Infektionen

Schutz vor Corona-Virus: Erste Aargauer Gemeinden reagieren mit Plexiglas an Kundenschaltern

Der Steiner Gemeindeschreiber Sascha Roth an einem der Schalter, die mit einer Plexiglasscheibe geschützt wurden.

Der Steiner Gemeindeschreiber Sascha Roth an einem der Schalter, die mit einer Plexiglasscheibe geschützt wurden.

Erste Gemeinden haben wegen des Corona-Virus an ihren Kundenschaltern Acrylglasscheiben montiert – Abfalleimer werden häufiger geleert.

Die Einwohner erwartet auf der Gemeindekanzlei in Stein derzeit ein ungewohntes Bild: Die Mitarbeiter der Verwaltung begrüssen die Kunden hinter Plexiglasscheiben; die vier Schalter im Gemeindehaus sind temporär eingeglast. Man habe die Aufgabe und Pflicht, Mitarbeitende und Kundschaft bestmöglich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen, sagt Gemeindeschreiber Sascha Roth.

Die Plexiglasscheiben hatte die Gemeinde bereits bei einer früheren Epidemie beschafft. «Es lag somit auf der Hand, diese Schutzmassnahme jetzt zu aktivieren», sagt Roth. «Diese Vorsorge kostet uns nichts, und es wäre fahrlässig, diese nicht umzusetzen.» Die Mitarbeitenden würden die Entscheide zu den Präventionsmassnahmen mittragen, so Roth. «Als Arbeitgeberin sind wir auch in der Pflicht, unser Personal zu schützen.»

Aargauer Gemeinden montieren Trennwände zum Schutz

Aargauer Gemeinden montieren Trennwände zum Schutz

Nicht nur das Volk, sondern auch diverse Gemeinden reagieren auf den Coronavirus und stellen Trennwände zum Schutz auf. Auch die Gemeinden Stein, Rheinfelden und Möhlin haben temporär Plexiglasscheiben bei den Kundenschaltern installiert.

Stein ist kein Einzelfall, wie eine Umfrage der AZ bei grösseren Gemeinden zeigt. Auch in Möhlin und Rheinfelden wurden die Schalter der Gemeindeverwaltung temporär mit Plexiglasscheiben versehen; in beiden Gemeinden wurden die Glasscheiben ebenfalls bei einer früheren Epidemie beschafft. Oberstes Ziel sei die Reduktion des Ansteckungsrisikos am Arbeitsplatz und damit die Aufrechterhaltung des Betriebs, sagt der Rheinfelder Stadtschreiber Roger Erdin.

«Wir möchten vermeiden, dass durch die Infektion eines Mitarbeiters beispielsweise eine ganze Abteilung unter Quarantäne gestellt wird und damit die Aufrechterhaltung der öffentlichen Dienstleistungen gefährdet wäre.» Durch Distanz halten könne die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit von Person zu Person übertragen wird, verringert werden. Mit dem Aufstellen der Acrylglasscheiben «unterstützen wir dieses Bestreben», so Erdin. Die Massnahme solle helfen, das Infektionsrisiko zu minimieren. «Gleichzeitig wird der Betrieb durch diesen Schritt nicht wesentlich beeinträchtigt.»

Ausgerüstet werden in Rheinfelden alle offenen Schalter, die nicht bereits mit einer Verglasung versehen sind, so etwa das Stadtbüro oder das Tourismus- und Kulturbüro. Den Entscheid habe das für die ­Pandemie-Vorsorge zuständige Team getroffen, sagt Erdin. «Aus der Verwaltung erfahren wir durchweg Verständnis und Unterstützung für diesen vorsorglichen Schritt.»

In Kaiseraugst sind die Schalter ohnehin mit Glasscheiben bestückt. «An allen Schaltern wird darauf hingewiesen, dass die Glasschiebetüren geschlossen bleiben», sagt Gemeindeschreiber Rolf Dunkel. «Eine Kommunikation ist auch durch die geschlossenen Türen möglich.»

Empfehlungen umsetzen und beobachten

Andere Gemeinden sind mit Spezialmassnahmen noch zurückhaltend. In Mettauertal beispielsweise hält man sich – wie in allen Gemeinden – strikte an die Verhaltensregeln des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), die laufend aktualisiert werden. Die Plakate mit den Regeln hat die Gemeinde auch in sämtlichen Liegenschaften aufgehängt.

Die Schalter in der Kanzlei verfügen zwar über fixe Glasscheiben; diese sind während der Schalterzeiten offen. «Rein theoretisch könnten wir die Glasscheiben aufgrund des Virus ganz geschlossen halten oder nur ein Minimum öffnen», sagt Gemeindeschreiber Florian Wunderlin. «Auf diese Massnahme haben wir aber bisher verzichtet.»

In Gipf-Oberfrick hat man derzeit ebenfalls noch keine zusätzlichen Schutzmassnahmen ergriffen, setzt aber natürlich die Empfehlungen des Bundes um. Falls sich die Situation verschärfen würde und das BAG respektive Kanton zu weitergehenden Verhaltensempfehlungen oder präventiven Massnahmen aufrufen, seien zusätzliche Massnahmen möglich, sagt Gemeindeschreiber Urs Treier. «Es geht dabei in erster Linie darum, die Dienstleistungen aufrechtzuerhalten und die Mitarbeitenden nicht unnötigen Ansteckungsgefahren auszusetzen», so Treier und nennt als Beispiele den Verzicht aufs Händeschütteln oder das Abstandhalten am Schalter.

In Frick geht man ähnlich mit der Thematik um. Man halte sich an die Empfehlungen des Bundes, so Gemeindeschreiber Michael Widmer. Mögliche weitere Massnahmen würden getroffen, sofern solche aufgrund der Empfehlungen oder Vorgaben des BAG oder des Kantons angezeigt seien. «Wir verfolgen die Entwicklung weiterhin aufmerksam.»

Das tut man auch in Laufenburg. Auch hier hat man die Plakate mit den Sicherheitshinweisen in den Gemeindeliegenschaften aufgehängt und setzt die Vorgaben um. «In der momentanen Situation gilt es Ruhe zu bewahren und den aktuellen Umständen genügend Aufmerksamkeit zu schenken, ohne überzureagieren», sagt Ivan Brigante, stellvertretender Gemeindeschreiber in Laufenburg.

«Es besteht keine Unruhe oder unnötige Angst»

Ein Thema ist das Corona-­Virus auf allen Gemeindekanzleien. «Die Mitarbeitenden besprechen sich regelmässig», sagt Wunderlin. Das Virus sei ein Thema, sagt auch Treier, «aber es besteht keine Unruhe oder unnötige Angst.» Die Mitarbeitenden würden das Thema sachlich einschätzen. Erdin bezeichnet die Stimmung ebenfalls als ruhig, die Mitarbeitenden seien sensibilisiert.

In Möhlin trifft sich, wie in vielen Gemeinden, die interne Taskforce regelmässig. Als zusätzliche Schutzmassnahme wurden laut Gemeindeschreiber Marius Fricker die Hausabwarte angewiesen, die Abfalleimer in allen öffentlichen Gebäuden häufiger zu leeren. Laufenburg hat, wie andere Gemeinden, ihre Mitarbeiter zudem darauf aufmerksam gemacht, bei allfälligen Symptomen vorsichtshalber zu Hause zu bleiben. Die Devise ist in den befragten Gemeinden trotz unterschiedlicher Massnahmen die gleiche: Beobachten, situativ und auf die Empfehlungen abgestützt handeln, aber nicht überreagieren.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

Meistgesehen

Artboard 1