Oberstufe
Talgemeinen sprechen sich für die Schulfusion Frick-Gipf-Oberfrick aus

Auch der Gemeinderat Oberhof favorisiert die Zusammenlegung – persönlich sieht es der Ammann anders.

Thomas Wehrli
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Für das Oberstufenschulhaus in Gipf-Oberfrick sind die Schülerzahlen derzeit nur knapp genügend. twe/Archiv

Für das Oberstufenschulhaus in Gipf-Oberfrick sind die Schülerzahlen derzeit nur knapp genügend. twe/Archiv

Thomas Wehrli

Der Gemeinderat von wird an der Gemeindeversammlung Ende Juni beantragen, die Oberstufe mit jener von Frick zusammenzulegen; die Schulleitung soll Frick innehaben, das Oberstufenschulhaus in Gipf-Oberfrick soll als Aussenstandort weiter genutzt werden. Dies hat die az Ende letzter Woche publik gemacht.

Damit präferiert der Gemeinderat dieselbe Lösung wie vor zwei Jahren. Damals stoppte die IG «Pro Oberstufe Gipf-Oberfrick» das Projekt mit ihrem Antrag an der Gemeindeversammlung, es seien auch Varianten zu prüfen, bei denen die Oberstufe selbstständig bleibt. Der Antrag wurde klar überwiesen.

Der Gemeinderat hat daraufhin fünf Varianten geprüft und kommt nun zum Schluss, dass der Zusammenschluss gleichwohl die beste Option ist. Das sah die IG damals anders – und sie tut es auch heute noch. Sie lehnt den Vorschlag ab und will, dass der Gemeinderat eine andere Gemeinde an Bord holt. Denn, so die IG, wenn nur eine weitere Gemeinde ihre Schüler nach Gipf-Oberfrick schickt, ist das Erreichen der Mindestschülerzahl kein Thema mehr und die Schule gerettet.

Das bedingt allerdings, dass die drei Gemeinden, die ihre Real- und Sekschüler heute nach Gipf-Oberfrick schicken, dies auch weiterhin tun wollen. Und das ist nicht sicher. An der letzten Talschaftssitzung bekräftigten die Gemeinderäte von Wittnau, Wölflinswil und Oberhof laut einer Aktennotiz, dass sie für die Lösung Frick einstehen und ein Abwerben von Schülern in anderen Gemeinden ablehnen.

Auf Anfrage bestätigen die Ammänner der drei Gemeinden diese Notiz. Köbi Brem, Ammann von Wölflinswil, will eine «zukunftsorientierte, stabile und langfristig planbare» Lösung. Diese sieht er in einer gemeinsamen Oberstufe eher gegeben. Auch Werner Müller, Ammann von Wittnau, hält den Zusammenschluss für die beste Lösung. Die Idee der IG, eine andere Gemeinde an Bord zu holen, hält Brem – wie auch der Gemeinderat von Gipf-Oberfrick – «für wenig realistisch». Und selbst mit einer Gemeinde mehr bleibe die Schule klein – «und das Risiko, dass die Schule schliessen müsse, bleibt bestehen». Für Müller ist es zudem «schlechter Stil», einer anderen Schule Schüler abzuwerben.

Köbi Brem, Gemeindeammann Wölflinswil

Köbi Brem, Gemeindeammann Wölflinswil

AZ

Nicht gewillt, Mehrkosten zu tragen

Beide, Müller wie Brem, begreifen die Aufregung der IG nicht ganz. «Der Standort Gipf-Oberfrick bleibt doch erhalten und wird sogar gestärkt», sagt Müller und Brem weiss aus «vielen Gesprächen» im Dorf: «Den Eltern ist es egal, ob die Schule unter der Leitung von Frick oder Gipf-Oberfrick steht.» Ihnen sei wichtig, dass die Qualität stimme. «Und die stimmt auch in Frick.» Das zeige die Bezirksschule, welche die Schüler der Talgemeinden bereits heute besuchten. Für Müller lässt sich die Qualität zudem nicht an der Schulgrösse festmachen, sondern an der Schulleitung und am einzelnen Klassenlehrer.

Brem spricht von «einer künstlich erzwungenen Lösung», wenn man Gipf-Oberfrick um jeden Preis eigenständig halten wolle. Und er macht klar: «Wir sind nicht gewillt, Mehrkosten zu tragen.» Findet man keine Lösung, die langfristig funktionieren kann, ist es für Brem «eine Option», den Schulvertrag aufzulösen und nach Frick zu gehen. Auch für Müller ist der Vertrag nicht sakrosankt.

Den Vorwurf der IG, dies sei nur die Meinung der Gemeinderäte, nicht aber des Volkes, lassen Müller wie Brem nur bedingt gelten. Es habe zwar nie eine Befragung gegeben, räumen beide ein. Man habe aber an Gemeindeversammlungen über den beabsichtigten Zusammenschluss orientiert, sagt Müller. «Opposition kam keine.»

Opposition kommt dafür von Roger Fricker, Ammann von Oberhof. Der Gesamtgemeinderat befürworte die Variante Frick, hält er fest. Er persönlich sah es bereits 2015 anders – und bleibt dabei. «Eine kleinere Schule kann individueller auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen.» Auch das Kostenargument lässt er nicht gelten. «Das Schulgeld in Gipf-Oberfrick ist heute sogar leicht niedriger als jenes in Frick.» Er befürchtet zudem, dass das «massive Wachstum» von Frick mittelfristig neue Schulbauten «und damit höhere Schulgelder» nach sich zieht.

Roger Fricker fehlen die Fakten

Fricker ist nicht per se gegen einen Zusammenschluss der Schulen; er will eine kostengünstige und pädagogisch sinnvolle Lösung für seine Schüler. Nur: Ob der Zusammenschluss die beste Lösung sei, «kann ich heute schlicht nicht beurteilen. Dazu fehlen mir die Fakten.» Er findet es denn auch «eine verpasste Chance», dass man nicht alle Varianten vertieft prüfe, sondern die Schiene Zusammenschluss fahre.

Roger Fricker, Gemeindeammann Oberhof

Roger Fricker, Gemeindeammann Oberhof

AZ

Auch Fricker hat seine Stimmberechtigten noch nie gefragt, was sie wollen. «Aber wie sollte ich das auch tun? Anhand von Annahmen? Mit fehlen die Fakten, etwa, welche Auswirkungen das prognostizierte Wachstum von Frick auf die Schule hat.»

Eine Wette bietet Fricker indes an: «Dass das Schulgeld in Frick durch das Bevölkerungswachstum steigen wird.» Top, die Wette gilt.