Rheinfelden
Schrauben und Leimen gegen die Wegwerfkultur: Das «Repair-Café» sieht sich mehr denn je im Trend

Sie trotzen der Ex-und-hopp-Mentalität: Vor fünf Jahren fand in Rheinfelden das erste «Repair-Café» statt. Regelmässig können defekte Geräte und Gegenstände vorbeigebracht werden und meist kann das Team der Reparateure helfen – und als Gegenleistung reicht eine Spende. Inzwischen sei das Angebot nicht mehr aus Rheinfelden wegzudenken, sagt Initiantin Béa Bieber. Im Gegenteil.

Hans Christof Wagner
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In den «Repair-Cafés» im Roten Haus in Rheinfelden hat das Team an Reparateuren immer genug zu tun.

In den «Repair-Cafés» im Roten Haus in Rheinfelden hat das Team an Reparateuren immer genug zu tun.

Hans Christof Wagner

«Bringen Sie ihre defekten ‹Schätze› zu uns. Die Chance ist gross, dass wir sie retten können.» So wirbt das Rheinfelder «Repair-Café» um Initiantin Béa Bieber in einer Medienmitteilung um Teilnahme an der nächsten Ausgabe am Samstag, 10. September. Erneut wird das Team auch bereit sein für alle Elektrogeräte, die vorbeigebracht werden. Bieber sagt:

«Wir haben bei jeder Ausgabe grossen Bedarf. Unsere Erfolgsquote ist hoch. Wir können im Schnitt 80 Prozent der Geräte und Textilien reparieren, die gebracht werden.»

Die Motivation des rund 25-köpfigen Teams ist entsprechend hoch. Bieber erzählt, dass in der Regel pro «Repair-Café» 30 Geräte repariert werden. Manchmal seien die Techniker so ehrgeizig, dass sie die Geräte mit nach Hause nehmen, wo ihnen noch spezielleres Reparaturwerkzeug zur Verfügung steht.

Schon allein das Aufschrauben der Geräte kann mitunter Probleme bereiten.

Schon allein das Aufschrauben der Geräte kann mitunter Probleme bereiten.

Hans Christof Wagner

Oft heisst es ja, die Hersteller bauten die Geräte absichtlich so, dass sie sich nicht öffnen liessen. Diese Erfahrung macht auch das «Repair-Café» in Rheinfelden. Bieber erzählt:

«Wir haben aber eine Möglichkeit entwickelt, sogar eigentlich nicht zu öffnende Kaffeemaschinen aufzubekommen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.»

«Repair-Cafés» finden alternierend in Rheinfelden und Rheinfelden/Baden rund zehn Mal pro Jahr statt. Die Nachfrage habe sich auf Schweizer Seite stark entwickelt, so Bieber. Aktuell sei sie grösser als auf der deutschen.

Die Domäne von Béa Bieber, Initiantin der «Repair-Cafés» in Rheinfelden, ist die Nähmaschine.

Die Domäne von Béa Bieber, Initiantin der «Repair-Cafés» in Rheinfelden, ist die Nähmaschine.

Hans Christof Wagner

Textilienreparatur ist bei den «Repair-Café»-Anlässen Biebers Domäne. An der Nähmaschine sitzend, flickt sie Mottenlöcher in Wollpullis oder ersetzt kaputte Reissverschlüsse an Hosen und Kleidern.

Tonnenweise Abfall eingespart

Während Corona wurde daheim repariert. Die Leute konnten die Geräte an einer Sammelstelle abgeben. Trotz des fehlenden direkten Kontakts sei die Nachfrage ungebrochen gewesen, sagt Bieber. So ist sie denn auch überzeugt:

«Ich denke, die Menschen sind durch Corona schon zum Teil achtsamer geworden.»

Für sie ist die Bilanz nach fünf Jahren «Repair-Café» vor allem ökologisch positiv. Sie rechnet vor: «Bei fünf bis sechs Ausgaben pro Jahr alleine auf Schweizer Seite und bei je rund 30 reparierten Geräten macht das bei uns sicher zwei Tonnen Abfall weniger.»