Fricktal

Trotz Quarantäne-Hammer: Der Einkaufstourismus zeigt sich immun gegen Corona

Auch in Coronazeiten floriert der Einkaufstourismus.

Auch in Coronazeiten floriert der Einkaufstourismus.

Die Ausweitung der Risikoliste und steigende Fallzahlen schrecken Fricktaler nicht vor dem Einkauf im Ausland ab. Polizei und Grenzwacht verstärken ihre Einsätze aber deshalb nicht.

Deutschland hat den Quarantäne-Hammer ausgepackt. Zehn weitere Kantone stehen auf der Risikoliste des grossen Nachbarn – der Aargau bleibt (noch) verschont. Bedeutet: Wer aus einem «Risiko»-Kanton nach Deutschland einreist, muss sich dort – unter Vorbehalt eines negativen Tests – in Quarantäne begeben. Doch per Verordnung erlaubt Baden-Württemberg eine Umgehung der Quarantäne für Einreisende, die sich kürzer als 24 Stunden im Gebiet aufhalten. Heisst: Der Einkaufstourismus ist für Fricktaler auch dann möglich, wenn der Aargau auf der Risikoliste landen sollte.

Keinerlei Veränderungen

Doch wie ist es derzeit um den Einkaufstourismus bestellt? Schreckt das steigende Infektionsgeschehen und die Ausweitung der Risikoliste die Fricktaler davon ab, sich in den deutschen Supermärkten in Bad Säckingen, Laufenburg und Rheinfelden einzudecken? Oder kommt es allenfalls wieder vermehrt zu Hamsterkäufen? Die AZ hat nachgefragt.

«Wir sehen aktuell keinerlei Veränderungen des Einkaufsverhaltens unserer Kunden, auch nicht im Schweizer Grenzgebiet», sagt Rewe-Sprecher Raimund Esser. In den Rewe-Supermärkten – vertreten mit Filialen in den Grenzstädten Laufenburg und Bad Säckingen, – würde es derzeit keine Hamsterkäufe geben. Ähnlich tönt es bei Kaufland, die in Bad Säckingen und Rheinfelden Supermärkte betreiben. So sei «kein verändertes Einkaufsverhalten in den Filialen der Grenzregionen zu beobachten», wie Sprecherin Alisa Götzinger sagt.

Weisswürste aus der Dose werden gekauft

Augenschein, Montagnachmittag auf dem Brennet-Park in Bad Säckingen, der als ein Mekka des Fricktaler Einkaufstourismus gilt. Der Parkplatz ist gut gefüllt. Viele Fahrzeuge mit AG-Kennzeichen sind zu sehen. So auch jenes eines älteren Pärchens. Sie laden gerade die Waren aus dem gut gefüllten Einkaufswagen in den Kofferraum. «Hier bekommen wir vieles, das es in der Schweiz nicht gibt», sagt der im Aargau lebende Deutsche mit bayrischem Akzent und zeigt auf die Dose mit den Weisswürsten.

Kurze Zeit später schiebt ein junger Mann einen Wagen mit Hygieneartikeln – Duschgel, Shampoo, Rasierschaum, Toilettenpapier und Haargel – zu seinem Auto. Aus Stein komme er und sei an seinem freien Tag schnell über die Grenze gefahren, weil die Hygieneartikel hier um einiges günstiger seien – und man ja jetzt bei Migros oder Coop auch eine Maske tragen müsse. «Das war bis jetzt der einzige Vorteil in der Schweiz beim Einkaufen», sagt er, bevor er einsteigt und seinen grünen Ausfuhrschein ausfüllt.

Auch die Frau aus Herznach mit dem Kind an der Hand sieht keinen Grund, weshalb sie ihre Lebensmittel nicht in Deutschland kaufen sollte. «Anstecken kann man sich überall», sagt sie. «Ausserdem sind wir eine vierköpfige Familie, da spart man locker um die 500 Franken pro Monat, wenn man in Deutschland einkauft», schiebt sie nach.

Grenzwacht und Polizei fahren keine Extra-Schicht

Zwar steht die deutsche Bundespolizei zuweilen an den Grenzübergängen im Rahmen der «gewöhnlichen Binnenfahndung», sagt Sprecherin Katharina Kessler. Gezielt Ausschau nach Einreisenden aus «Risiko»-Kantonen hält sie jedoch nicht. Aber: «Sollte sich bei einer Kontrolle herausstellen, dass sich ein Einreisender aus einem Risikogebiet einer allfälligen Quarantäne verweigern will, melden wir seine Personalien dem Gesundheitsamt.»

Im Übrigen kontrolliert das Schweizer Grenzwachtkorps bei der Rückreise nicht, ob eine allfällige Quarantäne in Deutschland umgangen wurde. «Es ist Sache der deutschen Behörden das zu kontrollieren», so Simon Erny, Sprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung.

Autor

Dennis Kalt

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