Rheinfelden
Das «Chile-Theater» sägt am Ast

Der Film der Reformierten Kirchgemeinde Rheinfelden über die Klimadiskussion feiert an Pfingsten Premiere.

Leszek Ruszkowski
Drucken
Teilen
«Der Ast, auf dem wir sitzen» – die Theatergruppe der reformierten Kirchgemeinde präsentiert einen Kurzfilm.

«Der Ast, auf dem wir sitzen» – die Theatergruppe der reformierten Kirchgemeinde präsentiert einen Kurzfilm.

Screenshot: zvg

In einer wüsten, kargen Landschaft steht ein Baum. Auf einem seiner Äste herrscht Gedränge. Dieser einsame Ast ist ein Sinnbild für den einzigen bekannten Ort im Universum, auf dem Menschen leben können – den Ort, der durch ihr Handeln gefährdet ist. In der luftigen Hö-he wird eifrig über den Schutz dieser Existenzgrundlage diskutiert. Meinungen gehen weit auseinander – nicht anders als in der realen Klimadiskussion unserer Tage. Aber während Argumente auf Gegenargumente stossen und sich nicht nur das meteorologische, sondern auch das Diskussionsklima erhitzt, wird am Ast gesägt: ganz umweltfreundlich mit einem Swiss Army Messer.

Die Handlung des Kurzfilms des Rheinfelder Pfarrers Leszek Ruszkowski ist als eine Parabel auf den Umgang mit den Existenzgrundlagen gemeint. Das Gleichnis mutet surreal an und bildet doch manchmal erschreckend realistisch die beim Klimaschutz dominierenden Interessenkonflikte ab.

Video statt Theater – wegen der Pandemie

Die Szene wird von den Schauspielerinnen und Schauspielern der Theatergruppe gespielt, die regelmässig im Rahmen der «Gottesdienste Plus» auftritt – eines kreativen Formats mit grossem Vorbereitungsteam. In der Coronasituation hat sich das «Chile-Theater» bewusst für das Medium Video entschieden, da sich bei den Aufnahmen und bei der Vorführung besser die Schutzmassnahmen einhalten lassen als bei gewöhnlichen Theaterproben und Auftritten.

«Die Leute, die auf dem Ast eng beieinandersitzen, sind sich in Wirklichkeit nie nah gekommen und zum Teil nicht ein- mal begegnet», verrät Ruszkowski. «Die Trickkiste der Film- produktion erlaubt das, wenn auch nicht ohne einen beträchtlichen Aufwand beim Zusammenschneiden des Materials.» Für ihn ist aber klar: Die Gesundheit geht vor.

Erstvorführung im Rahmen des Pfingstgottesdienstes

Dass gegenwärtig Plakate mit dem Motiv eines Asts Teil der Agrar-Abstimmungskampagne sind, habe mit dem Film nichts zu tun und «ist reiner Zufall», betont Leszek Ruszkowski. «Un-ser Drehbuch ist Anfang März entstanden, lange bevor das erste Plakat aufgehängt worden ist», sagt der Filmemacher. Er zeigt sich aber etwas befremdet, dass das gleiche Bild für und gegen den Umweltschutz verwendet werden kann. Letztlich bleibe es jedem überlassen zu entscheiden, ob der Ast, auf dem wir sitzen, die Preisstabilität oder die Natur selbst sei, meint er. Ähnliche Fragen werden auch in seinem siebenminütigen Film diskutiert.

Die Erstvorführung findet an Pfingstsonntag, 23. Mai, im Rahmen des Gottesdienstes Plus mit dem Thema «Erschöpfte Schöpfung und die Hoffnung auf Erneuerung» statt. Dieser wird wegen der Platzbeschränkung zweimal angeboten um 10 Uhr und 11.15 Uhr in der reformierten Kirche Rheinfelden. Eine Anmeldung über die Web- site der Kirchgemeinde wird empfohlen. In den Tagen nach Pfingsten kann der Film dann auf der Website der Kirchgemeinde angesehen werden.

Aktuelle Nachrichten