Bildung

Unterricht ohne Druck: Privatschule im Fricktal geplant

Wollen im Fricktal eine Privatschule gründen: Nicole Käser (v.l.), Nicole Jehle, Corina Siegrist, Stefanie Walder.

Wollen im Fricktal eine Privatschule gründen: Nicole Käser (v.l.), Nicole Jehle, Corina Siegrist, Stefanie Walder.

Vier Lehrerinnen wollen im nächsten Jahr die Wirkstadt-Schule eröffnen – der Unterricht soll individuell gestaltet sein. Laisser-faire soll es aber nicht geben.

Es ist ihr grosser Traum: Vier Lehrerinnen aus dem Fricktal wollen zusammen eine Privatschule gründen. Die Idee sei in den letzten Jahren gereift, sagt Stefanie Walder. «Nun ist es Zeit, Pflöcke einzuschlagen.»

Diese Pflöcke sollen im oberen Fricktal verankert werden. Wo genau, ist noch offen. «Wir sind derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Objekt», sagt Nicole Jehle. Dies kann ein leer stehendes Haus sein, aber auch eine freie Schul- oder Gewerbefläche. «Wichtig ist, dass das Objekt über viel Umschwung verfügt.»

Parallel dazu erarbeiten die vier Frauen, die als Kindergarten- und Primarschullehrerinnen tätig sind, das Schulkonzept. Erste Gespräche mit dem Kanton, der die Schule noch bewilligen muss, haben stattgefunden. Die Lehrerinnen hoffen, dass sie die Unterlagen bis im Herbst beisammen haben und dass der Kanton Anfang 2021 grünes Licht für die Tagesschule gibt. Den Schulbetrieb aufnehmen möchten die Fricktalerinnen im Sommer 2021. Eine gute Startgrösse wären 20 Schüler, sagt Corina Siegrist, lacht. «Aber es dürfen sehr gerne auch mehr sein.»

Wenn man mit den vier Lehrerinnen, die zwischen 30 und 38 Jahre alt sind, spricht, spürt man das Feuer, das sie in ihnen lodert – für das Lehrerinnen-­Sein wie für das Schulprojekt. Für die vier ist denn auch klar, dass die Schule, die «Wirkstadt» heissen soll, die Bedürfnisse der heutigen Gesellschaft trifft und eine Bereicherung für die Schullandschaft wird.

Mit der Volksschule ­zusammenarbeiten

«Wir bieten ein anderes Lernkonzept als die Volksschule», sagt Nicole Käser, schiebt sogleich nach: «Wir verstehen uns aber nicht als Konkurrenz zur Volksschule, sondern als Alternative.» Man wolle mit der Volksschule auch zusammenarbeiten, ergänzt Walder und verweist auf ähnlich gelagerte Privatschulkonzepte, «die stark nachgefragt werden».

Das Konzept basiert auf einem druckfreien, individuellen Lernen. «Wir wollen jedes Kind dort abholen, wo es gerade steht, und wo seine Interessen liegen. Nur wenn Kinder eine Relevanz für das aktuelle Leben herstellen können, gelingt Lernen nachhaltig», sagt Jehle und Siegrist weiss aus Erfahrung: «Jedes Kind will von sich aus lernen.» Allerdings sei der Zeitpunkt, wann und wie es etwas lerne, unterschiedlich. «Darauf nehmen wir Rücksicht», so Walder. Das Kind kann so über Stoff und Unterrichtstempo mitbestimmen, was wesentlich ist, um die Lernfreude aufrechtzuerhalten. «Wir sehen uns als Begleiterinnen auf diesem Weg», sagt Käser. Man lasse zwar viel Raum, setze aber auch auf klare Regeln. «Ein Laisser-faire wird es nicht geben», sagt Walder.

Ein wichtiger Pfeiler ist für die vier Schulgründerinnen der Gemeinschaftsgedanke. «Wir verstehen uns als eine Art Familie», sagt Jehle. Unterrichtet werden soll denn auch altersdurchmischt. «So können die Kinder gegenseitig voneinander profitieren.» Zum ganzheitlichen Ansatz gehört für die Lehrerinnen auch, dass sie mit den Kindern viel draussen sein wollen. «Mindestens ein Tag pro Woche wollen wir in der Natur unterrichten», sagt Walder.

Bis es soweit ist, sind noch einige Hürden zu nehmen und Arbeiten zu erledigen. Ein erster grosser Schritt wird ein Informationsabend sein. Dieser hätte am 23. April stattfinden sollen, muss aber nun coronabedingt verschoben werden. Sobald der Termin dafür feststeht, wird dieser auf www.wirkstadt-schule.ch publiziert.

Förderverein soll Eltern finanziell unterstützen

Am Infoabend wollen die vier das Konzept vorstellen und gleichzeitig einen Förderverein gründen. Dieser soll nicht nur sie beim Aufbau der Schule unterstützen, sondern vor allem auch Eltern, die nicht so viel Geld haben. «Uns ist wichtig, dass jedes Kind unsere Schule besuchen kann», sagt Siegrist. Ein Besuch der Wirkstadt-Schule dürfe nicht am Geld scheitern. «Wem unser pädagogisches Konzept zusagt, soll sein Kind zu uns schicken können.»

Es sei eine intensive Zeit, sagen die vier übereinstimmend. «Das Projekt braucht viel Energie, setzt aber noch viel mehr Energie frei», meint Käser und Jehle fügt hinzu: «Es ist auch ein grosses Lernfeld für uns.» Sie seien «absolut im Flow», bringt es Walder auf den Punkt. «Wir haben lange davon geredet. Jetzt machen wir es.»

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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