Seit dem 19. Oktober bleiben die Gäste weg

Die neuerliche Verschärfung der Corona-Auflagen in der Gastronomie trifft das Gasthaus Adler in Oberhof ins Mark.

Hans Christof Wagner
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Marco und Carmen Müller haben den «Adler» in Oberhof gepachtet.

Marco und Carmen Müller haben den «Adler» in Oberhof gepachtet.

Bild: twe (Oberhof, 20. August 2020)

«Normale» Zeiten als Wirte haben Marco und Carmen Müller nie erlebt. Sie haben den «Adler» in Oberhof im August übernommen, mittendrin in der Corona-Krise. Doch jetzt erst schlägt die Pandemie voll bei dem Beizer-Ehepaar durch.

Den 19. Oktober hat Marco Müller gedanklich als den «schwarzen Montag» in seinem Kalender verbucht. «Bis dahin war mein Reservationsbuch voll, aber ab dem Tag hagelte es die Absagen», berichtet er. Reservierungen, Vereinsanlässe, Vorausbuchungen für Weihnachtsessen – alles gecancelt. Der ­«Adler»-­Koch: «Wir haben im Moment nur rund 25 Prozent des Umsatzes, den wir noch im September hatten.»

Obwohl: So gravierend für die Gastronomie waren die neuerlichen Verschärfungen der Corona-Auflagen durch den Bundesrat im Oktober ja nicht. Müller sieht dennoch zwei Faktoren als ausschlaggebend dafür an, dass ihm die Gäste seit Mitte des vergangenen Monats wegbrechen: Die Maskenpflicht und dass der Bundesrat an die Menschen appelliert, generell zuhause zu bleiben.

Bisher hält das Wirtepaar durch, macht wacker auf, wohl wissend, dass es «vielleicht zwei bis drei Stammgäste» am Mittag sind und am Abend «auch zu wenige». So können sie zumindest früh Schluss machen. So hat die auch im Oktober verhängte Sperrstunde ab 23 Uhr für die Müllers keine Bedeutung.

Gedanken machen müssen sie sich aber über ihre beiden angestellten Servicemitarbeiterinnen mit je einem 80-Prozent-­Pensum. «Wir haben für beide Kurzarbeit beantragt. Aber es ist unsicher, ob das bewilligt wird, weil wir erst so kurze Zeit geöffnet haben», sagt Müller.

Einstieg ins Liefergeschäft als Ausgleich

Unsicher ist auch, ob der Weg ins Liefergeschäft einen Teil der Umsatzeinbrüche wieder wettmachen kann. Den wollen sie jetzt einschlagen. Dafür haben sie sich beim führenden Online-­Essenslieferdienst der Schweiz angemeldet.

Für Marco und Carmen Müller ist der «Adler» das erste ei­gene Lokal. «Wir bereuen die Übernahme nicht», betont Marco Müller. Und schiebt nach:«Es kommen ja auch wieder bessere Zeiten.» Fragt sich nur, wann das sein wird.

«Ich möchte jetzt Verhandlungen mit dem Eigentümer der Liegenschaft wegen einer Mietreduzierung aufnehmen», kündigt Müller an. Eigentümer ist die Gasthof Adler Oberhof AG. Deren Verwaltungsratspräsident Anton Reimann sagt: «Wir sind sehr daran interessiert, dass die Müllers bleiben.» Andererseits habe auch die AG ins Gasthaus investiert und sei mit der im August ausgehandelten Pachthöhe schon entgegengekommen. Für Anfang 2021 aber kann Reimann eine Neubewertung der Lage zusagen.