Aargauer Grenzregion
Hoffen auf eine Spur: «Aktenzeichen XY» greift zwei Vermisstenfälle auf, die mit der Region Südbaden in Verbindung stehen

Yolanda Klug aus Steinen nahe der Schweizer Grenze wird in ­Leipzig vermisst. Scarlett aus Nordrhein-Westfalen wurde zuletzt beim Wandern im Südschwarzwald gesehen. Beide Frauen sind seitdem verschwunden. Jetzt hoffen Fahnder und private Suchgruppen, dass die Ausstrahlung der TV-Sendung zu konkreten Hinweisen führt.

Verena Wehrle
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Eine Szene aus den Filmaufnahmen in Todtmoos: Die Darstellerin der Scarlett verlässt ihre Unterkunft und grüsst zwei Wanderer.

Eine Szene aus den Filmaufnahmen in Todtmoos: Die Darstellerin der Scarlett verlässt ihre Unterkunft und grüsst zwei Wanderer.

Andreas Böhm

Die damals 26-jährige Scarlett verschwand am 10. September 2020 vermutlich in der Nähe des Schluchtensteigs. Die Ermittlungen in dem Vermisstenfall blieben bis heute erfolglos. Am Mittwoch um 20.15 Uhr wird die ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY» dazu ausgestrahlt. Sie soll zu neuen Erkenntnissen führen.

Während Scarlett aus Nordrhein-Westfalen im Südschwarzwald verschwand, ist Yolanda Klug aus Steinen im Wiesental ein Jahr zuvor in Leipzig spurlos verschwunden. Auch die Suche nach ihr wird am Mittwoch in der Sondersendung zu ungeklärten Vermisstenfällen gezeigt.

Private Suchgruppen durchkämmen das Gebiet

Über den Vermisstenfall von Scarlett, die im September 2020 im Schwarzwald vermisst wurde, konnte man in der Region viel lesen. Die damals 26-Jährige wurde am 10. September 2020 zuletzt in Todtmoos gesehen. Offenbar wollte die junge Frau die 22 Kilometer lange letzte Etappe des Schluchtensteigs bis nach Wehr wandern. Doch dort kam sie wohl nie an, ihre Spur verliert sich in Todtmoos.

Aushang am Schmidt’s Markt in Todtmoos: Das Plakat mit dem Hinweis auf die vermisste Wanderin hängt hier noch immer.

Aushang am Schmidt’s Markt in Todtmoos: Das Plakat mit dem Hinweis auf die vermisste Wanderin hängt hier noch immer.

Aargauer Zeitung

Seitdem sucht nicht nur die Polizei intensiv nach der jungen Frau, sondern noch heute durchkämmen immer wieder private Suchgruppen das Gebiet rund um den Schluchtensteig. Auch mit Aktionen, etwa mit bemalten Steinen, möchten sie auf den Fall aufmerksam machen. Dahinter steht unter anderem die Facebook-Gruppe «Bitte findet Scarlett».

Hoffnung auf entscheidende Hinweise

Die Gruppe, unter der sich auch Bekannte und Familienmitglieder der Vermissten befinden, hatte schon vor langer Zeit das ZDF kontaktiert mit der Bitte um eine Ausstrahlung des Vermisstenfalls. Mit Druck aus der Familie habe die Staatsanwaltschaft dann doch noch grünes Licht gegeben.

Patricia Lindinger von der Facebook-Gruppe ist froh, dass es nun endlich zur Ausstrahlung kommt. Sie sagt:

«Wir haben grosse Hoffnung.»

Aufgrund der Reichweite von «XY» könne es gelingen, doch noch Menschen zu erreichen, die bisher noch nichts von Scarletts Verschwinden mitbekommen hätten und vielleicht entscheidende Hinweise geben könnten. Die Chance stehe 50 zu 50.

Der Fall Yolanda Klug aus Steinen

Während man vom Vermisstenfall Scarlett in der Region viel hörte, war von Yolanda Klug kaum etwas zu hören. Denn die damals 23-Jährige stammt zwar aus Steinen im Wiesental und auch ihre Familie lebt noch dort. Die junge Frau studierte aber in Leipzig, wo sie seit dem 25. September 2019 auch als vermisst gilt, wie die Polizei Sachsen mitteilt.

Mit diesem Foto fahndet die Polizei Sachsen nach Yolanda Klug aus Steinen.

Mit diesem Foto fahndet die Polizei Sachsen nach Yolanda Klug aus Steinen.

zvg

An diesem Tag habe sie um 14.15 Uhr ihre Wohngemeinschaft in Leipzig verlassen, um zu einem Möbelcenter zu fahren, so die Polizei Sachsen in ihrem Fahndungsaufruf. «Zuletzt hatte sie ein Zeuge in der betreffenden Buslinie dorthin kurz vor ihrem Aussteigen gesehen», schreibt die Polizei Sachsen. Eine genaue Personenbeschreibung und Bilder der Vermissten hat sie noch immer aufgeschaltet.

Danach verliere sich ihre Spur. Bekannt sei, dass sie sich danach mit einer Freundin treffen wollte, um gemeinsam zur Burg Giebichenstein nach Halle zu fahren. Sie hätten dort zusammen eine Hochschulveranstaltung besuchen wollen, so die Polizei. Doch zu dem Treffen sei es nie gekommen.

Wiederkehrende, unvorhersehbare Ohnmachtsanfälle

Die Vermisste habe sich nicht bei ihrer Freundin gemeldet und kam auch nicht zur WG zurück. Noch heute sucht die Polizei Sachsen nach der jungen Frau. Wie sie mitteilt, leidet diese an wiederkehrenden, unvorhersehbaren Ohnmachtsanfällen. Ein Zusammenhang hierzu mit ihrem Verschwinden ist laut Polizei mittlerweile aber unwahrscheinlich. «Möglicherweise ist Yolanda Opfer eines Verbrechens geworden, auch ein Verschwinden aus eigenem Antrieb lässt sich nicht ausschliessen», so die Polizei Sachsen.