Rheinfelden
Dank den neuen Elektro-Trucks: Die Bierbrauerei Feldschlösschen spart 50'000 Liter Diesel

Es sind schwierige Zeiten für die Rheinfelder Brauerei Feldschlösschen: Die Coronamassnahmen sorgten auch im vergangenen Geschäftsjahr dafür, dass Gastronomie und Eventbranche deutlich weniger Getränke bezogen als vor der Pandemie. Das zeigt sich im Umsatz. Trotzdem geht die Brauerei im Bereich Nachhaltigkeit mit gutem Beispiel voran – mit der grössten Elektro-Truck-Flotte der Schweiz, Mehrweg-Glasflaschen und Solarstrom vom eigenen Dach.

Thomas Wehrli
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Ende August nahmen die Feldschlösschen-Verantwortlichen die neuen Elektro-Trucks in Empfang.

Ende August nahmen die Feldschlösschen-Verantwortlichen die neuen Elektro-Trucks in Empfang.

Severin Bigler (25. August 2021)

Für Feldschlösschen war das vergangene Geschäftsjahr anspruchsvoll. Denn die Coronamassnahmen sorgten dafür, dass die Gastronomie und die Eventbranche deutlich weniger Getränke bezogen als vor der Pandemie. Gegenüber 2019, dem letzten Vor-Corona-Jahr, lag das Umsatzminus im Gastro- und Eventbereich bei 37 Prozent, insgesamt blieb das Rheinfelder Getränkeunternehmen im letzten Jahr 19 Prozent hinter dem Umsatz von 2019 zurück.

«In Krisenzeiten müssen führende Unternehmen mit gutem Beispiel vorangehen», schreibt CEO Thomas Amstutz im jüngst erschienenen Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens. Das habe Feldschlösschen auch 2021 getan. Amstutz:

«Mit unseren 20 neuen 26-Tonnen-Elektro-Lastwagen haben wir die grösste E-LKW-Flotte der Schweiz auf die Strasse gebracht und beliefern damit unsere Kundinnen und Kunden Co2-neutral.»
Feldschlösschen-CEO Thomas Amstutz.

Feldschlösschen-CEO Thomas Amstutz.

Stefan Bienz / Aargauer Zeitung

Dass der Fricktaler Bierbrauer darauf stolz ist, spürt man beim Lesen des 75-seitigen Nachhaltigkeitsberichts, der eine wahre Fundgrube für Zahlen- und Datenfreaks ist, deutlich.

Die Elektro-Lastwagen, die an 12 Standorten in der Schweiz für die Feinverteilung von Bier und Getränken eingesetzt werden, verbrauchen im Schnitt 107 kWh auf 100 Kilometer. Dies entspricht dem Verbrauch von rund elf Litern Diesel. Insgesamt konnte Feldschlösschen im zweiten Halbjahr 2021 dank den Elektro-LKW rund 50'000 Liter Diesel einsparen.

Strom reicht für 2,6 Millionen Kilometer

Den Strom für die Lastwagen, die mit einer Ladung bis zu 200 Kilometer zurücklegen können, produziert Feldschlösschen auch gleich selber – auf den Dächern des Unternehmens.

Die Brauerei möchte ihre E-Flotte weiter ausbauen.

Die Brauerei möchte ihre E-Flotte weiter ausbauen.

Severin Bigler (25. August 2021)

Parallel zum weiteren Ausbau seiner E-Flotte wird Feldschlösschen auch seine Fotovoltaikanlagen erweitern. Und die liefern schon heute beachtlich viel Strom. «Die neuen E-Trucks könnten mit dem Solarstrom, der auf den Dächern von Feldschlösschen produziert wird, jährlich rund 2'600'000 Kilometer fahren, das heisst 63-mal rund um die Erde», heisst es im Nachhaltigkeitsbericht.

Das Unternehmen, das insgesamt 1200 Mitarbeitende beschäftigt, verfolgt seit 2017 die «Together Towards Zero»-Strategie, mit der sich in vier Bereichen eine Null-Strategie anstrebt: Beim Co2-Fussabdruck, bei der Wasserverschwendung, beim verantwortungslosen Trinken und bei der Unfallkultur. Der Co2-Ausstoss konnte – auch dank der E-Flotte – im letzten Jahr um 4,8 Prozent gesenkt werden; über die letzten fünf Jahre beträgt die Reduktion 22,8 Prozent.

Zugleich konnte das Unternehmen den Anteil der Wärmeenergie, die aus erneuerbaren Energiequellen stammt, auf 68 Prozent steigern. Ziel ist es, dass die beiden Brauereien in Rheinfelden und Sion bis 2030 Co2-neutral produzieren.

1,85 Millionen Liter Heizöl eingespart

Heizöl muss das Unternehmen heute nur noch bei Bedarfsspitzen einsetzen; die benötigte Wärme wird mit Erdgas, Biogas und konzentriertem Alkohol erzeugt, der bei der Herstellung von alkoholfreiem Bier gewonnen wird. Insgesamt fallen so 1,85 Millionen Liter Heizöl weg.

Relevant für den Co2-Fussabdruck der Biere und Getränke ist aber nicht nur die Produktion: Mit rund 40 Prozent machen Verpackungen den grössten Anteil am Co2-Fussabdruck der Produkte aus. Deshalb setzt das Unternehmen auf nachhaltige Verpackungen – und Mehrweg-Glasflaschen. Denn diese haben die beste Co2-Bilanz.

Gastronomie wünscht sich Nachhaltigkeit

Das Unternehmen baut diesen Bereich auch deshalb weiter aus und bietet ab diesem Jahr vier weitere Biere in Mehrweg-Glasflaschen an, die mindestens 40 Mal wiederverwendet werden können.

Nachhaltigkeit, das hat eine Befragung des Unternehmens im letzten Sommer gezeigt, ist auch Gastronominnen und Gastronomen wichtig. So gaben 78 Prozent der Befragten an, ökologische Aspekte seien bei der Gewinnung von neuen Gästen ein wichtiges bis sehr wichtiges Verkaufsargument. Und: 87 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass das Thema Nachhaltigkeit ihrem Betrieb zukünftig mehr Gewicht erhalten sollte.

Solaranlagen lieferten 2,7 Millionen kWh Strom

Optimiert hat das Unternehmen auch den Energieverbrauch: Dank der umfassenden Umrüstung auf LED-Beleuchtung in Rheinfelden und Givisiez verbraucht das Unternehmen 300'000 kWh weniger Strom pro Jahr. Das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von 66 Vier-Personen-Haushalten.

Die Solaranlagen der Brauerei lieferten im vergangenen Jahr 2,7 Millionen kWh Strom.

Die Solaranlagen der Brauerei lieferten im vergangenen Jahr 2,7 Millionen kWh Strom.

zvg

Rund ein Achtel des benötigten Stroms produziert Feldschlösschen mit seinen fünf Fotovoltaikanlagen selber. Sie lieferten im letzten Jahr 2,7 Millionen kWh Strom. Das entspricht dem Verbrauch von rund 650 Haushalten.

Fast ein Drittel weniger Betriebsunfälle

Auch beim Ziel, den Wasserverbrauch zu reduzieren, ging es im letzten Jahr einen Schritt vorwärts: Für die Produktion von einem Liter Bier, Softdrink oder Mineralwasser mussten im letzten Jahr 3,1 Liter Wasser eingesetzt werden – 2015 lag dieser Wert noch bei 3,8 Liter. Das Ziel für 2030 liegt bei weniger als zwei Litern pro Liter Getränk.

Erfreulich ist auch die Entwicklung bei den Betriebsunfällen, für die das Unternehmen auch eine Null-Strategie anpeilt. Im letzten Jahr konnte die Zahl der Betriebsunfälle um 29 Prozent gesenkt werden. Einen Beitrag dazu leisten auch die «Sicherheitstage», die das Unternehmen regelmässig durchführt.

Sortiment an alkoholfreien Bieren ausgebaut

Schwierig quantifizierbar ist der vierte Zero-Bereich, jener beim verantwortungslosen Trinken. Feldschlösschen macht ihn selber daran fest, dass 84 Prozent der Feldschlösschen-Kunden im Detailhandel und der Gastronomie im letzten Jahr alkoholfreie Biere anboten. Das Unternehmen schreibt dazu im Nachhaltigkeitsbericht:

«Damit es für jede Gelegenheit und jeden Geschmack auch eine alkoholfreie Alternative gibt, hat Feldschlösschen das Sortiment der alkoholfreien Biere auch 2021 ausgebaut.»

Einen Mehrwert schaffen möchte das Unternehmen an seinen Produktionsstandorten auch für die Gesellschaft. In Rheinfelden leistet das Unternehmen dazu einen Beitrag an den Umweltschutz und arbeitet an den Produktionsstandorten mit Behörden und Tourismusorganisationen zusammen, «um die Wertschöpfung in der Region nachhaltig zu steigern».