Wenn Patti Basler auf die Bühne kommt, wird es witzig und ernst, laut und chaotisch, schnell und direkt, manchmal komisch, manchmal frotzelnd und immer interessant. Patti Basler überzeugt mit Bühnenpräsenz. Was sie sagt, hat mehr Hintergrund als man im ersten Moment erfassen kann. Die Sprache und alle ihre Ausdrucksarten und Stile sind der Rahmen von Patti Baslers künstlerischem Schaffen; inhaltlich orientiert sie sich vor allem am Zeitgeschehen. Wiederkehrende Themen sind ihre ländliche Herkunft – Zeihen – und die Schule.

Patti Basler ist Satirikerin, Kabarettistin, Slammerin, Bühnenpoetin, Autorin und im Juni auch Protokollantin der «Arena» beim Schweizer Fernsehen: Hier fasste sie am Schluss der Sendung das Geschehen innerhalb von rund zwei Minuten zusammen. Patti Basler ist auch ausgebildete Lehrerin, studierte Erziehungswissenschaftlerin und Bauerntochter.

«Mein Sprachtalent wurde mir in die Wiege gelegt», sagt sie. Die Wiege stand in Zeihen, wo ihr Vater Kaspar, der sich selbst «Bauer, Philosoph und Dichter» nennt, zusammen mit seiner Frau Rösli einen Landwirtschaftsbetrieb führte. Heute wird der Hof von Patti Baslers Schwester Colette und ihrem Mann Markus Basler bewirtschaftet. Die Künstlerin ist auf dem Hof ein gern gesehener Gast. «Die Verbindung zur Scholle ist da. Ich fühle mich mit diesem Land immer noch sehr verbunden.»

Ausbildung zur Lehrerin

Wenn sie an ihre Kindheit zurückdenkt, erinnert sie sich auch an viel Arbeit; an lange Sommer, die sie hauptsächlich auf Obstbäumen verbrachte. Während die Hände Kirschen pflückten, habe der Kopf ohne Unterlass geschrieben. «Ich habe meistens auf hochdeutsch gedacht und immer gerne in Reimen.» Von einer Karriere als Künstlerin habe sie damals zwar geträumt, aber diese nie ernsthaft in Erwägung gezogen. «Ich hatte keine Vorbilder. Ich kannte nur das ländliche Zeihen und niemanden, der studiert hatte. Mein Berufswunsch erschien mir unrealistisch.»

Nach der Matur liess sich Patti Basler zur Oberstufen-Lehrerin ausbilden; danach hat sie 22 Semester Erziehungswissenschaften studiert. Einerseits habe das Studium so lange gedauert, weil sie daneben immer mindestens 50 Prozent als Lehrerin gearbeitet habe, andererseits habe sie diese Zeit auch gebraucht, um sich weiterzuentwickeln. «Ich habe dank dem Studium gelernt, anders und intellektueller zu denken. Ich hinterfrage heute viel mehr und bin kritischer geworden.»

Der Sprung von der Uelberger Heubühne, auf der Patti Basler als Kind oft sass – am liebsten barfuss – und nachdachte, auf die Showbühne kam eher zufällig als geplant. Die Lehrerin besuchte zusammen mit ihren Schülern eine Poetry-Slam-Veranstaltung und dachte sich: «Eigentlich kann ich das auch.»

Seit ihrem ersten Auftritt als Slammerin sind rund zehn Jahre vergangen; vor drei Jahren hat Patti Basler sich selbstständig gemacht. «Ich war gerne und aus vollem Herzen Lehrerin, heute kann ich mir allerdings nicht mehr vorstellen, ins Schulzimmer zurückzukehren.» Auch eine Karriere als Wissenschaftlerin wäre ihr offen gestanden. «Ich wollte nicht im stillen Kämmerlein arbeiten. Ich hatte das Bedürfnis, meine Gedanken mit einem Publikum zu teilen.»

Kritik gehört dazu

Dieses hatte Patti Basler schnell gefunden. Nach ihrem Erstling «Kropfgezwischter» (zusammen mit den Vögeli-Zwillingen) ist sie nun seit rund 100 Aufführungen mit dem abendfüllenden Programm «Frontalunterricht», zusammen mit ihrem Bühnenpartner Philippe Kuhn, unterwegs. Dazu kommen zahlreiche Radio- und Fernsehauftritte und Gastauftritte bei Firmenanlässen und andern Veranstaltungen. «Ich bin momentan fast jeden Abend auf der Bühne». Langfristig möchte sie die Auftritte eher reduzieren, um mehr Zeit zum Schreiben zu haben.

Wer sich so exponiert, muss auch mit Kritik rechnen. Patti Basler: «Ich brauche Kritik, um weiterzukommen. Wenn es allerdings nur darum geht, mich als Frau infrage zu stellen, dann kann ich darauf getrost verzichten.»

Manchmal, so Patti Basler, hätte sie sich als Kind gewünscht, dass sich die Weizenfelder rund um ihr bäuerliches Elternhaus in ein Meer verwandeln. «Mir hat im Oberen Fricktal immer das Wasser gefehlt.» Heute wohnt sie in der Region Baden, direkt an der Limmat, und geniesst es, gleich von ihrem Garten aus schwimmen gehen zu können.

Dort, im idyllischen Garten, entsteht auch ein Teil ihrer Texte; oft schreibe sie auch spät abends oder nachts. «Ich habe den Anspruch über Themen zu reden, die auch für andere Menschen relevant sind. Und ich versuche, immer weiter zu denken als nur bis zum ersten Einfall.»

Zuhörer im Kopf berühren

Patti Basler möchte die Zuhörerinnen und Zuhörer nicht nur im Bauch, sondern auch im Kopf berühren. Deshalb sei zum Beispiel auch ihr Privatleben kein Thema für die Bühne. «Ich finde nicht, dass mein Alltagsleben die Menschheit in irgendeiner Form weiterbringt und deshalb ist dies kein Auftritts-Material.»

Patti Basler ist 42 Jahre alt. «Ich bin eigentlich eine Spätstarterin in dieser Branche, aber mein Beispiel zeigt, dass man auch als Frau über 35 Karriere machen kann.» Frauenanliegen sind Patti Basler wichtig und deshalb auch ihre Botschaft an alle Frauen: «Viele Frauen sind zu bescheiden und leben einen Teil ihrer Talente nicht. Ich möchte Frauen dazu animieren, mehr von sich zu zeigen und auf ihr Können zu vertrauen.»

Grand Poetry Slam Am Samstag, 18. August, steigen im Theater Augusta Raurica ab 20 Uhr die besten Slam-Gladiatoren aus der Schweiz, Deutschland und Österreich in die Arena und kämpfen im Dreiländerbattle mit ihren Worten um den Grand-Slam-Titel. Aus der Schweiz sind neben Patti Basler Kilian Ziegler und Renato Kaiser dabei.