Fricktal
Sauberer Aushub ist wiederverwertbar – aber nur, wenn er genügend Kies enthält

Deponien für sauberen Aushub erhitzen die Gemüter und sie stossen auf wenig Gegenliebe in der Bevölkerung. Am Wochenende wurden im Baselbiet zwei geplante Deponiestandorte an der Urne abgelehnt. Gleiches geschah mit der geplanten Deponie «Wäberhölzli» in Rheinfelden im Juni.

Marc Fischer
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Bei der Kies + Beton AG in Münchwilen wird sauberer Aushub gewaschen.

Bei der Kies + Beton AG in Münchwilen wird sauberer Aushub gewaschen.

zvg

Und Hornussen hat am vergangenen Freitag an der Gemeindeversammlung einem Kredit für einen Rechtsbeistand zugestimmt. Damit wollen sich die Hornusser wehren, falls das Gebiet «Breiti» als Deponie-Standort im Richtplan als Zwischenergebnis eingetragen wird (die az berichtete). Der Kredit setze auch ein Zeichen gegenüber dem Kanton, sagte der Hornusser Gemeindeammann George Winet an der Gemeindeversammlung.

Unter anderem brachte Winet folgendes Argument gegen eine Deponie: «Ein Grossteil des Aushubs wäre rezyklierbar und müsste gar nicht in Deponien abgelagert werden.» Tatsächlich ist in Münchwilen bei der Kies + Beton AG (K+B), einer Firma der Erne-Gruppe, seit 2009 eine Waschanlage für sauberen Aushub in Betrieb.

Der gewaschene Kies werde dann für die Betonproduktion verwendet, erklärt Geschäftsführer Markus Meier. Der übrig bleibende Lehmschlamm wird in der Landwirtschaft als Dünger oder als Abdichtungsmaterial bei Bachverbauungen verwendet. Und: Das Waschen bei K+B sei günstiger als das Deponieren. «Der Waschprozess ist eine ressourcenschonende, sinnvolle Möglichkeit.»

Welches Material ist waschbar?

Warum also setzen die Bauunternehmungen nicht vermehrt auf Waschen statt auf neue Deponiestandorte? «Das Waschen ist eine gute Lösung», sagt Beat Juen, CEO der Erne AG Bauunternehmung, die zusammen mit der Ernst Frey AG und der Ziegler AG die Arbeitsgemeinschaft Aushub Region Fricktal (Arge arf) bildet.

Die Arge arf möchte dereinst die Deponien für sauberen Aushub im Fricktal betreiben, für die aktuell das Richtplanverfahren läuft. Doch es gibt ein Aber: «Von den 120 000 bis 180 000 Kubikmetern Aushub im oberen Fricktal können maximal 10 000 Kubikmeter gewaschen werden», so Juen.

Als Grund führt Juen den sogenannten Feinanteil im Aushub an, also Partikel, die kleiner sind als 0,02 Millimeter. «Der Feinanteil ist sauberes Abschlemmmaterial», so Juen. «Wenn er höher ist als 15 Prozent, ist das Material nicht mehr waschbar.» Denn Material mit zu hohem Feinanteil lasse sich mit vertretbarem Aufwand nicht so verdichten, dass es genügend Stabilität für Gebäude gibt.

Markus Meier seinerseits spricht von einem «Kiesanteil von 70 Prozent», den das Aushubmaterial überschreiten müsse, damit es wirtschaftlich vertretbar sei, es zu waschen. Wie viel Prozent des Aushubs im Fricktal diese Kriterien erfüllen, sei von der Herkunft abhängig. «Grundsätzlich ist der Aushub in Talsohlen eher kiesig und damit waschbar. Material aus Seitentälern und von Hanglagen können wir dagegen nicht wiederverwerten.»

Meier schätzt, dass rund zehn Prozent des Aushubs aus dem oberen Fricktal waschbar wäre. Im unteren Fricktal und vor allem Richtung Pratteln gebe es mehr waschbaren Aushub ergänzt Beat Juen. «Aber mindestens 80 Prozent des sauberen Aushubs muss in Kiesgruben oder Deponien abgelagert werden.» Auch für Meier, der die Waschanlage betreibt, ist klar: «Deponien braucht es auch weiterhin. Das benötigte Volumen könnte aber etwas reduziert werden.»

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