Tierschutz
Das «Igelmami» aus Obermumpf appelliert: «Mähen Sie im Garten nicht immer alles raspelkurz»

Für den Gartenbesitzer sind sie praktisch, für den Igel der leise Tod auf Rädern: Mähroboter. Immer wieder werden die Stacheltiere davon verletzt, gerade wenn die Geräte abends und nachts losgeschickt werden. Dann sind die Igel auf Nahrungssuche – und weil sie keine Fluchttiere sind, kann die Begegnung mit den Robotern fatale Folgen haben. Eva Frei kennt das Problem.

Hans Christof Wagner
Drucken
Teilen
Eva Frei betreibt in Obermumpf eine Igelsäuglingsaufzuchtstation.

Eva Frei betreibt in Obermumpf eine Igelsäuglingsaufzuchtstation.

hcw (13. August 2020)

Mähroboter sind bequem für den Gartenbesitzer, aber tückisch für die Tiere: «Nähert sich ein Mähroboter, harren Igel aus, warten ab und rollen sich zusammen», erklärt «Igelmami» Eva Frei. Dann sind sie ein leichtes Opfer der Geräte, werden von ihnen überfahren oder verletzten sich an deren rotierenden Messern mitunter schwer oder gar tödlich.

Frei kümmert sich in Obermumpf schon seit sechs Jahren um den Igelnachwuchs. In ihrer Aufzuchtstation hat sie den Säugling ebenso in ihrer Obhut wie den «Teenager», der kurz vor der Auswilderung steht.

Eva Frei füttert einen Igelsäugling mit der Pipette – aufgenommen im August 2020.

Hans Christof Wagner

Sechs Jahre Erfahrung – so kann Frei den Vergleich ziehen. Sie sagt: «Das Problem mit den Mährobotern ist grösser geworden. Deren Zahl hat sich erhöht, auch weil die Geräte immer günstiger geworden sind.»

Vor allem die Jungtiere mit ihrer kleineren Statur, die von den Sensoren der Apparate oft nicht erkannt werden, seien deren Opfer. 2020 habe sie mehrere durch Mähroboter verletzte Tiere gesund gepflegt. Frei erzählt:

«Gerade die ‹Teenager›-Igel gehen oft auch allein auf Erkundungstour ausserhalb des Nests und geraten so in Gefahr.»

Frei appelliert an die Gartenbesitzer: Sie sollten Mähroboter nur tagsüber, wenn die Igel in ihrem Unterschlupf schlafen, und nur unter Aufsicht laufen lassen.

Auch um solche Winzlinge kümmert sich Eva Frei.

Auch um solche Winzlinge kümmert sich Eva Frei.

zvg

Auch Fadenschneider und Elektrosensen sind gefährlich

Aber neben den automatischen Rasenmähern gebe es noch weitere elektrische Gartengeräte, die dem Igel gefährlich werden können: Fadenschneider und Elektrosensen für das hohe Gras. Denn darin versteckt richten Igelmütter oft ihre Nester für den Nachwuchs ein, der seit dem Mai und noch bis September zur Welt kommt.

Die unter Zweigen und Blättern liegenden Nester auszumachen, falle oft schwer, sagt Frei. Dennoch empfiehlt die Obermumpfer Igelbetreuerin, die Mähfläche vor dem Geräteeinsatz gründlich danach abzusuchen: «Lieber zehn Minuten mehr investieren, als eine Igelfamilie verletzen oder töten», rät sie.

Igel suchen Grünflächen nach Nahrung ab.

Igel suchen Grünflächen nach Nahrung ab.

zvg

Mähroboter, Fadenschneider und Elektrosensen – für Frei sind das alles Gefahrenquellen für Igel: Aber das Hauptproblem der Tiere sieht sie woanders – im schwindenden Nahrungsangebot der Igel, die Bodeninsekten aller Art fressen. Wobei es für Frei da auch einen Zusammenhang gibt: Auf den durch Mähroboter und Co. raspelkurz geschnittenen Gartenflächen fänden diese Insekten keinen geeigneten Lebensraum.

Bewusst eine Ecke verwildern lassen

So bittet Frei die Gartenbesitzer, auch mal bewusst eine Ecke verwildern und Laub in den Rabatten verrotten zu lassen. Dann kommen die Spinnen, Käfer und Würmer von ganz allein zurück. Und das nütze nicht nur den Igeln, nein: «Man hat auch keine Arbeit damit.» Aber: «Aushalten muss man es», sagt Eva Frei.

Aktuelle Nachrichten