Rheinfelden
Neue Ausstellung beleuchtet Krieg und Elend im Mittelalter

Anlässlich des Jubiläums «Die Eidgenossen kommen», das 600 Jahre Aargau zelebriert, beleuchtet die Ausstellung «Griff nach den Sternen» das Leben im 15. Jahrhundert. Der Alltag war von Krieg, Überfällen, Raub, Hunger und Elend geprägt.

Nadine Pfeifer
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Kathrin Schöb Rohner, Leiterin und Konservatorin des Fricktaler Museums in Rheinfelden.

Kathrin Schöb Rohner, Leiterin und Konservatorin des Fricktaler Museums in Rheinfelden.

Nadine Pfeifer

Der letzte Zugang zur alten Stadtmauer von Rheinfelden, die Ringmauerscheune, ist der Ort, wo man ab Samstag ins Mittelalter eintauchen kann. Anlässlich dem Jubiläum «Die Eidgenossen kommen», das 600 Jahre Aargau zelebriert, suchte der Kanton Projektpartner. Das Fricktaler Museum in Rheinfelden wollte mitmachen, obwohl ausgerechnet das Fricktal nicht eidgenössisch wurde 1415.

Die Ausstellung «Griff nach den Sternen» wird das Leben im 15. Jahrhundert beleuchten. Der Alltag war von Krieg, Überfällen, Raub, Hunger und Elend geprägt. Dabei spielt die Ringmauer eine entscheidende Rolle. «Sie war für die Verteidigung wichtig. Und es war ein Privileg der Stadt, eine Stadtmauer bauen zu dürfen», erklärt Daniela Schwab, die die Ausstellung mitgestaltet hat.

Im «nicht ganz einfachen» Gebäude befindet sich die Landwirtschaftssammlung des Fricktaler Museums. Diese stammt vorwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert. «Wir haben diese Objekte integriert. Denn auch wenn sie jünger sind, wecken sie die richtigen Assoziationen. Sie erinnern an harte Arbeit und daran, dass die Mehrheit der Leute Landwirte waren», sagt Schwab. Indem man sie mit Bauernregeln, die auf Stoffbanden gedruckt wurden, dekoriert, wolle man eine Brücke bauen. Der Schriftzug «Krieg säht Krieg», liegt zum Beispiel über der Saatmaschine.

Mehr als im Geschichtsbuch

«Was man hier in der Ringmauerscheune sieht, steht so in keinem Geschichtsbuch», sagt Kathrin Schöb Rohner, Leiterin des Fricktaler Museums. Die Quellen mussten anderweitig beschafft werden. Erschwerend kam hinzu, dass 1531 beim Rathausbrand viele Unterlagen verbrannten. Die Hauptquelle waren daher Bilderchroniken, die Städte damals anfertigen liessen.

Im ersten Stock läuft ein Beamer mit Bildern aus diesen Chroniken. «Man sieht schon, sie haben nicht gelogen», sagt Dominik Sieber, Mitgestalter der Ausstellung. In der Präsentation werden immer wieder Fotos von Waffen oder zum Beispiel Helmen eingeblendet, die unter anderem im Zeughausmuseum in Basel hinterlegt sind. Diese stimmen mit den abgebildeten Utensilien weitgehend überein.

Aus noch vorhandenen Unterlagen konnten Texte zu Profilen von Leuten, die dazumal gelebt haben, erarbeitet werden. «Es hat auch etwas für Leute, die nicht lesen möchten», sagt Dominik Sieber. Neben den geschriebenen Profilen und Infotexten bieten verschiedene Stationen mit Kopfhörern die Möglichkeit, einfach nur zuzuhören. «Uns interessieren vor allem die alltäglichen Geschichten», so Sieber. Diese liegen oft gar nicht so weit entfernt vom heutigen Alltag.

Nachtlärm verboten

«Man war damals schon bemüht Frieden zu schaffen», sagt Daniela Schwab. Das erkennt man auch daran, dass in der Stadt ähnliche Gesetze herrschten wie heute. Zum Beispiel ein Nachtlärmverbot oder ein Reglement darüber, an welchen Brunnen Fische ausgenommen werden durften, sollten den sozialen Frieden sichern. Solche Gesetze sind im obersten Stock, wo man von der Stadtmauer hinabblicken kann, ausgestellt.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts dominierte die Kriegskultur. Zum Beispiel flüchteten 400 Rheinfelder nach Basel beim Überfall von Raubritter Hans von Rechberg. In der zweiten Hälfte war es ruhiger, doch die Leute fürchteten sich vor erneuten Unruhen. Beängstigende Gerüchte gingen in der Stadt um. Solche hängen auf Stoffbanden gedruckt in einem Zwischengeschoss. «Wie man sie eben im Vorbeigehen aufschnappen könnte», so Schwab.

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