Region
Das Fricktal steht vor grösseren Weichenstellungen und Veränderungen

Mittelschule, neue Legislatur, wichtige Bau- und Entwicklungsprojekte – die Region ist in den kommenden Monaten stark gefordert. Die aus kommunaler Sicht wichtigste ist sicher der Start der neuen, vierjährigen Amtsperiode. Neu zusammengesetzte Gemeinderäte müssen sich finden und Reibungsverluste möglichst vermeiden.

Thomas Wehrli
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Markus Fäs wird am 1. Januar 2022 Gemeindeammann von Möhlin, der zweitgrössten Fricktaler Kommune.

Markus Fäs wird am 1. Januar 2022 Gemeindeammann von Möhlin, der zweitgrössten Fricktaler Kommune.

Nadine Böni / Aargauer Zeitung

Das Fricktal steht vor grösseren Weichenstellungen und Veränderungen. Eine zentrale ist der Entscheid, wo die Mittelschule Fricktal gebaut wird, die 2029 eröffnet werden soll. Das entscheidet der Grosse Rat am 9. November. Die Nase leicht vorne hat aktuell der Standort Stein, den auch der Regierungsrat vorschlägt. Doch Rheinfelden macht in den Fraktionen Boden gut. Die Mittelschulfrage ist aber längst nicht die einzige Weichenstellung, die das Fricktal in den nächsten Monaten beschäftigen und auch prägen wird.

Reibungsverluste für die Gemeinde verringern

Die aus kommunaler Sicht wichtigste ist sicher der Start der neuen, vierjährigen Amtsperiode. In vielen Fricktaler Gemeinden ist der alte auch der neue Gemeinderat; hier wird der Übergang reibungslos verlaufen. Gefordert sind jedoch jene Gemeinden, in denen ein oder mehrere neue Mitglieder ins Gremium einziehen. Hier gilt es, sich als Team zu finden – und das möglichst schnell, um die anstehenden Projekte angehen zu können und damit ohne Reibungsverluste für die Gemeinde operieren zu können.

In Möhlin ziehen Wachstumskritiker in den Gemeinderat ein

Den wohl anspruchsvollsten Findungsprozess dürfte dabei Möhlin haben, denn mit Hans Metzger und Loris Gerometta ziehen zum einen zwei Wachstumskritiker in den Gemeinderat ein, die so eine Stimme einbringen, die bislang oft aus der Opposition respektive der Bevölkerung heraus sprach. Leiten wird diesen Findungsprozess zum anderen mit Markus Fäs (SP) ein neuer Gemeindeammann; Fäs löst Politdinosaurier Fredy Böni (SVP) ab, der nicht mehr zu den Wahlen antrat. Dass Fäs, der als integrierend und fokussiert bekannt ist, diese Aufgabe gelingt, daran zweifelt niemand – aber eben: Sie muss gemacht werden.

Spezielle Herausforderung in Laufenburg

Jeder neuer Ammann bringt immer auch frischen Wind, andere politische Schwerpunktsetzungen sowie neue (Führungs-)Prinzipien ins Gremium. Diese gilt es, nicht von oben herab aufzuoktroyieren, sondern sie als Team zu implementieren. Vor dieser Herausforderung stehen unter anderem die Gremien in Gipf-Oberfrick, Mettauertal, Oeschgen oder Wölflinswil, wo ein neuer Ammann oder eine neue Präsidentin ans Ruder kommt. Vor einer speziellen Herausforderung steht der Stadtrat von Laufenburg respektive Stadtammann Herbert Weiss (Die Mitte).

Nach einem hart geführten Wahlkampf zwischen Weiss und seinem Herausforderer Meinrad Schraner (SVP), der auf beiden Seiten Wunden hinterlassen hat und der mit der Abwahl von Schraner aus dem Stadtrat endete, gilt es nun, wieder Vertrauen zu finden – ins Team und im Team. Dabei stellen sich zwei Hauptaufgaben: Erstens muss André Maier, der sich im Wahlkampf auf der Seite von Schraner positionierte und (erfolglos) als Vizeammann kandidierte, seine Rolle im Gremium neu respektive wieder finden.

Gemeinderat muss als Kollegialbehörde arbeiten

Zweitens muss die neue Stadträtin Rebecca Melton so ins Team integriert werden, dass es nicht zu einer neuen, lähmenden Lagerbildung kommt, sondern so, dass die alten Fronten im Gegenteil aufgeweicht und überwunden werden können. Anders als ein Grossrat oder ein Nationalrat – also die Legislative – muss ein Gemeinderat zwingend als Kollegialbehörde funktionieren und miteinander am Gemeindekarren ziehen. Das heisst zum einen nicht, dass in der Sache nicht hart gekämpft werden kann und auch hart in Positionen gerungen werden darf. Das ist Teil des politischen Systems. Und das heisst zum anderen nicht, dass es immer gelingt; die Rücktritte wegen «unüberbrückbaren Differenzen», die es bei kommunalen Behörden immer wieder gibt, sprechen da Bände. Aber Ziel muss es sein.

Böztal muss als Gemeinde zusammenzuwachsen

Am Ziel, zumindest formell, ist auch ein anderes Grossprojekt: Die Fusion der Gemeinden Hornussen, Bözen, Elfingen und Effingen zur neuen Gemeinde Böztal. Diese startet am 1. Januar 2022 – und auch hier wird, wie bei den Gemeinderäten, eine zentrale Aufgabe sein, als Gemeinde zusammenzuwachsen. Daneben wird die neue Gemeinde strukturell, ideell und materiell gefordert sein. Noch nicht ganz so weit, aber auf gutem Weg sind die Gemeinden Ueken und Herznach, die sich per 2023 zusammenschliessen werden. Für sie geht es in den nächsten Monaten darum, optimale Voraussetzungen zu schaffen. Dass dies gelingen wird, daran zweifelt niemand, denn die beiden Gemeinden sind ebenso konzis wie fokussiert unterwegs.

Kaistenberg beenden, Sisslerfeld beginnen

Neben diesen politischen Herausforderungen gilt es auch, für die Region wichtige Sachgeschäfte und Bauprojekte voranzutreiben. Eines ist der Kaistenberg, der noch knapp ein Jahr lang gesperrt sein wird. Ein zweites ist das Sisslerfeld, wo es darum geht, endlich eine gute Lösung für die Ansiedlung neuer Firmen zu finden. Ein drittes ist die Verkehrsinfrastruktur, die mit dem Bevölkerungswachstum und der höheren Mobilität zusehends an Grenzen stösst. Entgrenzen muss hier die Devise sein. Dazu ist beispielsweise auch ein dritter Rheinübergang bei Sisseln angedacht. Für alle Weichenstellungen und Herausforderungen bleibt eines zu hoffen. Dass sie keine Reinfälle werden.

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