Laufenburg
Peter Bichsel bezeichnet sich selbst als Wenigschreiber

Der bekannte Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel gastierte im Laufenburger Rehmannmuseum. Mitgebracht hatte er einige seiner Bücher und Kolumnen.

Ingrid Arndt
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Peter Bichsel zog das Laufenburger Publikum mit seinen eigensinnigen Geschichten in seinen Bann. ari

Peter Bichsel zog das Laufenburger Publikum mit seinen eigensinnigen Geschichten in seinen Bann. ari

Den von Peter Bichsel offerierten literarischen Leckerbissen wollten sich am Sonntag viele nicht entgehen lassen, der Zuspruch war überwältigend. Mitgekommen war auch der langjährige Freund des Schriftstellers, der Bildhauer Schang Hutter. Von ihm ist derzeit in der Ausstellung «Mensch Skulptur» ein Portrait von Bichsel zu sehen. Ein besonders berührender Moment noch vor Beginn der Lesung war es, die drei namhaften Künstler Peter Bichsel, Schang Hutter und Erwin Rehmann im fröhlich vertrauten Gespräch zu erleben.

Mit seinen stets etwas eigensinnigen, philosophisch in die Tiefe gehenden, nachdenklich humorvollen Geschichten zog Peter Bichsel vom ersten Moment an das Publikum in seinen Bann. Der Autor bezeichnete sich selbst einmal als «Wenigschreiber», schätzt deshalb auch sehr Johann Peter Hebel, der es ausgezeichnet verstanden habe, epische Breite in Kürze zu fassen.

Eigenes Erleben, eigene Erinnerungen gehen in den Prosa-Miniaturen von Bichsel ineinander über in Erdachtes, Wirklichkeit und Fantasie haben fliessende Grenzen, sind doppeldeutig, ambivalent, gesellschaftskritisch und leicht melancholisch.

Er erzählte von seiner Leidenschaft für das gemütliche Reisen im Zug mit möglichst vielen Umstiegen, von seiner Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn nach Wladiwostok, einer Lesung dort in einem etwas absurd anmutenden deutschen Buchladen, vom Kellner, der ihn mit dem allergrössten Vergnügen so oft herzte wie er nur konnte. Von freundlichen, langen Gesprächen, in denen man über die geografische Lage von Paris erst herrlich, dann frustriert aneinander vorbeiredete.

Suchte und fand anderes

Im Hafen von Bern suchte er kubanisches Flair und fand dabei ganz andere Dinge. Er tauchte ein in seine Kindheit, die er manchmal auf einem Bauernhof verbrachte und die eine glückliche Zeit war. Doch dann bevorzugte ihn ein Stier als ausschliessliche Kontaktperson, den er jedoch als übermächtig fürchtete. Ist die Angst der einen Voraussetzung für die Macht der anderen? Er dachte nach, warum seine frühere Leidenschaft für alte Filme verloren ging und erkannte, dass Leidenschaft die Wiederholung braucht. Heute jedoch eilten die Menschen von einer Aktualität zur nächsten, Wiederholung nicht mehr vorgesehen. Immer setzte Bichsel dabei seine Worte sparsam, aber umso treffsicherer.

Peter Bichsel, 1935 in Luzern geboren, wuchs in Olten auf, ist jetzt zuhause in der Nähe von Solothurn. Er absolvierte eine Ausbildung zum Primarlehrer und arbeitete bis 1973 in diesen Beruf. 1960 veröffentlichte er sein erstes Prosawerk, 1964 wurde er mit einem Schlag bekannt, als die beiden Bücher «Kindergeschichten» und «Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen» verlegt wurden.

Bichsel erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, im vergangenen Jahr den Grossen Schillerpreis. Neben dem Schreiben seiner Geschichten machte er Plattenaufnahmen, Radiosendungen, beteiligte sich an Filmen, schrieb Essays zum Beispiel über die Liebe oder seine Heimat. Peter Bichsel ist politisch sehr engagiert, von 1974-1981 war er persönlicher Berater von Bundesrat Willi Ritschard.

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