Wallbach

Noch keine Entwarnung: Wie wahrscheinlich ist ein drittes Hochwasser in diesem Jahr?

Am 22.Januar wurden zum letzten Mal die «Beaver»-Schläuche in Wallbach in Position gebracht. (Archiv)

Am 22.Januar wurden zum letzten Mal die «Beaver»-Schläuche in Wallbach in Position gebracht. (Archiv)

Das Überschwemmungsrisiko am Wallbach hat wegen dem warmen und trockenen Wetter im April abgenommen – trotzdem droht noch Schmelzwasser von oben.

Der Rheinpegel hielt das Regionale Führungsorgan (RFO) Unteres Fricktal bereits im Januar in Atem. Gleich zwei Mal herrschte im Fricktaler HochwasserHotspot Wallbach ein «erhebliches» Überschwemmungsrisiko.

Gründe hierfür waren massive Schneefälle im Dezember in den Höhenlagen, gefolgt vom wärmsten Januar seit Beginn der Schweizer Wetteraufzeichnungen im Jahr 1864. Dies zwang das RFO dazu, die sogenannten «Beaver»-Schläuche – mobile Dämmelemente, die mit Wasser gefüllt werden – entlang des Wallbacher Rheinufers in Position zu bringen.

In Wallbach werden Beaverschläuche verlegt

In Wallbach werden Beaverschläuche verlegt (4. Januar, 2018)

      

Blickt man zurück, so sind diese beiden Hochwasser-Einsätze im Januar aussergewöhnlich gewesen. «Die Hochwasserspitzen in Wallbach traten in den letzten Jahren in den Monaten Mai, Juni und August auf», sagt Markus Zumsteg, Sektionsleiter der Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons.

«Das RFO hat vor diesem Hintergrund aktuell mit den Feuerwehren und Gemeindevertretern Massnahmen erarbeitet, um bei einem allfälligen Hochwasser schnell handeln zu können», sagt Zivilschutzstellenleiter Beat Bühler.

Hochwasserrisiko ist gesunken

Doch wie hoch ist eigentlich das Risiko für ein drittes Hochwasser in diesem Jahr nach einem der schneereichsten Winter für Höhenlagen oberhalb von 1500 Metern in den letzten 30 Jahren? Zwar habe der überdurchschnittlich warme April zu einer raschen Schneeschmelze geführt und die Wasserabflussmenge erhöht, jedoch sei es gleichzeitig auch grössenteils trocken geblieben.

«Mit jedem warmen und trockenen Frühlingstag nimmt das Risiko eines grossen Schmelzhochwassers in Wallbach weiter ab», erklärt Bühler. Eine Entwarnung könne jedoch noch nicht gegeben werden. Entscheidend für die Abschätzung der Hochwassergefahr ist der Wassergehalt, der in der Schneedecke gebunden ist. «Oberhalb von 2000 Metern ist der Wassergehalt schweizweit noch überdurchschnittlich. Unterhalb von 1800 Metern hat die Schneedecke inzwischen weniger Wasser gespeichert als im Durchschnitt», sagt Zumsteg.

Das Worst-Case-Szenario für die Wallbacher Anrainer würde eintreten, wenn es über die nächsten Wochen zu starkem Dauerregen in den Voralpen und im Mittelland kommt, «sodass die Böden gesättigt sowie Flüsse und Seen gefüllt sind» und zudem «lang anhaltender Regen bis in die hohen Lagen den Schnee schmelzen lässt». In diesem Fall könne ein Jahrhunderthochwasser nicht ausgeschlossen werden. Laut Zumsteg sei das Risiko bei der gegenwärtigen Wetterlage in den kommenden Wochen hierfür jedoch klein.

Genügend Vorlaufzeit

Falls der Schnee in den Alpen abschmelzen sollte, braucht dieser laut Zumsteg mehrere Tage und muss mindestens einen See durchqueren, bis er im Rhein bei Wallbach ankommt. Deswegen sei es für das RFO auch kein Problem, die mobilen Dämmelemente in Aarau und Frick abzuholen und nach Wallbach zu transportieren.

«Die Vorlaufzeit für das Aufbauen der ‹Beaver›-Schläuche bei einem Hochwasser-Ereignis hat bisher immer ausgereicht», sagt Bühler. So dauerte das Verlegen und Auffüllen der mobilen Dämmelemente auf einer Länge von 550 Metern beim letzten Hochwasser im Januar rund fünf Stunden.

Sind die mobilen Dämmelemente aufgebaut, müsste die Hochwasserspitze rund 3700 Kubikmeter pro Sekunde erreichen, damit der Pegel des Rheins über die «Beaver»-Schläuche hinaustritt. Falls es dazu kommen sollte, dass der Pegel diese kritische Marke erreicht, besteht die Möglichkeit, den mobilen Damm mit einer zweiten Lage an «Beaver»-Schläuchen zu erhöhen.

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