Laufenburg

Spital Laufenburg: die Krux mit den Terminen

Über die Zukunft des Spitals Laufenburg wird in den nächsten Monaten rege diskutiert werden.

Über die Zukunft des Spitals Laufenburg wird in den nächsten Monaten rege diskutiert werden.

Das Gesundheitszentrum lädt die Grossräte zum Gedankenaustausch ein. Es geht dabei um die Zukunft des Spitals Laufenburg. 9 von 17 nehmen daran teil. Warum nur so wenige?

Es geht um viel. Um die Zukunft des Spitals Laufenburg. Oder, treffender: Darum, ob der Standort Laufenburg als Spital überhaupt eine Zukunft hat, wenn auch ohne stationäre Chirurgie – oder ob er in ein Pflegeheim mit einer ambulanten Sprechstunde umgewandelt wird.

Diese beiden Grobszenarien stellte das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF), das die Spitäler in Rheinfelden und Laufenburg betreibt, vor gut einem Monat vor. Bis Ende Juni will die GZF-Leitung genauer wissen, wie es weitergeht (die AZ berichtete).

Dazu führt das GZF auch Gespräche mit verschiedenen Gruppierungen durch. Mit den Hausärzten in der Region etwa oder mit den Grossräten. Am letzten Montag fand ein solches Treffen statt. Am Tisch sassen die GZF-Leitung, fast alle Hausärzte aus dem oberen Fricktal und neun Grossräte.

Damit ist gerade einmal die Hälfte der Grossräte der Einladung des GZF gefolgt. Ob man dies nicht «auch ein bitzli wenig» finde, fragte AZ-Kolumnist und Kommunikationsprofi Christoph Grenacher auf der Redaktion rhetorisch nach.

Die AZ schrieb daraufhin, wie auch Grenacher selber, alle 17 Grossräte aus den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden an und bat sie, zu sagen, weshalb sie am Treffen teilnahmen – oder eben nicht.

13 der 17 Grossräte haben innert der, zugegebenermassen kurz bemessenen, Frist von 24 Stunden geantwortet. Darunter auch die meisten Grossräte, die nicht am Treffen teilnahmen. Sie alle können plausibel erklären, weshalb sie nicht da waren.

Elisabeth Bur- gener (SP, Gipf-Oberfrick) war «mehrere Wochen auf einer Kultur- und Bildungsreise im Ausland», Gertrud Häseli (Grüne, Wittnau) musste als Gemeinderätin einer Sitzung beiwohnen, Désirée Stutz (SVP, Möhlin) hatte in ihrer Funktion als Präsidentin der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission einen Einsatz.

Grossratspräsident Bernhard Scholl (FDP, Möhlin) fehlte «wegen anderweitigen Verpflichtungen». Kathrin Hasler (SVP, Hellikon) «aus terminlichen Gründen», Claudia Rohrer (SP, Rheinfelden) wegen einer anderen Sitzung und Alfons P. Kaufmann (CVP, Wallbach) aus familiären Gründen.

Wurde Laufenburg vernachlässigt?

Diejenigen, die teilnahmen, taten dies, primär, aus zwei Gründen: Um sich aus erster Hand zu informieren und/oder weil ihnen das Spital Laufenburg wichtig ist. «Als Grossrat empfand ich das als meine Pflicht und ich wollte die Meinung der Laufenburger Ärzte kennenlernen», umschreibt Peter Koller (SP, Rheinfelden) seine Beweggründe, teilzunehmen.

Ähnlich tönt es von Christoph Riner (SVP, Zeihen), Roland Agustoni (GLP, Rheinfelden) und Andreas Fischer (Grüne, Möhlin). Lokalpatrotisch klingt Werner Müller (CVP, Wittnau): «Mir ist die Zukunft des Spitals Laufenburg sehr wichtig», schreibt er. «Daher setze ich mich für den Fortbestand mit all meinen Möglichkeiten dafür ein.»

Werner Müller ist es auch, der als einziger der Grossräte Klartext zur Strategie der GZF-Leitung spricht: «Leider hat die Führung des GZF in den letzten Jahren den Standort Laufenburg nicht mit derselben Priorität wie den Standort Rheinfelden weiterentwickelt», ist er überzeugt.

Die Spitalleitung habe wohl nicht damit gerechnet, dass die angekündigte Reorganisation beim Spital Laufenburg so heftige Reaktionen bei der Bevölkerung auslösen würde. «Für die Bevölkerung im oberen Fricktal ist der Fortbestand des Spitals Laufenburg sehr wichtig und hat daher einen hohen Stellenwert.» Die Spitalleitung habe dies inzwischen gemerkt «und ist bestrebt, eine tragbare Lösung zu finden».

Der Bezirk Laufenburg müsse sich wehren für seine Errungenschaften, findet auch Colette Basler (SP, Zeihen). Ein grosser Teil der Bevölkerung könne sich eine Zukunft ohne GZF nicht vorstellen «und wir Grossrätinnen und Grossräte sind gewählt um die Interessen der Bevölkerung zu vertreten». Auch Burgener, die sich noch nicht auf eine Variante festlegen will, sagt: «Unser Bezirk darf sich unbedingt auch selbstbewusst und fordernd präsentieren.»

Weitere Treffen geplant

Die Lösung. Wie kann sie aussehen? Bleibt Laufenburg ein Akutspital oder wird es ein Pflegeheim? Oder gibt es eine dritte Variante? Einig sind sich die Grossräte in vier Punkten: Dass derzeit, erstens, für eine Gesamtbeurteilung noch «wichtige Fakten und Daten fehlen» (Burgener). Dass, zweitens, es primär an der GZF-Leitung liegt, eine Zukunftsstrategie auszuarbeiten.

Dass diese Strategie, drittens, eine gute Gesundheitsversorgung der ganzen Region sicherstellen muss – und dass sie gleichzeitig wirtschaftlich tragbar sein muss. «Entscheidend für mich ist, dass eine nachhaltige und tragfähige Lösung gefunden wird, welche den Bedürfnissen der Bevölkerung ebenso wie den wirtschaftlichen Aspekten gerecht wird», umschreibt es Stutz.

Viertens sind sich die Grossräte darin einig, dass die Politik Hand bietet, wenn es darum geht, mit Aarau über Ausnahmeregelungen und Rahmenbedingungen zu verhandeln. Die Hausärzte und das GZF hätten an der gemeinsamen Sitzung deutlich gemacht, dass eigentlich nur Szenario 1 – also der Weiterbetrieb als Spital mit Notfall infrage komme, so Fischer. Die Verhandlungen darüber seien am Laufen. «Sollte dies beim Kanton abgelehnt werden, müsste man im Grossen Rat aktiv werden». Derzeit seien die Signale aus Aarau «aber noch zu undeutlich».

Vorerst gilt es, den Informationsfluss sicherzustellen. Dazu sind weitere Treffen zwischen Grossräten und GZF-Leitung geplant. «Per Doodle wird nun der nächste Termin gesucht», sagt Scholl, dem derzeit ebenfalls noch «einige wichtige Fakten und Daten» für eine Gesamtbeurteilung fehlen.

«Dieser Gedankenaustausch ist nötig, konstruktiv und für beide Seiten hilfreich», so Scholl. Er setze «eine hohe Priorität auf diese Treffen». Rohrer lobt in einer Mail an Grenacher «die professionelle Kommunikation» des GZF. Die Leitung habe den Politikern die mögliche Zukunft des GZF aufzuzeigen und sie habe «in der Vergangenheit gezeigt, dass sie den Kontakt zu uns Politikerinnen und Politikern suchen und halten».

In die Karten blicken, welche Variante sie präferieren, lassen sich viele Grossräte noch nicht. Nicht so Balser. «Ich sehe eine Zukunft mit zwei Standorten», sagt sie. Klar äussert sich auch Müller: «Zielführend ist nur das Szenario 1.» Auch Riner sieht dies so – allerdings brauche es bei Szenario 1 noch ein «Plus».

Damit meint er einen zusätzlichen Mehrwert – neben der Notfallabteilung, die für ihn ausser Frage steht. Auch Koller plädiert für Szenario 1 – «wenn es gelingt, vom Kanton vernünftige Rahmenbedingungen zu erhalten, was nicht einfach werden wird, sollte ein sinnvoller – leicht eingeschränkter – Betrieb an beiden Standorten weiterhin möglich sein».

Häseli wagt sich weit heraus

Gegen den Weiterbetrieb des Standortes Laufenburg als Akutspital mag sich derzeit kaum jemand öffentlich äussern. Zu gross ist die Gefahr, sich damit die Finger zu verbrennen. Noch in lebhafter Erinnerung ist dabei vielen die vom Kanton angeordnete Schliessung des Regionalspitals Brugg. Sie hätte dem damaligen Gesundheitsdirektor Ernst Hasler (SVP) fast die Wiederwahl gekostet.

Aus der Deckung wagen sich zwei Grossräte: Roland Agustoni, der zwar noch keine abschliessende Beurteilung vornehmen mag, aber gleichwohl sagt: «Ich verhehle nicht, dass mir das Szenario 2 als das wohl zukunftstauglichere erscheint.»

Er denke dabei nicht nur an ein Pflegeheim, «sondern an ein Kompetenzzentrum für Geriatrie, Pflege und Betreuung», schreibt Agustoni, fügt aber gleich an: «Aber, wie gesagt, vielleicht werde ich da noch eines Besseren belehrt.»

Dezidiert für Szenario 2 tritt offen bislang einzig Häseli ein. Zwei Spitäler seien für eine kleine Region wie das Fricktal schlicht zu teuer, findet sie. Die Zukunft von Laufenburg sieht sie in der Langzeitpflege, wobei es gelte, zusätzliche neue Geschäftsfelder wie Hausarztpraxen oder «Wohnen im Park» zu eröffnen.

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