Region Fricktal

Nach Lockdown-Hoch im Frühjahr: Der Hofladen-Boom flaut langsam wieder ab

Im Hofladen von Roger Schmid liegt die Kundenfrequenz wieder auf Normalniveau.

Im Hofladen von Roger Schmid liegt die Kundenfrequenz wieder auf Normalniveau.

Statt beim Bauern kaufen die Fricktaler wieder vermehrt beim Grossverteiler ein.

Einer der wenigen Gewinner zu Beginn der Coronakrise waren die Hofläden. Kartoffeln, Sonntagszopf oder Fleisch direkt vom Bauern lag im Trend. Nicht wenige verzeichneten im Frühjahr ein Vielfaches der Kunden wie für gewöhnlich. So spricht etwa Stéphanie Delz vom Rüchihof in Möhlin von einem phasenweise «siebenfachen Umsatz» und einem «kaum mehr Hinterherkommen bei den Kunden». Doch wie sieht es eigentlich rund ein halbes Jahr später aus? Die AZ hat bei fünf Hofladen-Betreibern nachgefragt, was aus dem Boom geworden ist.

Delz sagt, dass dieser zwischenzeitlich zwar abgeflaut sei. Aber immerhin: «Statt drei- bis viermal so viele Kunden wie für gewöhnlich, sind es noch doppelt so viele, die kommen.» Einige der Neukunden sind geblieben, weil sie die Regionalität der Produkte und die Hofladen-­Philosophie schätzten. Andere wiederum seien damals nur aus Bequemlichkeit gekommen. «Weil sie vermutlich nicht in die vollen Grossverteiler wollten und es schöner und sicherer fanden, vor einem Hofladen als vor einem überfüllten Grossverteiler warten zu müssen.»

Viele kaufen wieder da ein, wo es am günstigsten ist

Pia Steinacher schätzt das Mehr an Kundschaft über Frühling und Sommer in ihrem Hofladen in Schupfart auf etwa einen Drittel. Die Zahl der Kunden habe mittlerweile aber wieder ein gewöhnliches Niveau erreicht. «Die meisten kaufen wohl nun wieder da ein, wo es am günstigsten ist», vermutet sie.

Ähnlich tönt es bei Roger Schmid vom Beerenhof in Wölflinswil. Eine Zeit lang seien mehr als doppelt so viele Kunden gekommen. Jetzt sind es noch rund 10 bis 20 Prozent mehr als für gewöhnlich. «Mit der Öffnung der Grenze zu Deutschland hat die Kunden­anzahl schlagartig abgenommen», sagt Schmid.

Helen Schmid vom Erlenhof in Wittnau fällt auf, dass die Kunden seit dem Lockdown mehr auf Vorrat kaufen. Hier nennt sie etwa Fleisch-Mischpakete.

Obst der Klasse 2 wird vermehrt nachgefragt

Weiter hätten sich die Menschen während des Lockdowns mehr Zeit zum Kochen, für neue Rezepte und die Verarbeitung und Haltbarmachung von Lebensmitteln genommen. Dies habe nun Auswirkungen auf die Nachfrage bestimmter Produkte. «Etwa wird Obst der Klasse 2 vermehrt nachgefragt, um es einzulegen, heiss einzufüllen, Konfitüre daraus zu machen oder in einem Kuchen zu verarbeiten», sagt Schmid.

Bruno Wirth vom «Buurehof» in Olsberg sagt, dass sich Corona negativ auf seinen Weinverkauf auswirkt. «Grössere Veranstaltungen oder Feiern gibt es ja kaum.» Auch die Lieferung von Obstkörben an Unternehmen liegt derzeit unter normalem Niveau. Das Gegenteil beim Fleisch: «Da komme ich kaum hinterher», so Wirth.

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Autor

Dennis Kalt

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