Tourismus
Buchungen satt: Die Fricktaler «Bed and Breakfast»-Betreiber merken nichts mehr von Corona

An den Fricktaler «Bed and Breakfast»-Betrieben ist die Krise nicht spurlos vorbeigegangen. Aber sie konnten die pandemiebedingten Einbrüche abfedern. Die noch fehlenden Auslandsgäste macht aktuell die hohe Nachfrage aus dem Inland wett. Für die Zukunft sehen die Betreiber ihr Modell der Beherbergung im Trend.

Hans Christof Wagner
Drucken
Teilen
Jacqueline Boschung vermietet «Bed and Breakfast»-Zimmer im Silo des stillgelegten Eisenbergwerks Herznach.

Jacqueline Boschung vermietet «Bed and Breakfast»-Zimmer im Silo des stillgelegten Eisenbergwerks Herznach.

Foto: Hans Christof Wagner

Klar, es war ein Wagnis. Am 1. Februar dieses Jahres – also noch mitten im zweiten Coronalockdown – hat Nathalie Wermeille in Rheinfelden das Guesthouse Ambrosia eröffnet. Und das, obwohl die Pandemie den Tourismus in eine tiefe Krise gestürzt hatte. Anfangs war sie denn auch unsicher: Unternehmensgründung in der Pandemie? Heute sagt sie:

«Unsere anfänglichen Sorgen und Zweifel waren unbegründet. Schon im März konnten wir uns über eine Auslastung von 65 Prozent freuen. Im April und Mai stieg sie dann auf 91 Prozent.»

Auch für den Hochsommer und den Herbst sehe es «bombig» aus. Sie merke von Corona nichts mehr, sagt Wermeille.

Die Holländer und Belgier fehlen noch

Einer, der «Bed and Breakfast», kurz: BNB, schon länger anbietet, ist Dave Holm. Drei Zimmer vermietet der aus New York City Stammende seit 2017 in Obermumpf. Doch auch für ihn liegen die coronabedingten Einbrüche 2020 schon wieder weit zurück.

Zwar seien die Auslandsgäste, viele davon aus den Niederlanden und Belgien und vor Corona oft bei ihm, noch nicht zurück. Dennoch sagt er: «Es läuft wieder.» Unter der Woche kämen die Geschäftsreisenden und Handwerker. An den Wochenenden seien es Wanderer und Durchreisende.

Velo-Fahrer auf der Route Vert kommen durch Herznach

Auch Jacqueline Boschung, die im Silo des früheren Eisenbergwerks Herznach BNB-Zimmer anbietet, blickt nach schweren Zeiten im ersten Lockdown wieder positiv nach vorne. Nach der aktuellen Auslastung befragt, teilt sie mit: «Erfreulich gut. Die Velo-Saison ist angelaufen und wir dürfen immer wieder Gäste begrüssen, die auf der Route Verte unterwegs sind.»

Schon ab Frühling, gleich mit den ersten Lockerungen, habe es mit den Buchungen wieder angezogen, so Boschung. Was an Auslandsgästen fehlt, machen Inlandsgäste wett. Boschungs Eindruck ist denn auch:

«Statt eines Kurztrips nach London oder Mallorca wird gerne wieder die Schweiz bereist. Die Leute nehmen ihr Land stärker wahr und lernen es neu zu schätzen.»

Ralph Werthmüller und Martin Kündig betreiben in Wegenstetten das «Bespoke Bed Guestroom». Sie sagen: «Auch wir haben das Gefühl, dass die Pandemie sich bei uns eher positiv ausgewirkt hat.»

Nathalie Wermeille weiss aus Rückmeldungen ihrer Schweizer Gäste, dass viele davon das Fricktal zum ersten Mal erlebten und begeistert seien.

Familiär und unkompliziert

Nun ist Rheinfelden ein Sonderfall, weil dort die drei grossen Hotels der Stadt momentan keine Zimmer auf dem Markt anbieten können. Doch Wermeille ist vor der Zeit nach deren Wiedereröffnung nicht bange. Denn das BNB-Klientel wähle diese Form der Unterkunft gezielt. «Familiär, unkompliziert und bei mir in einer ganz speziellen Unterkunft» – so fasst Boschung BNB zusammen. Auch Ralph Werthmüller sagt:

«BNB ist viel authentischer und persönlicher als Hotels oder kommerzielle Ferienwohnungen.»

Wer es wähle, suche keinen Luxus, sondern den «besonderen Charme im privaten Umfeld.» Als «Weltenbummler» sei das auch die von ihm und Partner Kündig persönlich bevorzugte Art zu reisen. Aber als ein Business, um davon zu leben, sehen sie ihr «Projekt», wie sie es nennen, nicht.

Auch Nathalie Wermeille hat anfangs gedacht, das Ambrosia laufe nebenher zu ihrem Hauptjob im Bereich Consulting. Jetzt ist klar: «BNB bedeutet mehr Arbeit als erwartet, aber es macht mega Spass.»

Aktuelle Nachrichten