Stein/Rheinfelden
«Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen»: So gross sind Freude und Enttäuschung im Fricktal nach dem Entscheid zur Mittelschule

Der Grosse Rat hat entschieden: Die Fricktaler Mittelschule kommt – und sie wird in Stein gebaut. Entsprechend zeigt sich der Steiner Gemeindeammann Beat Käser überglücklich über den Entscheid. Sein Rheinfelder Amtskollege Franco Mazzi hingegen reagiert enttäuscht.

Thomas Wehrli
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Stein hat sich durchgesetzt: Hier wird die Fricktaler Mittelschule gebaut und ab 2029 in Betrieb gehen.

Stein hat sich durchgesetzt: Hier wird die Fricktaler Mittelschule gebaut und ab 2029 in Betrieb gehen.

zVg

Die Mittelschule Fricktal wird in Stein und nicht in Rheinfelden gebaut. Das hat der Grosse Rat am Dienstag nach einer engagierten Debatte – an der, wenig verwunderlich, viele Grossrätinnen und Grossräte aus dem Fricktal am Mikrofon auftauchten – entschieden.

Nachdem der Minderheitsantrag aus der Kommission Allgemeine Verwaltung, Rheinfelden statt Stein als Mittelschulstandort im Schulgesetz zu verankern, keine Chance hatte (er wurde mit 81:48 Stimmen abgelehnt), war der Weg für Stein frei: In der Schlussabstimmung stellten sich alle Grossrätinnen und Grossräte hinter das Geschäft.

Gemeindeammann von Stein überglücklich

Beat Käser, Gemeindeammann von Stein, wirkt gelöst, als er nach dem Entscheid für Stein mit der AZ telefoniert. «Ich fühle mich fantastisch», sagt er und schiebt nach: «Ein grossartiger Tag.» Käser, selber FDP-Grossrat, reiste am Dienstag mit gemischten Gefühlen nach Aarau.

Einerseits war er zuversichtlich – auch aufgrund der Anhörung und der klaren Position der Regierung, die sich für Stein aussprach. Doch als Politiker weiss er eben auch: Es kann immer etwas passieren, es kann immer anders kommen, als man denkt. «Es ist eine politische Abstimmung – und die ist nicht berechenbar.»

Der Steiner Ammann und FDP-Grossrat Beat Käser.

Der Steiner Ammann und FDP-Grossrat Beat Käser.

Benibasler.com

Und als der Minderheitsantrag abgelehnt wurde? «Da war ich erleichtert», sagt er und fügt mit einem Schmunzeln an:

«Als Steiner kann ich da schon sagen: Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen.»

Der Entscheid sei gut für die Gemeinde – und ihr Gewerbe. «Von der Mittelschule wird das lokale Gewerbe profitieren», ist er überzeugt. Zudem sei er ein gutes Argument dafür, dass die beiden Grossverteiler Coop und Migros in Stein bleiben. Käser ist überzeugt: «Es wird auch Synergien mit den internationalen Pharmakonzernen geben.»

Ihm ist wichtig, all jenen, die auf der Verwaltung und im Hintergrund für den Standort Stein gekämpft haben, Danke zu sagen. «Sie haben zum Erfolg beigetragen.»

Stadtammann von Rheinfelden enttäuscht

Auf der anderen Seite der Gefühlsskala ist Franco Mazzi, Stadtammann von Rheinfelden. Der ehemalige FDP-Grossrat reiste am Dienstag ebenfalls nach Aarau, um die Debatte live zu verfolgen. Er habe nach der Anhörung gewusst, dass Rheinfelden von Platz zwei aus startet und dies nicht einfach werde.

Rheinfelden geht mit dem Standort Engerfeld leer aus.

Rheinfelden geht mit dem Standort Engerfeld leer aus.

zVg

Er habe aber bis zuletzt gehofft, dass der Grosse Rat anders entscheidet. Denn: «Der Bau einer Schule darf kein regionalpolitischer Entscheid sein und auch keine Standortförderungsmassnahe.» Es müsse ein Sachentscheid sein, der den Nutzern diene, also den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrpersonen.

Der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi.

Der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi.

Sandra Ardizzone / FRI

Dies ist der gestrige Standortentscheid für Mazzi nicht. Er sagt mit Blick auf das Haupteinzugsgebiet rund um Rheinfelden:

«Jetzt geht die Schule nicht zu den Leuten, sondern die Leute gehen zur Schule.»

Sein Fazit zum gestrigen Tag: «Es gab eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist, dass das Fricktal eine Mittelschule bekommt. Die schlechte, dass sie am falschen Ort gebaut wird.» Man könne nun einfach hoffen, dass es zumindest eine schöne Schule werde.

Gemeindeammann von Frick gratuliert

Apropos Ort: War da nicht noch wer? Doch, mit Frick war noch ein dritter Standort im Rennen um die Standortgunst. Nachdem sich allerdings in der Anhörung keine einzige Kantonalpartei für den Standort im oberen Fricktal ausgesprochen hatte, waren dessen Chancen, die prestige- und steuerträchtige Kanti zu bekommen, praktisch gleich null. In der Grossratsdebatte war die Fricker Bewerbung denn auch kein Thema.

Der Fricker Ammann Daniel Suter.

Der Fricker Ammann Daniel Suter.

Dennis Kalt

Das war auch der Gemeinde klar. Gemeindeammann Daniel Suter gratuliert Stein zur Mittelschule und ist überzeugt, dass mit dem Entscheid nicht nur Stein, sondern das Fricktal als Region gewonnen hat. Suter:

«Für das Fricktal ist es ein grosser Gewinn, eine eigene Mittelschule zu erhalten.»

Suter verhehlt nicht, dass Frick die Kanti gerne gehabt hätte. «Für uns war es ein Ansporn, Frick und das obere Fricktal mit unserer Bewerbung im besten Licht zu präsentieren.» Man habe für den Standort gekämpft, respektiere nun den Entscheid des Grossen Rates. Sein Appell nach der geschlagenen Schlacht: «Jetzt gilt es, die Reihen zu schliessen und sich gemeinsam für eine rasche Realisierung der neuen Schule einzusetzen.»

Die neue Kantonsschule im Fricktal wird in Stein errichtet, darüber berichtete auch TeleM1 im «Aktuell».

TeleM1

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