Wahlen 2020

Sie arbeitet ruhig und speditiv: Tanja Primault-Suter ist eine beherzte Grossrätin

Tanja Primault-Suter aus Gipf-Oberfrick sitzt für die SVP seit 2013 im Grossen Rat.

Tanja Primault-Suter aus Gipf-Oberfrick sitzt für die SVP seit 2013 im Grossen Rat.

Die SVP-Parlamentarierin leitet im Aargauer Grossen Rat die wichtige Bildungskommission. Dort wird ihre Art geschätzt.

Vor der Abstimmung ist nach der Arbeit: Wenn ein Geschäft in den Grossen Rat kommt, hat es bereits etliche Etappen hinter sich. Eine – und erst noch eine ganz wichtige – ist die Beratung in der zuständigen grossrätlichen Kommission. Hier werden die Geschäfte justiert, hier wird um Kompromisse gerungen.

Insgesamt verfügt der Kanton über zehn ständige und zwei nicht ständige Kommissionen. Nicht alle haben das gleich grosse Gewicht; das parteiinterne Gerangel um einen Sitz in einer wichtigen Kommission ist deshalb auch gross. Wer sich dann noch das Präsidium in einer wichtigen Kommission ergattern kann, ist definitiv auf dem Grossratsolymp angekommen.

«Grundsätzlich, positive Bilanz»

Tanja Primault-Suter gehört dazu. Die 40-jährige Sekundarlehrerin aus Gipf-Oberfrick sitzt für die SVP seit 2013 im Grossen Rat. Ebenso lange ist sie Mitglied der einflussreichen 14-köpfigen Kommission Bildung, Kultur und Sport, seit 2017 präsidiert sie die Kommission. Und: Sie macht einen guten Job, wie Grossratskollegen sagen. Sie bereite die Sitzungen gut vor, leite sie speditiv und ruhig, lasse jeden ausreden und könne auch gut zuhören. Gerade Letzteres ist nicht bei allen Politikern der Fall.

Über die laufende Legislatur, die noch bis Ende Jahr dauert, zieht Primault eine «grundsätzlich positive» Bilanz. Das hänge vor allem mit der besseren finanziellen Lage des Kantons zusammen, sagt sie. Diskussionen könnten so anders geführt werden.

Region setzte sich mit vielen Anliegen durch

Als grössten Erfolg wertet sie die Änderung des Kantons- und Gemeindebürgerrechts, über die die Aargauer am 9. Februar abgestimmt haben – und die sie mit 64,8 Prozent klar angenommen haben. Damit hat der Aargau die Hürden für Einbürgerungswillige erhöht. Wer den roten Pass will, darf neu in den letzten zehn Jahren keine Sozialhilfe bezogen haben. Als Erfolg für die Region wertet sie all jene Anliegen, die von anderen Regionen positiv aufgenommen und unterstützt wurden. Das waren in der laufenden Legislatur nicht wenige.

In den Zwischenbilanzgesprächen, welche die AZ in den letzten Wochen mit den 17 Fricktaler Grossräten geführt und publiziert hat und die mit dem heutigen Artikel abgeschlossen werden, tauchen drei Erfolge immer wieder auf: der Erhalt des Spitals Laufenburg, die Abwendung der völligen Schliessung des Berufsbildungszentrums Fricktal und der Halbstundentakt auf dem S1-Ast zwischen Laufenburg und Stein, den die Fricktaler Grossräte dank viel Lobbying-Arbeit in den eigenen Fraktionen gegen den Willen der Regierung durchgeboxt haben. Nicht immer kann man Erfolg haben, das weiss auch Tanja Primault-Suter. Jede verlorene Abstimmung sei ein Misserfolg, sagt sie.

Verkehr und Sisslerfeld als Aufgaben

Alles andere als ein Misserfolg – da sind sich die Grossräte ebenfalls einig – ist die Entwicklung im Fricktal. Die beiden Bezirke werden von den Grossräten unisono als prosperierend beschrieben, als Region mit Zukunftspotenzial. «Das Fricktal wird positiv als ländliche Region wahrgenommen», hat Primault beobachtet.

Zu lösen gilt es in Zukunft vor allem noch einige strukturelle Fragen, etwa was den Verkehr und die Erschliessung des Sisslerfeldes, der wichtigsten noch unüberbauten Industriefläche im Aargau, betrifft.
Vielleicht liegt es an der peripheren Lage im Kanton, vielleicht an der habsburgischen Geschichte, vielleicht an einem gewissen Eigensinn, der den Fricktalern seit jeher nachgesagt wird – auf jeden Fall zeigen die Grossräte aus den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden viel Gemeinsinn.

Sie stehen parteiübergreifend zusammen, wenn es um regionale Anliegen geht, weibeln in den eigenen Fraktionen für Fricktaler Anliegen – und haben dabei oft Erfolg. Andere Regionen beneiden die Fricktaler um dieses Regionen-Gen. Denn «bei Fricktaler Anliegen ist die Loyalität gross», sagt Primault.

Bislang ist nur ein Rücktritt bekannt

Auch die Loyalität mit dem Mandat, wenn man so will, ist bei den Fricktaler Grossräten gross. Von den 17 Politikern, welche die Bezirke Laufenburg und Rheinfelden aktuell im Kantonsparlament vertreten – 5 SVP, 4 SP, 3 FDP, 2 CVP, 2 Grüne, 1 GLP –, hat bislang nur einer gesagt: Ich trete bei den Gesamterneuerungswahlen im Oktober nicht mehr an. Das ist GLP-Grossrat Roland Agustoni, der seinen Sessel im März räumt. Béa Bieber wird für ihn nachrutschen. Agustoni wird in diesem Jahr 65 und hat sich schon lange vorgenommen: Mit 65 ist mit der Politik Schluss.

Damit steht neun Monate vor den Wahlen fest: 14 Grossräte wollen es im Herbst nochmals wissen, drei werden sich in den nächsten Wochen für oder gegen eine Kandidatur entscheiden. Oder, um zum Anfang zurückzukehren: Vor der Wahl-Abstimmung ist nach der Entscheidungsarbeit.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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