Weber spricht von einem «24 Stunden-Betrieb», der inzwischen im Wald herrsche.

Jäger: Wir wollen nicht, dass der Wald als Sportanlage missbraucht wird

Nach der Einwenderverhandlung bewilligte der Gemeinderat Herznach das Baugesuch der Ortsbürger Anfangs 2021 und wies die Einwendungen ab – «mit Empfehlung der kantonalen Zustimmungsbehörde, deren Zustimmung auch schon vorliegt», wie Wilhelm unterstreicht.

Während sich die Herznacher Jäger und Birdlife Aargau damit begnügten, zog Jagd Aargau die Sache weiter und legte beim Rechtsdienst des Regierungsrates Beschwerde ein. Jagd Aargau-Präsident Rainer Klöti sagt:

«Gegen normale Bewegungen im Wald haben wir nichts, aber eine Sportanlage sollte der Wald nicht sein. »

Schon jetzt sei der Herznacher Forst stark mit Freizeitaktivitäten belastet. Und es gelte, die Wildtiere vor übermässigen Störungen zu schützen. Klöti hält den geplanten Vitaparcours für «unvereinbar mit der Jagd- und Waldgesetzgebung des Kantons». Der Gemeinderat Herznach habe das zu wenig beachtet und nicht sauber abgeklärt. So begründet Klöti die Beschwerde gegen die Gemeinde.

Gemeinderat Densbüren musste auch noch darüber abstimmen

Womöglich komme auch eine Einwendung gegen die jetzt auch vom Gemeinderat Densbüren erteilte Baubewilligung für den Vitaparcours in Betracht. Dass Densbüren separat zustimmen muss, war laut Klöti vom kantonalen Rechtsdienst selbst gefordert worden. Die Projektführerschaft auf Herznach zu übertragen, sei formell nicht korrekt gewesen.

In der Staatskanzlei will man zum Verfahren keine Stellung nehmen. Regierungssprecher Peter Buri aber bestätigt: «Das Beschwerdeverfahren ist beim Rechtsdienst des Regierungsrates hängig. Das Genehmigungsverfahren ist aktuell sistiert.»

Wie Jagd Aargau mit einer möglichen Ablehnung der Beschwerde umgeht, ist für Klöti offen. Infrage käme, die Sache vors Verwaltungsgericht weiterzuziehen.

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