Sisslerfeld
Fricktaler Pharma- und Biobranche im Glück: Umstieg auf Holzenergie hat sich bezahlt gemacht

Weg von fossilen Brennstoffen wollen derzeit angesichts des Ukraine-Kriegs und explodierender Preise für Öl und Gas viele. Schon vor drei Jahren ist mit der Eröffnung des Holzheizkraftwerks auf dem Sisslerfeld die regionale Pharma- und Lifesciences-Branche diesen Weg gegangen – der Neubau ersetzte die gasbefeuerte Kesselanlage.

Hans Christof Wagner
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Das Holzheizkraftwerk auf dem Sisslerfeld ist vor drei Jahren, im April 2019, fertiggestellt worden.

Das Holzheizkraftwerk auf dem Sisslerfeld ist vor drei Jahren, im April 2019, fertiggestellt worden.

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Seit drei Jahren ragt das Holzheizkraftwerk auf dem Sisslerfeld in die Höhe. Jetzt zieht Betriebsleiter Markus Heitz auf AZ-Nachfrage eine positive Bilanz. «Prinzipiell konnten in den ersten drei Betriebsjahren alle Prozesse und Abläufe konsolidiert werden und entsprechen vollauf den Erwartungen», sagt er.

Die im Kessel der Anlage verbrannte Gesamtmenge an Holzhackschnitzeln habe 2021 bei etwa 85’000 Tonnen gelegen. Heitz erklärt.

«Die Brennstoffmengen hängen unmittelbar vom Energiebedarf unserer Industriekunden ab.»

Und deren Zahl hat sich Heitz zufolge erhöht, ergänzt durch die Niederlassung des Pharmazulieferers Lonza in Stein. Ansonsten sind es die grossen Namen der Fricktaler Pharma- und Lifesciences-Branche: Novartis, DSM und Syngenta. Sie brauchen den mehrere hundert Grad heissen Dampf aus der Anlage für ihre Produktionsprozesse, um Oberflächen und Maschinen zu sterilisieren und zu desinfizieren.

Dampf versorgt nur die direkt auf dem Sisslerfeld gelegenen Werke

Der Dampf versorgt nur die direkt auf dem Sisslerfeld gelegenen Werke. Die weiter entfernt liegenden Anlagen wie die von DSM in Kaiseraugst oder Syngenta in Kaisten damit zu beliefern, sei wirtschaftlich und technisch nicht effizient, erklärt Heitz. Dafür seien die Distanzen zu gross.

Mit 267 Gigawattstunden ist der Dampf die Hauptenergiequelle. Mit 42 Gigawattstunden kann das Holzheizkraftwerk aber auch Strom produzieren und ins öffentliche Netz einspeisen. Heitz sagt:

«Das Holzheizkraftwerk Sisslerfeld ist eines der grössten Biomassekraftwerke der Schweiz und ein Leuchtturmprojekt im Bereich Nachhaltigkeit.»
Das Holzheizkraftwerk auf dem DSM-Areal im Sisslerfeld wurde im April 2019 eingeweiht.

Das Holzheizkraftwerk auf dem DSM-Areal im Sisslerfeld wurde im April 2019 eingeweiht.

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Vor drei Jahren, im April 2019, wurde das 60-Millionen-Franken-Projekt im Beisein von viel Prominenz eröffnet und in Betrieb genommen. Der Neubau ersetzte die gasbefeuerte und veraltete Kesselanlage, die DSM in Sisseln zuvor mit Dampf versorgte. Das Ziel war klar: Biomasse statt fossiler Brennstoffe.

Vor dem Hintergrund der mit dem Ukraine-Krieg in die Höhe geschnellten Gaspreise macht sich der Umstieg aktuell bezahlt. Heitz erklärt:

«Natürlich sind unsere Kunden froh, dass sie 2019 auf Holz umgestiegen sind. Der Gaspreis ist deutlich volatiler als der Holzpreis.»

Allerdings verlief die Startphase etwas holprig. Aufgrund technischer Probleme konnte das Kraftwerk vollends erst im August 2019 in Betrieb gehen. Zuvor waren bei der Dampfturbine, die den Stromgenerator antreibt, Vibrationen festgestellt worden. Um Schäden zu vermeiden, ging die Turbine zur Reparatur zum Hersteller zurück und wurde im Sommer von neuem eingebaut – daher die anfängliche Verzögerung im Bereich Stromerzeugung.

Je zur Hälfte stammen die auf dem Sisslerfeld verbrannten Holzhackschnitzel aus dem Elsass und aus der Schweiz. Erlaubt sind Bezugsquellen, die in einem 100-Kilometer-Radius ums Kraftwerk liegen. Indirekt, indem sie Zwischenhändler beliefern, stammt ein Teil davon auch aus Fricktaler Forstrevieren. Die Mengen sind bei 85’000 Tonnen Gesamtverbrauch aber vergleichsweise gering: etwa 1000 Tonnen aus dem Forstbetrieb Thiersteinberg und knapp 1500 Tonnen aus dem Revier Laufenburg-Gansingen.