Mit diesem Entscheid hat der Möhliner Gemeinderat diese Woche alle überrascht: Er lässt den Oberstufen-Standort Wegenstetten fallen und plant stattdessen beim Schulhaus Steinli einen Ergänzungsbau. Dort will er in Zukunft sämtliche Oberstufen – also Bezirks-, Sekundar- und Realschule – gemeinsam führen. Hingegen sollen ab dem Schuljahr 2021/22 keine Oberstufenschüler mehr nach Wegenstetten geschickt werden, wie dies bis anhin der Fall war.

Vor allem in den Talgemeinden Zeiningen, Zuzgen, Hellikon und Wegenstetten schlägt der Entscheid hohe Wellen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz machten sich die Gemeindeammänner schon am Mittwoch Luft. «Wir sind vor den Kopf gestossen und enttäuscht», sagte Kathrin Hasler, Ammann von Hellikon.

Unruhe im Lehrerkollegium

Ganz ähnlich ist die Gefühlslage derzeit bei Stefan Hasler, Präsident der Kreisschulkommission (Schulpflege) Wegenstetten-Hellikon. «Wir bedauern diesen Entscheid. Vor allem auch, weil es aus Möhlin immer hiess, man arbeite zusammen an einer Lösung – und wir nun quasi vor vollendete Tatsachen gestellt werden», sagt er.

Die Schulpflegen Wegenstetten-Hellikon, Zuzgen und Zeiningen hatten sich schon im vergangenen Jahr gemeinsam für den Erhalt des Oberstufenstandorts Wegenstetten starkgemacht. Und sie warnten vor der Unsicherheit in der Lehrerschaft, die durch die politischen Diskussionen um den Standort entstehen könnte: «Diese könnte zur Kündigung bewährter Lehrkräfte führen.» Ein Punkt, den Stefan Hasler nun auch anspricht. «Der Entscheid bringt Unruhe ins Kollegium», sagt er. «Viele überlegen sich jetzt, wie es weitergeht.»

Hasler selber aber möchte den Standort noch nicht aufgeben. Er unterstütze das Bestreben der Talgemeinden, die Oberstufe in Wegenstetten zu erhalten. «Es geht nun in einem ersten Schritt darum, eine Auslegeordnung zu den Alternativen und Lösungen zu machen», so Hasler.

Im Sinne der Schüler

Auch Michaela Schmid, Vorstandsmitglied beim Elternverein Wegenstetten, wurde vom Entscheid überrascht. Sie kann verstehen, dass die Talgemeinden unter anderem die Solidarität auf Möhliner Seite vermissen. «Von aussen gesehen hatte man stets das Gefühl, dass die Zusammenarbeit funktioniert.» Von Eltern aus Möhlin habe sie ausserdem viel Gutes über den Standort Wegenstetten gehört. «Sie schätzen die guten Lehrer und dass ihre Kinder selbstständiger werden, wenn sie ausserhalb des eigenen Dorfes zur Schule gehen.»

     

Trotz allem hofft Schmid nun, dass «ein Entscheid im Sinne der Schüler» gefällt werde und das «politische Hickhack» dabei keine Rolle spiele. Von der Idee, dass die Talgemeinden künftig die Oberstufenschüler nach Rheinfelden schicken könnten, hält sie wenig: «Die Kinder sollen im Vordergrund stehen, auch wenn es verständlich ist, dass das Verhältnis zwischen den Gemeinden derzeit angespannt ist.»

Es gibt auch Verständnis

Neben den enttäuschten Stimmen ist im Tal auch Verständnis für den Entscheid vorhanden. Etwa bei Hans Wagner, FDP Zeiningen und ehemaliges Mitglied der Schulpflege. Es sei die «einzig machbare Lösung» gefunden worden, findet er und argumentiert dabei mit Zahlen. Aktuell kommt über die Hälfte der Oberstufenschüler in Wegenstetten aus Möhlin – Tendenz steigend (siehe Grafik oben und Kontext unten). «Es ist nicht länger tragbar, dass Möhlin den Standort Wegenstetten immer stärker unterstützen muss», sagt Wagner. Bereits bei der Auflösung des Oberstufenstandorts Zeiningen 2014 sei die sinkende Schülerzahl ein ausschlaggebendes Argument gewesen. «Angesichts dieser Zahlen ist der Entscheid nun ebenfalls völlig verständlich», so Wagner.