Sissle
Krebspest hält Kanton weiter in Atem: «Wir hoffen, dass es sich um einen lokalen Ausbruch handelt»

Im Frühjahr fanden Fischer in der Sissle mehrere tote Dohlenkrebse. Die Diagnose: Krebspest. Um die wertvollen einheimischen Krebsarten zu schützen, verhängte der Kanton ein Sperrgebiet. Monate später gibt es zwar noch keine definitive Entwarnung – aber doch einen Hoffnungsschimmer.

Nadine Böni
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Dohlenkrebs: In der Sissle ist die Krebspest ausgebrochen und bedroht die geschützte Art.

Dohlenkrebs: In der Sissle ist die Krebspest ausgebrochen und bedroht die geschützte Art.

zvg/Kanton Aargau

Entwarnung ist es noch nicht, aber in Florian Randeggers Stimme schwingt doch eine leise Hoffnung mit. «Bisher gab es keine weiteren Meldungen von toten Krebsen», sagt der Fachspezialist Fischerei der Abteilung Wald beim Kanton. Das sind gute Nachrichten nach der Meldung eines Ausbruchs der Krebspest vor wenigen Monaten.

Im Sissle-Abschnitt zwischen Eiken und Frick wurden im Frühjahr tote Dohlenkrebse gefunden. Der Kanton verhängte daraufhin ein Sperrgebiet über die Sissle von Hornussen bis an die Rheinmündung. Ziel ist es, die Ausbreitung zu stoppen und die heimischen Krebsbestände zu schützen.

Weitere Kontrolle ist angedacht

Das Sperrgebiet samt Betretverbot ist noch immer in Kraft. Für Ende August ist nun eine weitere Bestandeskontrolle angedacht. Randegger sagt:

«Eine regelmässige Kontrolle ist wichtig, um die Ausbreitungsgrenze zu kennen und Sperrgebiet sowie Massnahmen, falls nötig, anzupassen.»

Wichtig sei in diesem Zusammenhang aber auch die Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort: «Die lokalen Fischerinnen und Fischer sowie die Mitarbeitenden der Gemeindewerkhöfe kennen ihre Gewässer und können Beobachtungen von Krebsen melden – eine Zusammenarbeit, die im Fricktal von Anfang an sehr gut funktioniert hat», sagt Randegger.

Im Frühjahr entdeckten Fischer mehrere tote Krebse in der Sissle.

Im Frühjahr entdeckten Fischer mehrere tote Krebse in der Sissle.

Zvg/Aargauer Zeitung

Ist der Signalkrebs eingewandert?

Die entscheidende Frage ist: Wanderte der Signalkrebs aus dem Rhein in die Sissle ein und breitet sich dort aus? Der aus Nordamerika stammende Krebs ist Träger der Krankheit, selber aber nur gering anfällig für den Erreger. Kommt er mit einheimischen Krebsen in Kontakt, kann die Krankheit überspringen. Randegger sagt:

«Wäre er tatsächlich in die Sissle eingewandert, müssten weitere Massnahmen geprüft werden.»

Ein weiteres Vordringen des Signalkrebses in die Lebensräume von einheimischen Krebsen könnte etwa mit sogenannten Krebssperren verhindert werden.

Die Sektion Jagd und Fischerei überwacht die Situation und sucht in Zusammenarbeit mit einem externen Fachbüro im Mündungsbereich gezielt nach Signalkrebsen. Immerhin: «Bis jetzt wurden noch keine Signalkrebse in der Sissle gefunden», so Randegger.

Der Bestand könnte sich erholen

Das nährt die Hoffnung, dass es sich bei den Fällen von Krebspest in der Sissle um einen lokalen Ausbruch handeln könnte, eingeschleppt etwa durch den Menschen oder andere Tierarten. «Das wäre sicher das Best-Case-Szenario», sagt Randegger. Zwar würden auch bei einem lokalen Ausbruch viele Dohlenkrebse der Krankheit zum Opfer fallen – aber, so Randegger:

Im Juni fand eine Bestandeskontrolle statt, Ende August soll eine weitere folgen.

Im Juni fand eine Bestandeskontrolle statt, Ende August soll eine weitere folgen.

Zvg/Aargauer Zeitung
«Die Dohlenkrebspopulation im gesamten Einzugsgebiet der Sissle ist gross, gesund und gut vernetzt. Der Bestand könnte sich mit der Zeit erholen.»

Einen eher positiven Einfluss könnten dabei die hohen Pegelstände der vergangenen Wochen haben. «Die Dichte des Erregers im Wasser hat wahrscheinlich abgenommen, weil die toten Krebsteile – sie geben Sporen ins Wasser ab – abgeschwemmt und auch biologisch abgebaut wurden», erklärt Randegger. Weiterer Pluspunkt: Durch das Regenwetter waren weniger Leute an der Sissle. «Die Gefahr ist somit kleiner, dass die Krankheit aus Versehen weiterverschleppt wurde.»

Anfang September werde die Lage neu beurteilt, «sobald die Ergebnisse der Bestandeskontrolle vorliegen», so Randegger. Bis dann gilt das Sperrgebiet und Betretverbot.

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